Altersvorsorge als Finanzierungselement

Bei betrieblicher Altersversorgung denkt man zunächst an die Versicherungsgesellschaften – dabei sind unternehmensinterne Lösungen viel attraktiver und haben eine lange Tradition.

fakten zur altersvorsorge

Die betriebliche Altersversorgung (bAV) ist nicht nur eine Domäne der Versicherungsgesellschaft. Wendet man sich von der produktorientierten bAV-Welt ab und schaut auf die unternehmerische, betriebliche Versorgung, so stellt man fest, dass die ersten Unterstützungskassen bereits Mitte des 19. Jahrhunderts (1832) gegründet wurden. Pioniere waren hier Gute Hoffnungshütte, Krupp, Badische Anilin- und Soda-Fabrik (BASF), die Farbenwerke Hoechst und Siemens. Bei der bAV werden Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zu einer arbeitsrechtlich verbindlichen Versorgungszusage zum Renteneintrittsalter verwendet.

Der bessere Kapitalanleger

Die Mitarbeiterbeiträge sind für das Unternehmen wertlos, wenn sie beim Versicherer angelegt werden. Denn dort findet auch die Vermögensmehrung und die Gewinnverteilung statt. Dem Eigenkapital des Arbeitgebers steht dieses abgeflossene Geld nicht mehr zur Verfügung. Vergleicht man die Renditen der Versicherungspolicen mit der Verzinsung des Eigenkapitals des Unternehmens, so werden viele Geschäftsführer feststellen, dass die eigene Rendite um ein Vielfaches höher ist als beim Versicherungsprodukt. Deshalb gehören die Chancen und Risiken der Kapitalanlage wieder in die Hand des Arbeitgebers.

Die Bank im eigenen Unternehmen

Nur wenige Arbeitgeber kennen die Möglichkeit, die bAV mittels einer pauschal dotierten Unterstützungskasse umzusetzen. Im Gegensatz zu den versicherungsabhängigen Kassen geben diese Kassen die eingezahlten Beiträge in der Regel wieder an den Arbeitgeber zurück, damit dieser es eigenverantwortlich verwalten kann. So bleibt das Geld im Unternehmen, und es bauen sich stille Reserven im Unternehmen auf. Dadurch erlangt der Unternehmer finanzielle Freiheiten, die er bei einem Finanzierungsbedarf sofort nutzen kann. Diese Versorgungsform ist außerdem transparenter und flexibler als vergleichbare Modelle. Die Beiträge stärken so das Unternehmen und sichern die Arbeitsplätze.

Liquider und flexibler

Die zusätzliche Liquidität entsteht einerseits dadurch, dass die Arbeitnehmerbeiträge nicht abfließen und andererseits aus den Arbeitgeberbeiträgen, die ohne Abfluss steuerlich geltend gemacht werden können. Durch die Rückführung der Beiträge über die versicherungsunabhängigen Kassen stehen dem Arbeitgeber wieder 100 Prozent der Beiträge zur freien Verwendung zur Verfügung. Die Möglichkeit der freien Kapitalanlage, etwa zur Verbesserung der Eigenkapitalquote und der Bonität, zur Ablösung von Darlehen oder auch als Investition in sachwertorientierte Anlagen, sind kaufmännisch attraktive Einsatzmöglichkeiten. Die Vermögensanlage kann so jeder Unternehmer nach seinen eigenen Vorstellungen und seinem persönlichen Risikoprofil entsprechend frei und flexibel gestalten.

Verantwortlicher Umgang ist Grundvoraussetzung

Das System steht und fällt natürlich mit der Finanzdisziplin und dem verantwortlichen Umgang mit den Geldern. Der Unternehmer erhält im Endeffekt ein Darlehen von seinen Mitarbeitern. Dieses Darlehen muss bis zum Renteneintritt zurückgezahlt werden. Der deutsche Mittelstand hat jedoch in allen Krisen bewiesen, dass diese Finanzdisziplin durchaus vorhanden ist. Zum rechtlichen und steuerlichen Hintergrund: Die Haftung für die Versorgungszusage liegt beim Unternehmen; die Kasse hilft nur bei der Verwaltung der Ansprüche und gibt selbst keinen Rechtsanspruch auf die Leistungen. Daher sind die Zahlungen an die Unterstützungskasse freiwillig. Da die Kasse die Verpflichtungen bilanziert, ist diese bAV für das Unternehmen bilanzneutral. In Zeiten, in denen das Unternehmen Gewinne macht und Betriebsausgaben generieren möchte, teilt die Kasse mit, in welcher Höhe für das aktuelle  Wirtschaftsjahr mit steuerlicher Wirkung Zuwendungen maximal geleistet werden können; bei einem negativen Ergebnis oder einem Verlustvortrag muss keine Dotierung erfolgen. Auch für Gesellschafter-Geschäftsführer ist die pauschal dotierte Kasse interessant, um sich eine eigene Versorgung fürs Alter aufzubauen oder eine bestehende Pensionszusage auszufinanzieren.

Rückumwandlung von Versicherungskassengeldern

Für Unternehmer, die ihre bAV-Beiträge schon bei einer Versicherung angelegt haben, gibt es die Möglichkeit, die Gelder zunächst zurück ins Unternehmen zu holen. Anschließend können sie über eine der versicherungsunabhängigen Kassen den oben beschriebenen Weg nehmen. Falls ein Unternehmen die Kompetenz dazu nicht im eigenen Haus hat, gibt der Arbeitskreis des BVMW dazu gerne weitere Informationen.

 

Frank J. Kontz

Consulting 1964, Sachverständiger-Gutachter für bAV
BVMW-Mitglied, Mitglied im Beraternetzwerk Mittelstand im Arbeitskreis Steuerberatung und Unternehmensberatung

www.Consulting1964.de 

Gut zu wissen

■ Unterstützungskassen sind auch für kleine Unternehmen ab 20 Mitarbeitern interessant

■ Zurzeit gibt es mehr als 5.000 Unterstützungskassen

■ Der Arbeitskreis Steuerberatung und Unternehmensberatung im Beraternetzwerk Mittelstand unterstützt BVMW-Mitgliedsunternehmen gerne bei Fragen zum Thema betriebliche Altersvorsorge, Kontakt:

FB@steuerkanzleibauer.de

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