"Bei Krypto will jeder mitspielen"

Karl Matthäus Schmidt, der Quirin Privatbank und Gründer der digitalen Geldanlage quirion, erklärt was eine kluge Diversifikation bedeutet – was er vom Hype um Bitcoin & Co. hält und worauf es bei der Geldanlage ankommt.

karl matthäus schmidt
Foto: © Quirin Privatbank

DUP UNTERNEHMER-Magazin: Zuletzt ist die Zahl der Aktienanleger gestiegen. Wie optimistisch sind Sie, dass die langfristige Aktienanlage ein nachhaltiger Trend ist?

Karl Matthäus Schmidt: Definitiv optimistisch. Die meisten Menschen haben verstanden, dass es keinen Sinn macht, nur kurzfristig zu traden. Die meisten Anleger sind auch bereit, Turbulenzen auszuhalten, wie es sie beispielsweise in der Coronakrise gab, um langfristig eine positive Rendite zu erzielen.

Viele Anleger möchten ihr Wertpapierportfolio möglichst breit aufstellen. Sie nehmen etwa auch Anleihen mit hinein, um dann festzustellen, dass sie damit nichts verdienen.

Ein gutes Basisportfolio besteht aus Aktien und Renten. Ja, Renten sind nicht der Renditebringer, aber sie bringen Stabilität. Mit ihnen kann man das Risiko individuell anpassen. Deshalb haben sie eine wertvolle Funktion in einem Portfolio.

Kommen zu Ihnen aktuell auch mehr und mehr Leute, die ihr Geld in Kryptowährungen investieren wollen?

Ja, bei Kryptowährungen möchten viele mitspielen. Und zugegebenermaßen steht dahinter auch eine spannende Technologie. Bitcoin & Co. haben aber keinen inneren Wert, und die Kurse schwanken extrem. Für den langfristigen Vermögensaufbau sind sie also eher nicht geeignet. Wer Spielgeld übrig hat, kann das mit ein paar Prozent natürlich mal ausprobieren.

Das Gegenteil von Bitcoin & Co. sind sichere, langfristige Anlagen. Deren Bedeutung kann man gar nicht überbetonen, oder?

Absolut. Gerade eine möglichst breit gestreute Anlage in Aktien beziehungsweise ETFs liegt auf der Hand: Man beteiligt sich an der langfristig positiven Entwicklung der Weltwirtschaft und erhält auch noch laufende Erträge in Form von Dividenden. Ich habe dazu mal gerechnet: Hätten meine Eltern mir 1969 zur Geburt 30.000 Euro geschenkt und diese entsprechend angelegt, dann wären die 30.000 Euro heute über eine Million Euro wert. Der Zinseszinseffekt ist also gigantisch.

Sie haben auch mittelständische Unternehmer als Kunden. Ist es für diese nicht ein kaum leistbarer Spagat, Liquidität vorzuhalten und zugleich nur historisch niedrige Zinsen zu bekommen?

Ja, das ist ein Dilemma. Firmen, die Liquidität für ihr Geschäft vorhalten müssen, kommen an Strafzinsen kaum vorbei. Aber es gibt auch Unternehmer oder Freiberufler, die gut verdienen und keine großen Liquiditätspolster brauchen. Wir konnten da schon einigen Kunden helfen, Strafzinsen zu vermeiden und eine für sie passende Anlage mit „aushaltbarer“ Aktienquote zu finden.

Was empfehlen Sie Anlegern?

Es empfiehlt sich, seine Anlagen, egal ob Spareinlagen, Aktien, Fonds, EFTs oder Anleihen, regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen, zum Beispiel mit unserem Vermögens-Check, und sich unabhängig beraten zu lassen. Unserer Erfahrung nach verschenken Anleger durch falsche Anlagestrategien oder zu hohe Produktkosten immer wieder viel Rendite. Das muss nicht sein.

 

Das Interview mit Karl Matthäus Schmidt erschien im Magazin „DUP UNTERNEHMER“, Ausgabe Oktober 2021. Das DUP Unternehmer-Magazin („Deutsche Unternehmer Plattform“) hat eine Auflage von mehr als 270.000 Exemplaren. Der Schwerpunkt liegt auf den Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Die Plattform bietet eine Unternehmens-, Insolvenz-, Franchise- und Beraterbörse. Weitere Information unter www.dup-magazin.de 

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Karl Matthäus Schmidt ist seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Quirin Privatbank. Seit 2013 setzt der Betriebswirt mit dem Robo-Advisor quirion zudem auf Online- Vermögensverwaltung zu günstigen Konditionen.