Programmierter Erfolg

Die vergangenen zwei Jahre waren vor allem für den Mittelstand durch einen regelrechten Existenzkampf geprägt. Digitale Kompetenzen sind daher wichtiger denn je. Förderprogramme helfen, diese zu erlangen.

36 Prozent der Befragten bei der Unternehmensbefragung der KfW Bankengruppe 2021 berichten von einem leichten Kreditzugang, wobei mehr als jedes vierte befragte Unternehmen Schwierigkeiten meldete.

Die Rahmenbedingungen, wie und vor allem wo Wirtschaft und Handel stattfinden, haben sich, nicht zuletzt wegen der Coronakrise, massiv in den digitalen Raum verschoben. Was früher Laufkundschaft, Plakate und der eigene Laden waren, sind heute Website-Besuchende, Social Media Marketing und ein Onlineshop. Viele kleine und mittlere Unternehmen haben diese Entwicklungen bereits erkannt und reagieren darauf. Dennoch geben 79 Prozent der KMU an, großen Bedarf an digitalen Grundkompetenzen zu haben. Viele stellen sich immer wieder die Fragen: Wo fange ich an? Wie fange ich an? Und wie bezahle ich das?

Die Frage, wo anfangen, ist schnell beantwortet: Unternehmerinnen und Unternehmer verschaffen sich einen Überblick über ihr Unternehmen, dessen Prozesse, Daten und Geschäftsbereiche. Es empfiehlt sich, diesen Überblick zu dokumentieren und zu visualisieren und eine Liste der kritischsten Punkte zu erstellen. Daraus werden ein Anforderungskatalog und mögliche Lösungen erarbeitet. Anschließend recherchiert und eruiert man entsprechende Lösungen, vergleicht diese und wählt die beste aus.

Der entscheidende Faktor

Bevor man sich allerdings Gedanken zur Anschaffung von neuen digitalen Lösungen macht, muss sichergestellt werden, dass der wichtigste Faktor bei der Digitalisierung konsequent mitgedacht wird: die Mitarbeitenden. Studien der KfW zufolge ist das Thema IT-Kompetenzen der Mitarbeitenden direkt nach der Finanzierungsfrage die größte Hürde bei der Digitalisierung. Neue digitale Lösungen erfordern ein hohes Maß an Fachkenntnis sowie IT-Verständnis und setzen systemisches Denken von Anwendenden voraus. Jede digitale Lösung kann nur so gut sein wie die Mitarbeitenden, die sie anwenden. Die Belegschaft muss also qualifiziert werden und nicht einfach nur erweitert oder ausgetauscht. Ansonsten können wichtige Erfahrungswerte und essenzielles Know-how von langjährigen Mitarbeitenden verloren gehen. Aus einer Umfrage des Kompetenzzentrums für Fachkräftesicherung (KOFA) geht hervor, dass 2018 bereits 80 Prozent der befragten Unternehmen erste Erfahrungen mit digitaler Weiterbildung und digitalen Lernmedien gesammelt haben. Der Mittelstand erkennt also den Stellenwert und die Bedeutung von digitaler Weiterbildung.

Finanzielle Förderung für Weiterbildung

Hier gibt es gute Nachrichten: Die Gesetzgebung hat dieses Thema seit einiger Zeit auf der Agenda und setzt zunehmend Förderprogramme speziell für die digitale Weiterbildung von Mitarbeitenden auf. Nicht zuletzt das neue Qualifizierungschancengesetz der Bundesregierung soll Arbeitgebende, die ihre Mitarbeitenden digital weiterbilden, über Zuschüsse zu den Lohnkosten entlasten. Die Art der Förderprogramme variiert dabei stark, so gibt es direkte Zuschüsse, Kredite, Übernahme von Beratungsleistungen oder Unterstützung bei der tatsächlichen Umsetzung in Form von Förderprojekten, wie zum Beispiel die Maßnahmen der Mittelstand-Digital- Zentren oder der Weiterbildungsverbände.

Für Unternehmen kann es eine Herausforderung sein, die Übersicht zu behalten. Erste Anlaufstelle ist die www.foerderdatenbank.de des Bundes und deren digitaler Förderlotse. Diese helfen, einen Überblick über passende Förderprogramme zu gewinnen.

Die relevantesten Förderprogramme

■ Neu und beliebt ist Digital Jetzt, ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie für KMU mit drei bis 499  Mitarbeitenden. Das seit September 2020 bestehende Programm bezuschusst Investitionen in Digitalisierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen mit bis zu 100.000 Euro bei maximal 70 Prozent der Gesamtinvestition. Aufgrund des großen Interesses erfolgt die Beantragung per Losverfahren. Insgesamt stehen bis 2024 maximal 250 Millionen Euro zur Verfügung.

■ Explizit zur Förderung von Weiterbildung der Mitarbeitenden dient das europäisch-deutsche Förderprojekt „unternehmens-Wert:Mensch plus". Auch hier handelt es sich um einen direkten Zuschuss von bis zu 80 Prozent der Gesamtkosten. Allerdings werden nur Beratungsleistungen mit qualifizierten Beratern gefördert. Im Mittelpunkt stehen Wissens- und Kompetenzsicherung, Chancengleichheit und Vielfalt sowie die Gesundheit von Mitarbeitenden.

■ Die Bundesländer bieten über ihre landeseigenen Investitionsbanken einige Fördermaßnahmen für die Digitalisierung von KMU an. Ein Beispiel ist die Digitalprämie Berlin. Der Zuschuss von bis zu 17.000 Euro, maximal 50 Prozent der Gesamtinvestition, soll KMU mit zehn bis 249 Angestellten bei der Digitalisierung ihres Unternehmens und Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden unterstützen.

■ Auch der vom BVMW geleitete Weiterbildungsverbund Thüringen (www.wbvt-mittelstand.de) hilft als regionale Fördermaßnahme kleinen und mittleren Unternehmen in Thüringen, Herausforderungen in Fragen von digitaler Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden zu meistern. Ebenso bietet das Mittelstand-Digital Zentrum Berlin kostenlose Workshops und Tutorials unter www.gemeinsam-digital.de.

 

Paul Sonnenberg
BVMW Referent Förderprojekte
mittelstand@bvmw.de

Gut zu wissen

Wenden Sie sich bei Interesse und Fragen jederzeit an die Kolleginnen und Kollegen des BVMW Expertenkreises Förderprogramme:

www.bvmw.de/themen/mittelstand/expertenkreis-foerderprogramme

gemeinsam-digital.de 

■ oder des Weiterbildungsverbundes Thüringen: wbv@bvmw.de

Klären Sie, ob auch Ihr Unternehmen von den Förderangeboten profitieren kann.