Datenkrake SCHUFA?

Jeder hat schon einmal von ihr gehört. Und jeder geht unterschiedlich mit ihr um. Erfahrungsgemäß erfolgt kein proaktiver Umgang mit der SCHUFA. Und erfahrungsgemäß wird fast jeder mir ihr konfrontiert, wenn er sie ignoriert.

Der Name SCHUFA steht für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. Die SCHUFA Holding AG ist ein deutsches privatwirtschaftliches Unternehmen, das wirtschaftsrelevante Daten über Privatpersonen und Unternehmen sammelt und diese an seine Vertragspartner weitergibt, auch „Wirtschaftsauskunftei“ genannt. Die Kunden sind Banken, Telekommunikationsunternehmen, der Onlinehandel, aber inzwischen auch jegliche Dienstleister, die bei der SCHUFA Vertragspartner werden und Daten abrufen können.

Es ist ein Mythos, dass die SCHUFA nicht braucht, wer keine Kredite hat oder benötigt. Insbesondere auch im Unternehmertum gilt: Die SCHUFA ist Teil im Alltag jedes Deutschen, ob es ihm passt oder nicht. Mit fast jedem Vertrag, der im Onlinehandel geschlossen wird, werden die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) akzeptiert, und in ihnen verbirgt sich häufig die SCHUFA-Klausel, mit der gestattet wird, dass Daten an die SCHUFA weitergegeben werden.

SCHUFA auf Expansionskurs

Selbst wer im Privatleben ohne die SCHUFA zurechtkommt, spätestens als Unternehmerin oder Unternehmer wird man mit ihr konfrontiert. Und zwar nicht nur, wenn man ein Bankkonto eröffnet, einen Kontokorrentkredit für das Unternehmen beantragt oder Bestellungen aufgibt. Seit Corona hat die SCHUFA als Auskunftei an Relevanz gewonnen, weil sie die Banken bei der Prüfung von Krediten aus dem Schnellkreditprogramm der KfW unterstützt. Aufgrund der Risikofreistellung hat die ausgebende Bank oder Sparkasse keine klassische Kreditrisikoprüfung mehr durchzuführen. Die Kreditvergabe ist jedoch weiterhin davon abhängig, ob der Antragsteller die Vergabevoraussetzungen erfüllt. Es muss eine Validierung der Antragsangaben zum Schutz vor Betrug vorgenommen werden.

„Erfahrungsgemäß werden Geschäfte bereits ab einem Wert von 90 bis 95 Prozent schwierig.”


Waren es in der Vergangenheit in den meisten Branchen insbesondere die Auskunfteien Creditreform und CRIF Bürgel, die den Kuchen unter sich aufgeteilt haben, wird nun auch die SCHUFA im Bereich der Unternehmensauskünfte immer häufiger konsultiert und damit relevanter. Hintergrund ist, dass die SCHUFA argumentiert, dass sie eher als ihre Wettbewerber über Daten der Unternehmerperson verfügt, und dass aus dem Zahlungsverhalten der Unternehmerperson das Zahlungsverhalten des Unternehmens abgeleitet werden kann.

Score und 100 Prozent

Bei Privatpersonen berechnet die SCHUFA zwei unterschiedliche Scores: den Basisscore und den Branchenscore. Letzterer bezieht sich auf die „Kaufsache“ und wird für den Versandhandel, Banken und Gewerbetreibende ermittelt und kommuniziert.

Je geringer der von der SCHUFA berechnete Wert ist, umso höher wird das Risiko bewertet, dass die Person ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen wird. Ein Wert von 100 Prozent würde bedeuten, dass unter keinen Umständen ein Zahlungsausfall angenommen wird. Dieser Wert ist erfahrungsgemäß jedoch nur rechnerisch erreichbar, in der Realität nicht. Generell sollte man sich nicht davon leiten lassen, dass man mit 90 Prozent nicht weit entfernt von den 100 Prozent sei und damit über eine gute Bonitätsbewertung verfüge: Die SCHUFA ermittelt vier Risikostufen, und bereits bei 95 bis 90 Prozent wird ein „zufriedenstellendes bis erhöhtes Risiko“ gesehen, bei 90 bis 80 Prozent ein „deutlich erhöhtes bis hohes Risiko“ und bei 80 bis 50 Prozent ein „sehr hohes Risiko der Zahlungsunfähigkeit“.

Konkrete Auswirkungen

Erfahrungsgemäß werden Geschäfte bereits ab einem Wert von 90 bis 95 Prozent schwierig. Demnach sollte der SCHUFA-Score möglichst über 95 Prozent liegen, denn nur dann wird das Risiko eines Kreditausfalls als sehr gering bis überschaubar eingestuft. Bei einem Wert unter 50 Prozent ist ein Geschäft nahezu ausgeschlossen.

Bei Unternehmen gelten unterschiedliche Skalen für registergeführte Unternehmen, Kleingewerbetreibende und Freiberufler. Bei den registergeführten Unternehmen entspricht ein Wert von 100 bis 250 einer „grünen“ Bonitätsbewertung.

 

Gut zu wissen

 

  • Wissen, was die Geschäftspartner wissen! Bringen Sie in Erfahrung, welche Daten die SCHUFA über Sie und Ihr Unternehmen gespeichert hat
  • Beantragen Sie mindestens einmal jährlich eine ausführliche Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO (Selbstauskunft) bei der SCHUFA
  • Über meineSCHUFA kompakt können Sie Ihre Daten online direkt im Portal einsehen und Benachrichtigungen erhalten, wenn jemand Ihre Daten anfordert

Kristina Borrmann
Inhaberin Solvenznavigation
BVMW-Mitglied
www.solvenznavigation.com

 


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