Sustainable Finance

Die Anstrengungen gegen den Klimawandel und die gleichzeitige Förderung einer nachhaltigen Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft weiten sich aus. Dabei spielen Nachhaltigkeitsaspekte in der Unternehmensfinanzierung eine immer größere Rolle.

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In der Vergangenheit haben politische Entscheidungsträger vor allem die Produktionsseite von Unternehmen durch Regulierungsmaßnahmen gesteuert, um so gesellschaftliche Ziele zur Ausgestaltung der Arbeitswelt oder der Umwelt zu erreichen. Dazu gehören zusätzliche Auflagen oder Steuern, aber auch die Festlegung von Standards oder Richtlinien. Zuletzt hat sich der Fokus des Regulierungsansatzes zunehmend auch auf die Finanzierungsseite von Unternehmen ausgeweitet. Finanzprodukte sollen verstärkt zur Erreichung klimapolitischer Ziele beitragen. Auf politischer Ebene stehen dabei Begriffe wie „Sustainable Finance“ im Zentrum der Diskussion.

Sustainable Finance – was ist das?

Auch wenn es bislang keine einheitliche Definition für diesen Begriff gibt, lassen sich unter „Sustainable Finance“ alle Finanzierungsformen zusammenfassen, die dazu dienen sollen, Nachhaltigkeit zu fördern und Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekte im Entscheidungsprozess zu berücksichtigen. Vor dem Hintergrund der ambitionierten Klimaziele dominieren insbesondere grüne Finanzierungsmodelle bzw. Finanzprodukte das Geschehen, weshalb synonym auch oft von „Green Finance“ gesprochen wird. Grundsätzlich lässt sich das Konzept in zwei Hauptkategorien unterteilen: Einerseits handelt es sich um zweckgebundene Finanzierungen, die an eine konkrete Unternehmung mit einem positiven Umwelt- oder Sozialeffekt gebunden sind. Andererseits handelt es sich um „Sustainability- linked Loans“, bei denen die Mittelverwendung zwar nicht zweckgebunden ist, aber die Kosten für die Finanzierung an Nachhaltigkeitskriterien gekoppelt sind und sich die Konditionen aus einem diesbezüglichen Rating ergeben.

Für den Mittelstand nicht uninteressant

Die nationalen und europäischen Nachhaltigkeitsziele erfordern einen tiefgreifenden Transformationsprozess, an dem auch der deutsche Mittelstand maßgeblich beteiligt sein wird. Nachhaltige Finanzierungsinstrumente sind bei mittelständischen Unternehmen bislang aber eher die Ausnahme. Das hängt einerseits mit dem Aufwand zusammen, der sich durch steigende Offenlegungs- und Berichtspflichten ergibt. Andererseits spielt für kleine und mittlere Unternehmen die klassische Bankenfinanzierung nach wie vor eine viel größere Rolle als eine Finanzierung über den Finanzmarkt. Aber auch die Banken haben bereits begonnen, Nachhaltigkeitsfaktoren in die Datenerfassung und Modellierungsmodelle einzubinden. Es ist daher absehbar, dass nachhaltige Finanzierungen zukünftig zu deutlich besseren Konditionen angeboten werden, weshalb es sich ausgabenseitig auch für Mittelständler zunehmend lohnen wird, das Thema gezielt anzugehen.

 

Gut zu wissen

 

  • Sustainable Finance umfasst alle Finanzierungsformen und Finanzprodukte, die dazu dienen sollen, Nachhaltigkeit zu fördern und Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekte im Entscheidungsprozess zu berücksichtigen
  • Zu den wichtigsten Instrumenten zählen beispielsweise Förderkredite, Green- Bonds, Green-Loans, grüne Schuldscheine, ESG-linked Loans, ESG-linked Schuldscheine und ESG-linked Bonds
  • Weitere Informationen: Broschüre zu Sustainable Finance der Bundesregierung
    https://bvmw.info/Broschüre

Florian Kässens
BVMW Referent Steuern und Finanzen
florian.kaessens@bvmw.de