PRAXISTIPPS : HOMEOFFICE IN FRANKREICH

Seit Erreichen der Stufe 3 der Corona-Pandemie ist die Einführung der Arbeit im Homeoffice für den Arbeitgeber in Frankreich quasi zur Pflicht geworden, soweit der Arbeitsplatz eine distanzierte Arbeit ermöglicht. Folgende Punkte sollten Sie berücksi...

  1. Arbeit im Homeoffice kann in der Corona-Zeit ohne vorherige Einholung der Zustimmung des Arbeitnehmers angeordnet werden. Allerdings sollte den Arbeitnehmern eine Informationsnotiz über die Hintergründe, die Bedingungen und die Dauer der Arbeit im Homeoffice übermittelt werden.
  1. Bei Bestehen eines Betriebsrats (CSE) soll dieser vor Einführung der Arbeit im Homeoffice grundsätzlich informiert und angehört werden. In Eilfällen kann er auch nachträglich informiert werden. Es sollte mit dem CSE spätestens zum Ende der Krise eine Bilanz über die Situation der Arbeitnehmer im Homeoffice gezogen werden.
  1. Der Arbeitgeber sollte zu Beginn der Corona-Krise für jeden Arbeitnehmer geprüft haben, ob sich der Arbeitsplatz und der Inhalt der Tätigkeit für eine Arbeit im Homeoffice eignen und welche Anpassungen vorzunehmen sind. Für die Fortführung der Tätigkeit im Homeoffice notwendige Arbeitsmittel, hat der Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen.
  1. Sollte der Mitarbeiter trotz der Lockerung der Corona-Maßnahmen in Frankreich den Wunsch äußern, weiterhin im Homeoffice zu arbeiten, wird dringend empfohlen, diesem Wunsch nachzukommen: Der Arbeitgeber hat ohnehin in diesem Fall kein Sanktionsrecht, wenn die Arbeit im Homeoffice tatsächlich möglich ist und es drohen darüber hinaus Schadensersatzansprüche zugunsten des Arbeitnehmers.
  1. Die Kontrolle der Arbeitszeit gehört zu den Pflichten des Arbeitgebers. Der Arbeitgeber hat die Bedingungen dieser Kontrolle schriftlich (in der Informationsnotiz, Charta oder Betriebs­vereinbarung) festzulegen. Hierfür kann ein elektronisches Zeiterfassungs- oder Stempel­system (z. B. über eine App) eingeführt werden. Der Arbeitgeber trägt die Beweislast für die Anzahl der geleisteten Stunden, aber auch für die Einhaltung der Pausenzeiten, der täglichen und wöchentlichen Ruhezeiten sowie der maximalen Arbeitszeiten.
  1. Auch im Rahmen einer Homeoffice-Tätigkeit muss der Arbeitgeber den Sicherheits- und Gesundheitsschutz am (heimischen) Arbeitsplatz sicherstellen. Zur Sicherheitspflicht des Arbeitgebers gehört auch die Prüfung der technischen und elektrischen Ausstattung der „Heimarbeitsräume“. Da eine solche Prüfung momentan nicht immer möglich ist, wird empfohlen, ggfs. eine Konformitätsbescheinigung vom Arbeit­nehmer zu verlangen. Damit diese gültig wird, ist es jedoch notwendig, den Mitarbeiter über die Risiken einer nicht konformen Installation zu informieren. Zudem sollte das Dokument zur einheitlichen Risikobewertung aktualisiert werden und dabei die Besonderheiten von Homeoffice berück­sichtigen, sowie die mit dieser Arbeitsgestaltung verbundenen Risiken (u. a. Erkrankungen des Bewegungsapparats, soziale Vereinsamung, usw.).

 

Autorinnen: Anne Brion und Angelika Mézières , beides Avocates au Barreau de Paris an unserem Kölner Standort.

Angelika Mézières (linke Seite) und Anne Brion (rechte Seite)