Attraktive Finanzierung von Investitionen in Afrika

AfricaConnect unterstützt europäische KMU bei ihren Engagements in Afrika. Über diese Form der Darlehensfinanzierung sprach DER Mittelstand. mit Volker Schwab, Vice President bei der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG).

Volker Schwab, Vice President bei der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG)

Der Mittelstand.: Herr Schwab, immer mehr deutsche Unternehmen interessieren sich für die Wachstumsmärkte in afrikanischen Ländern. Vor allem für kleinere Investitionsvorhaben fehlen jedoch oft passende Finanzierungsangebote. Was hat die DEG hier für den deutschen Mittelstand zu bieten?

Volker Schwab: Mittelständische Unternehmen sind eine wichtige Zielgruppe für die DEG. Speziell für den deutschen Mittelstand bieten wir etwa mit dem AfricaConnect Programm ein attraktives Angebot für Finanzierungen zwischen 750.000 und fünf Millionen Euro. Dieses Programm wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

Wie sehen die Konditionen des AfricaConnect Programms aus, und was müssen Unternehmen bei der Beantragung beachten?

Der schlanke Prüfprozess und die einfache Finanzierungsstruktur machen AfricaConnect interessant. Wir bieten ein Darlehen mit Laufzeiten von bis zu sieben Jahren zu attraktiven Konditionen. Die Beantragung erfolgt formlos anhand von Unterlagen, die eine Beurteilung des Vorhabens erlauben. Dazu gehören Jahresabschlüsse, eine qualitative Beschreibung des Projektes sowie eine Projektrechnung. Weiterer Informationsbedarf ergibt sich im Laufe der Prüfung und im Austausch mit dem Kunden.

Gibt es Mindestanforderungen an die antragstellenden Unternehmen?

Essenziell ist die Bereitschaft zur Einbringung eines angemessenen Eigenbeitrags, wobei bei bereits bestehenden Tochterunternehmen auch bilanziell bereits eingebrachte Eigenmittel angerechnet werden können. Daneben muss die Wirtschaftlichkeit des Geschäftsmodells anhand des Proof of Concept nachgewiesen werden. AfricaConnect als Darlehensprogramm kann keine Unternehmen in der Entwicklungs- oder Startup-Phase finanzieren. Ansonsten benötigen wir einen fundierten Bezug zur EU, vorzugsweise durch das Mutterunternehmen mit Sitz in der EU.

Wie viel Zeit vergeht von der Einreichung des Antrags bis zur Fertigstellung des Kreditvertrages?

Wie bereits erwähnt, ergibt sich die Attraktivität des Programms unter anderem aus den schlanken Prozessen. Dennoch erfolgt eine seriöse Kreditprüfung, und hier sind wir auf Zuarbeit der Kunden angewiesen. Wenn alles glatt läuft, können wir innerhalb von acht Wochen zu einem Kreditvertrag kommen. Die Regel ist eher drei bis vier Monate. Eine Krisenfinanzierung, mit der wir Unternehmen, die nur aufgrund der COVID-19-Krise in Liquiditätsengpässe gekommen sind, einen Überbrückungskredit bereitstellen können, kann dagegen auch mal in weniger als acht Wochen durch sein.

Wie unterscheidet sich die Finanzierung durch AfricaConnect von klassischen Darlehen?

Der wesentliche Unterschied ist die schlanke Struktur, dabei insbesondere die in der Regel fehlende Besicherung. Der Umfang der Prüfung spiegelt die Höhe des Kreditbetrags wider und ist somit schlanker als bei einem klassischen Darlehen. Keine Abstriche machen wir dagegen bei den Anforderungen zur Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards. Allerdings schätzen gerade dies, verbunden mit unserem Beratungsangebot und der Möglichkeit von Zuschüssen, unsere Projektpartner. Klima und Impact werden immer wichtigere Themen, und im Rahmen von AfricaConnect- Finanzierungen können wir Unternehmen bei Transformprozessen unterstützend begleiten.

Können Sie ein Beispiel nennen für ein Projekt eines mittelständischen Unternehmens, das eine Finanzierung über AfricaConnect erhalten hat?

Ein schönes Beispiel ist das Projekt mit der Firma Klingele aus Baden- Württemberg: Wir finanzieren den Aufbau eines neuen Werkes zur Endverarbeitung von Kartonagen im Senegal. Es ist der erste größere Schritt des Mittelständlers nach Afrika, sodass die Aussicht auf Risikoteilung durch eine unbesicherte Fremdfinanzierung zur Investitionsentscheidung beigetragen hat.
 
Was empfehlen Sie kleinen und mittleren Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit in Afrika auf- und ausbauen wollen?

Afrika ist extrem vielfältig. Entsprechend sind eine intensive Auseinandersetzung mit dem Zielland, viel Geduld und ein finanzielles Polster gefragt. Zudem sind verlässliche Partner und eine enge Begleitung vor Ort – gerade in der Anlaufphase – wichtige Erfolgskriterien.

Das Interview führte Lena Pahlenberg, BVMW Business-Scout.

 

Visitenkarte

Volker Schwab arbeitet seit 2003 bei der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG). Nach Stationen im Bereich der Förderprogramme sowie in verschiedenen Segmenten der kommerziellen Finanzierung ist er seit Mitte 2019 in der Abteilung „Deutsche Wirtschaft“ als stellvertretender Programmleiter für AfricaConnect tätig.

Gut zu wissen

In ihrer Funktion als Business Scout for Development berät Lena Pahlenberg im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums BVMW Mitglieder zu den vielfältigen Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Für ein persönliches Beratungsgespräch nehmen Sie gern Kontakt auf unter business-scout@bvmw.de