Starke Frauen, starker Mittelstand

Wie wird man Unternehmerin? Welche Erfahrungen kennzeichnen diesen Weg? Darüber sprach DER Mittelstand. mit Kim Bauer, Mitglied des Vorstands der Netempire AG und Mitglied der Geschäftsführung der Netempire Software GmbH.

portrait von kim bauer
Foto: © Netempire Software GmbH/BVMW

DER Mittelstand.: Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin zu werden?

Kim Bauer: Dies begann mit der Frage des Netempire-Gründers, bei ihm im Unternehmen einzusteigen: Ich stand vor einer Weichenstellung, ob ich den Weg in einem Konzern gehe oder im Team der Netempire mitmische. Das Wissen, dass die Netempire im wahrsten Sinne des Wortes „unternehmenslustig“ war, hat den Ausschlag für den Weg gegeben. Den Wunsch, unternehmerisch tätig zu sein, hat mein Vater geprägt. Er hat mich schon mit acht Jahren in geschäftliche Abläufe eingebunden, mich zu Kunden- und Lieferantenterminen mitgenommen. Mit 13 Jahren hat er mir den Ladenschlüssel – als quasi neuen Vertriebsschritt in seinem Business – übergeben und mich an die Ladenkasse gesetzt. Später, als ich 19 Jahre alt war, habe ich alleinverantwortlich die Verhandlungen mit Logistikunternehmen geführt, den Vertriebsplan aufgestellt und Messeauftritte neben dem Abitur und Studium geplant und durchgeführt. Mit Kundinnen und Kunden sprechen, Handelsvertreterinnen und -vertreter finden, Rechnungsund Mahnwesen im Blick halten und Pakete bis Mitternacht packen, das war mein Partyleben zu Studienzeiten. Anpacken, gestalten, Lösungen finden, etwas unternehmen – das hat mir damals schon unglaublich viel Freude bereitet und tut es immer noch.

Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg noch einmal gehen, oder würden Sie etwas anders machen?

Es gab Momente und Weichenstellungen, die meinen Lebensweg verändert hätten, wie etwa das Angebot, in San Francisco zu arbeiten, wo das Headquarter meines ersten Arbeitgebers war, oder meinen Weg im Konzern zu machen. Es wäre interessant zu wissen, wo ich dann heute wäre. Aber ich wäre dann vermutlich nicht da, wo ich heute bin. Und von daher: Ich würde den gleichen Weg gehen, allerdings würde ich mehr „leben“. Ich habe in meiner Teen- und Twen-Zeit zu viel gearbeitet und zu wenig das Nichtstun ausprobiert.

Welche Entscheidung würden Sie für sich als die wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?

Ich habe gelernt, den Anspruch an Perfektionismus abzulegen und dass es ganz wichtig ist, einen guten, einen produktiven Umgang mit Fehlern zu lernen; außerdem weniger Themen zu ernst zu nehmen und mich nicht davon beirren zu lassen, wenn mich jemand mit vermeintlichen Fehlern kleinmachen möchte. Jeder, der in der Sache oder daran interessiert ist, dass man sich weiterentwickelt, bleibt konstruktiv.

Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?

Unternehmerisch macht es mir gerade sehr viel Freude, die Chancen im Markt zu entdecken und mit den Menschen um mich herum Neues anzupacken, mit ihnen zu tüfteln und herauszufinden, wie aus den Ideen, Unternehmen und tragfähige Geschäftsmodelle werden können.

Welche Botschaft möchten Sie anderen Unternehmerinnen mitgeben?

Nie aufhören zu lernen, nie aufhören, besser werden zu wollen. Fehlschläge als Quelle verstehen, um zu lernen und zu üben.

Was schätzen Sie am BVMW besonders?

Ich schätze vor allem die Vielzahl an spannenden Veranstaltungen, den Verbund und ein Netzwerk, über das ich sehr viele interessante Menschen und von mir geschätzte Personen kennenlernen durfte.

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Kim Bauer ist Mitglied des Vorstands der Netempire AG und Mitglied der Geschäftsführung der Netempire Software GmbH. Die Netempire AG ist eine inhabergeführte Beteiligungsgesellschaft mit dem Fokus auf Tech-Gründungen. Die Netempire Software GmbH verantwortet seit 2017 das ursprüngliche Kerngeschäft der AG, die Entwicklung von Digitalisierungs- und IT-Lösungen. Zudem ist Kim Bauer seit Ende 2020 Vorsitzende des Aufsichtsrats der AppCon AG.

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