Klimaschutz in Bestandsimmobilien

Johannes Rump, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Oventrop in Olsberg (NRW), erläutert im Interview, wie die mittelständische Wohnungswirtschaft von der Bundesförderung für effiziente Gebäudetechnik profitiert.

johannes rump

DER Mittelstand.: Herr Rump, erklären Sie uns bitte kurz den gemeinsamen Nenner von Gebäudetechnik und Mittelstand.

Johannes Rump: Zunächst muss man sagen, dass die Heizungsindustrie sehr mittelständisch geprägt ist. Nicht zuletzt merkt man dies an der starken Präsenz der Unternehmen aus unserer Branche im BVMW. Die Wohnungswirtschaft – im Wesentlichen ebenfalls mittelständisch geprägt – profitiert gleich mehrfach vom Produktportfolio unserer Branche, das eine erhebliche Reduzierung der Energieverbräuche und somit des Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes, aber eben auch der Warmmiete ermöglicht.

Wo sehen Sie das größte Potenzial für effiziente Heizungsanlagen?

Besonders interessant ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bei der Heizungssanierung im Bestand. Hier werden neben der Wärmeerzeugung auch die Wärmeverteilung und meistens auch die Wärmeübergabe mitgefördert. Hinzu kommt ein riesiger Katalog von Nebenkosten, die ebenfalls mitgefördert werden. Wichtig ist, es müssen Heizsysteme auf Basis Erneuerbarer Energien verbaut werden. Im Mehrfamilienhaus eignet sich zum Beispiel oft die Kombination von Wärmepumpen mit Gaskesseln. Richtig interessant ist die Förderung für Mehrfamilienhäuser. Die Umstellung zum Beispiel von dezentralen Gasetagenheizungen auf eine zentrale hybride Wärmeerzeugung in Verbindung mit Wohnungsstationen wird mit bis zu 55 Prozent gefördert. Gleichzeitig sinken die Kosten für Wartung und Ablesung, für die Mieter sinkt der Energieverbrauch und erhöht sich der Wohnkomfort.

Welche Nebenkosten werden gefördert?

Der verbaute Wärmeerzeuger löst den Fördersatz aus, der dann für  alle Maßnahmen der Heizungserneuerung gilt. Im Falle einer Wärmepumpe beträgt die Förderquote zum Beispiel 40 Prozent, 50 Prozent bei Austausch eines Ölkessels. Diese Förderquote bezieht sich dann auch auf die Wärmeverteilung, die W.rmeübergabe, die Planung, die Entsorgung von Altgeräten, die Warmwasserbereitung, Wohnungsstationen, Thermostatventile, Heizkörper, Speicher, Hydraulik, Smart Meter, Abgassysteme, Pumpen und vieles mehr. Selbst Bodenbeläge, Wand- und Putzarbeiten können als förderfähig anerkannt werden.

Ist die Förderung nach oben begrenzt?

Im Wohngebäudebereich auf 60.000 Euro pro Wohneinheit und 15 Millionen pro Gebäude.

Man hört immer wieder, das Beihilferecht stünde der Förderung von Unternehmen entgegen. Hat sich hier etwas geändert?

Das BEG ist inzwischen als beihilfefrei eingestuft. Auch Unternehmen der Wohnungswirtschaft und Contractoren können vollständig in den Genuss der Förderung kommen. Einziger Unterschied zu Privatpersonen ist die Umsatzsteuer, die nur bei Privaten als förderfähig anerkannt wird.

 

Das Interview führte Alexander Stork, BVMW Referent für Energie, Nachhaltigkeit, Mobilität und Logistik.

Gut zu wissen

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) startete am 1. Juli 2021 bei der KfW. Sie gilt

■ für alle Wohngebäude, z. B. für Eigentumswohnungen, Ein- und Mehrfamilienhäuser oder Wohnheime

■ für alle Nichtwohngebäude, z. B. für Gewerbegebäude, kommunale Gebäude oder Krankenhäuser

Weitere Informationen unter:

http://www.kfw.de/beg

und

www.deutschland-machts-effizient.de