Safe für digitale Werte

Luxemburg erarbeitet sich gerade das Image, der führende Anbieter digitaler Sicherheitsleistungen zu werden. Die Qualität der Infrastruktur ist nicht das einzige Argument hierfür.

Rechte: Paperjam

Luxemburg erarbeitet sich gerade das Image, der führende Anbieter digitaler Sicherheitsleistungen zu werden. Die Qualität der Infrastruktur ist nicht das einzige Argument hierfür.

Wird die Funktion des „Digitalen Panzerschranks“ das Bankgeheimnis als Argument für Luxemburg ersetzen? Das Thema ist in Luxemburg aktuell. Hier haben die gemeinsamen Anstrengungen der öffentlichen und privaten Akteure es geschafft haben, dem Großherzogtum einen immer stärkeren internationalen Ruf in diesem Bereich zu bescheren.

Im vergangenen Jahr beschloss Estland, eine erste digitale Botschaft auf dem luxemburgischen Boden einzurichten. Im März betraute das Europäische Patentamt (EPA) alle seine elektronischen Archive dem Land. Ein Meister tritt in einem Markt, der verspricht, ein Träger zu sein. Luxemburg hat nicht zu unterschätzende Argumente. Nach dem Vereinigten Königreich, ist es das europäische Land, das die meisten Rechenzentren mit der Bezeichnung Tier IV, (die höchste Sicherheitsstufe) beherbergt - es existieren 9 in Luxemburg gegenüber 15 in Großbritannien – gegenüber beispielsweise 3 in Frankreich. Das Großherzogtum ist zudem über ein hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz mit dem Rest des Kontinentes verbunden.

Auch einige private Anbieter sind mittlerweile anerkannte Experten, wie z.B. LuxTrust, europäischer Marktführer im Management elektronischer Signaturen, oder die Luxemburgische Post, die ein sehr fortschrittliches Verschlüsselungssystem entwickelt hat. Aber der technische Aspekt ist nur ein Teilargument für das Konzept von Digital Safe.

Auch in benachbarten Ländern vermarkten bereits viele Anbieter, darunter auch Banken, luxemburgische Sicherheitskonzepte. „Vollverschlüsselte IT-Lösungen werden zukünftiger Sicherheitsstandart werden!“ betont Pierre Zimmer, Vorstand der Post-Gruppe. Sie werden in Kürze eine Selbstverständlichkeit sein. Das von uns entwickelte Verschlüsselungsmodul wird direkt in die Software-Applikation integriert.

Luxemburg hebt sich eigentlich durch andere Argumente von den Nachbarländern ab. "Gründe, die einen Staat dazu bewegen, seine Daten im Ausland zu hosten, sind dessen politische Stabilität und besondere Gesetzgebung", erklärt Frans Iglesias-Vier, CEO von UBCOM, einer schweizerischen Beratungsgesellschaft für Cybersecurity. Hier unterscheiden sich Luxemburg und die Schweiz von den anderen EU-Staaten. In diesen Ländern schützt das Grundrecht die persönliches Verfügungsgewalt über eigene Daten. Dies wird in der Praxis sehr ernst genommen und mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht über Nacht geändert. Zum Vergleich: Frankreich führte als Reaktion auf Terroranschlägen 2015 eine ganze Reihe von repressiven Änderungen im Datenschutz ein, die den Standort für Unternehmen unglaubwürdig gemacht haben.

Luxemburg ist sich seiner Stärken bewusst und hat kommuniziert diese nun durch eine umfassende Kampagne ins Ausland. Eine Strategie, die sich im Umfeld des Brexit bereits als sehr erfolgreich erwiesen hat. "In London hat sich das Großherzogtum als erstes Wahl für den Datentransfer innerhalb der EU etabliert.", bestätigt Frans Iglesias-Vier. Luxemburgs konservativer Ansatz der Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit in legislativer und qualitative Hinsicht ist das Erfolgsrezept. Auf Basis dieses Vertrauens werden nun neue technische Herausforderungen wie Blockchain begleitet. Hier wird stark in die neue Infra-Chain-Initiative investiert. Ende April kündigte LuxTrust in diesem Sinne einen neuen Dienst in Partnerschaft mit Intech, einer Tochter der Post-Gruppe, an, der die Identitätssicherheit von Blockchain-Nutzern sicherstellen wird. Eine "Weltpremiere" versicherte das Unternehmen stolz in der Presse. Vor allem ein neuer Trumpf für Luxemburg.  (Paperjam, 15.06.2018)