Filmtipp: Die Geldwäscherei

Die starbesetzte Netflix-Produktion knöpft sich die Steuervermeidung innerhalb globaler Finanzströme vor. Didaktisch anspruchsvoll, dabei hochkomisch.

Fotos: © Claudette Barius/Netflix
Fotos: © Claudette Barius/Netflix

Ein Film über international verzweigte Versicherungskonzerne, die wiederum in zahllose Briefkastenfirmen zersplittern, führt uns zwangsläufig, ganz natürlich sozusagen, in die Karibik. Wohin auch sonst? Denn Steven Soderberghs „Die Geldwäscherei“ ist eine bitterböse Farce von 2019 über die zuvor bekannt gewordenen Panama Papers. Die Empörung über palmenbedeckte Steueroasen und subtile Geldwäsche war groß; was könnte Soderbergh also noch Substanzielles erzählen? Nun, die Geschichte hinter der Geschichte, und das ist die Geschichte von Ellen Martin (Meryl Streep). Die Rentnerin Ellen verliert bei einem Bootsunglück auf dem Hudson River ihren Ehemann. Nun muss sie erfahren, dass ihr die Auszahlung der vollen Unfallversicherungssumme verweigert wird, obwohl das Paar immer brav gezahlt hat. Ellen nimmt uns mit auf ihre Recherche, die sie – natürlich – auf die Karibikinsel Nevis bringt, wo ihr bildhaft
klar wird, dass Briefkastenfirmen tatsächlich nur aus Briefkästen bestehen. Am Ende der Kette von zahllosen Rückversicherern und Scheinfirmen steht das Finanzrechtsunternehmen Mossack Fonseca.

Geldwäsche-Proseminar

Auftritt Jürgen Mossack (Gary Oldman) und Ramón Fonseca (Antonio Banderas): Soderbergh inszeniert die schwerreichen Vermittler von Briefkastenfirmen als eloquent-schmierige Entertainer, die uns im Proseminar Geldwäsche unterrichten – den Blick in die Kamera, das Wort an den Zuschauer gerichtet; Moderatoren des bösen Finanzkapitalismus. Das ist so eindimensional wie bizarr, Goldman und Banderas sind dabei so hinreißend gut gelaunt und selbstironisch, dass wir Zuschauer den Brecht´schen Zeigefinger gerne mitnehmen. Zumal Soderbergh neben Ellen Martin noch eine Reihe anderer Opfer und Profiteure der Geldwäscheindustrie begleitet und am Ende ein beeindruckendes, beängstigendes Bild der global vernetzten, hochprofitablen Steuervermeidung zeichnet. Ein Film über die hochkomplexen Mechanismen des vulnerablen Finanzrechts muss eben selber ins Detail gehen.

Nur dass Meryl Streep am Ende vor der Kamera aus ihrer Rolle ausbricht und einen flammenden Appell an die Zuschauer richtet („Beenden Sie die massive weltweite Korruption!“), ist eher Agitprop-Kindertheater. Aber Soderbergh wäre nicht Soderbergh ohne handfeste moralische Überhöhung. Die nehmen wir gerne mit, nachdem uns „Die Geldwäscherei“ durchaus solide unterhalten hat.

Die Geldwäscherei

Komödie (USA 2019)
Regie: Steven Soderbergh
Buch: Scott Z. Burns
Mit: Meryl Streep, Gary Oldman,
Antonio Banderas, Jeffrey Wright,
David Schwimmer
Netflix