Betriebsübergabe muss von Profis begleitet werden

Fachanwalt und Verband informierten

Der Seniorchef hat seinen Betrieb abgegeben, die Juniorchefin arbeitet erfolgreich.
Doch dann stirbt sie nach einem Unfall, und ausgerechnet der Ex-Ehemann erbt – inklusive Geschäftsanteile.
Der tragische Fall zeigt drastisch: Unternehmer sollten schon in jungen Jahren ihre Nachfolge regeln. Genau um dieses Thema ging es bei einem Informationsabend des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der Sparkasse Koblenz. Die Botschaft des Mittwochabends war klar. Es reicht eben nicht,„ja, ich will“ zu sagen, man muss es auch tun.

Aktuell gibt es bundesweit rund 3,6 Millionen kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Gemeinsam erbringen sie 50 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. In vielen dieser Betriebe muss die Nachfolge geregelt werden. Sarah Hennemann, Leiterin des BVMW Mittelrhein, verwies auf eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung für den Zeitraum 2014 bis 2018. Demnach stehen rund 700000 KMU vor einem Generationswechsel. Da es für manches Unternehmen keinen geeigneten Nachfolger gibt, steht auch ein Verkauf zur Debatte. Dabei lauern viele juristische und steuerliche Fallstricke, die leicht existenzbedrohend sein können.

Hausherr Karl-Heinz Weber warnte: „Das ist ein Verlust für die ganze Region, wenn ein Unternehmen nicht mehr da ist.“ Das stellvertretende Mitglied des Sparkassen-Vorstandes ermunterte Unternehmer, sich frühzeitig auf alle Individualitätenvorzubereiten–am besten mit einem Beraternetzwerk. Das sah auch der Hauptreferent des Abends, Dr. Andreas Fromm so. Der Fachanwalt für Steuerrecht und Steuerberater nannte das Beispiel eines Unternehmens aus dem süddeutschen Raum. Hier war nur ein Notar eingeschaltet. Damit hatte sich die Inhaberfamilie zwar Rechtssicherheit verschafft, aber die steuerliche Seite nicht bedacht. Ergebnis: Es drohten horrende Nachzahlungen. Erst als die Betroffenen stutzig wurden, verhinderte ein Beraterteam Schlimmeres. Der Fall zeigt, dass gerade bei traditionsreichen und erfolgreichen Familienunternehmen die unterschiedlichsten Rechtsund Steuerbereiche angeschnitten werden. Und es gibt kaum jemanden, der alle Bereiche gleich gut beherrscht. Und so kommt es immer wieder vor, dass Freibeträge nicht optimal genutzt werden und umgekehrt Steuerforderungen aufgebaut werden, die völlig unnötig sind.

Der Wechsel an der Unternehmensspitze sollte schrittweise vorbereitet werden. Egal ob Familienmitglied oder externe Führungskraft: Andreas Fromm riet, die Verantwortung stufenweise zu steigernvundveinesTagesvauch die Größe zu haben, sich zurückziehen. So mancher Seniorchef schafft das nicht. Das demotiviert Mitarbeiter und Nachfolger gleichermaßen, sie wechseln in ein anderes Unternehmen. Und plötzlich steht ohne Not das eigene Lebenswerk auf dem Spiel.