Unternehmensnachfolge - fair und erfolgreich

Eine Unternehmensnachfolge – innerhalb oder außerhalb der Familie – ist ein ganzheitlicher, komplexer Prozess. Eine Wirtschaftsmediation kann Eskalationen verhindern und zum Gelingen der Übergabe beitragen.

mediation

Eine Wirtschaftsmediation ist ein strukturiertes Gespräch, welches aus fünf Phasen besteht: Auf die Eröffnung und das Kennenlernen folgen die Themensammlung und die Agenda. Anschließend werden die Themen besprochen und dabei die Perspektive gewechselt.

Die Beteiligten sammeln, bewerten und verhandeln Lösungsoptionen, worauf eine Abschlussvereinbarung getroffen wird. Eine Mediation kommt immer dann als professionelle Dienstleistung in Frage, wenn sich alle Beteiligten eine gemeinsame Lösung wünschen, die einvernehmlich verhandelt wurde – nicht nur in Konfliktfällen.

Fallbeispiel*: Die mittelständische MaHa GmbH sucht eine Nachfolge

Seit 60 Jahren entwirft, produziert und verkauft das Unternehmen Sportbekleidung. Der Unternehmensinhaber ist Manfred Habern, 66 Jahre alt. Er selbst erbte die MaHa GmbH von seinem Vater. Da es keine Familienmitglieder gibt, die seine Firma übernehmen möchten, sucht er einen Käufer. Er beauftragt eine Unternehmensberatung, die sich auf Nachfolge im Mittelstand spezialisiert hat. Diese findet eine Kaufinteressentin: Rainhild Niedermayer, 38 Jahre alt. Sie hat bisher in der Geschäftsleitung eines Sportschuhherstellers gearbeitet und möchte nun in die berufliche Selbstständigkeit gehen. Sie finanziert diesen
Schritt durch eine größere Erbschaft.

Das erste Kennenlernen

Die erste persönliche Begegnung zwischen Verkäufer und Interessent ist essenziell. Alle sollten sich gut vorbereiten. Wesentliche Geschäftskennzahlen in Erfahrung zu bringen und eine (steuer-)rechtliche Beratung in Anspruch zu nehmen, ist genauso wichtig wie eine mentale Vorbereitung: Welche Ziele habe ich, was ist mir wichtig, welche Werte haben ich und mein Verhandlungspartner? Die Wirtschaftsmediatorin Nathalie Gerna, die Partnerin bei der beauftragten Unternehmensberatung ist, begleitet die Gespräche und achtet auf gleich große Redeanteile. Sie stellt Fragen nach Interessen und Wünschen, fasst das Gesagte zusammen und arbeitet auf einen Perspektivenwechsel zwischen Frau Niedermayer und Herrn Habern hin.

Verschiedene Wertvorstellungen

Herr Habern sieht den Wert seines Unternehmens anhand seiner Bilanzund anhand der Zeit, die er persönlich in den vergangenen Jahren in sein Unternehmen investiert hat. Frau Niedermayer stellt sich die Frage, was dieses Unternehmen wert ist, und was sie sich leisten kann und möchte. Verantwortung für die Mitarbeiter Herrn Habern ist seine soziale Verantwortung als Arbeitgeber sehr wichtig. Da Frau Niedermayer das bestehende Sortiment um Sportschuhe und somit um weitere Angestellte erweitern möchte, steht dem nichts im Wege.

Frau Niedermayer äußert ihren Wunsch nach einem schnellen Übergang. Herrn Habern wird bewusst, dass er sich mit dem Thema „Loslassen“ beschäftigen muss. Durch die Gespräche über ihre Interessen und Beweggründe entdecken die beiden auch ihre gemeinsame Begeisterung für Sport und erkennen übereinstimmende Werte. Dies ebnet den Weg für die weiteren Verhandlungen. Sie einigen sich auf einen Kaufpreis und treffen folgende Vereinbarung: Beide wünschen sich eine offene Kommunikation an die Belegschaft und an Geschäftspartner. Alle Mitarbeitenden erhalten eine Jobgarantie über zwei Jahre und alle, die über 60 Jahre alt sind und seit mindestens fünf Jahren zum Betrieb gehören, erhalten eine Arbeitsplatzgarantie bis zum Renteneintritt. Der Firmenname wird um RaNi erweitert, sodass das Unternehmen fortan MaHa RaNi GmbH heißen wird.

Wann ist eine Unternehmensnachfolge erfolgreich?

Eine mediative Begleitung von Unternehmensnachfolgen kann dabei helfen, die zwischenmenschliche Basis für eine faire, offene und wertebasierte Verhandlung zu schaffen, bei der Sachinformationen ebenso Berücksichtigung finden wie emotionale Aspekte. Jede Form einer Verhandlung ist erfolgreich, wenn alle Beteiligten das Ergebnis, die Umsetzung und den gemeinsamen Weg dorthin als fair empfinden.

 

Nadine Greck
Leiterin Fachreferat Wirtschaft der Deutschen Stiftung Mediation
www.stiftung-mediation.de/ueber-uns/fachreferate

Gut zu wissen

■ Jährlich suchen etwa 30.000 wirtschaftlich erfolgreiche mittelständische Unternehmen eine Nachfolge. Pandemiebedingt ist ein Rückstau entstanden

■ Weitere Informationen und Beiträge finden Sie unter: https://bvmw.info/unternehmensnachfolge

■ Die Stiftung Deutsche Mediation hat es sich zum Auftrag gemacht, Vermittlung fest in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu etablieren

■ Seit 2012 gibt es eine gesetzliche Grundlage für Mediation, diese regelt auch die Schweigepflicht im Prozess

www.stiftung-mediation.de