Umsatz ist nicht alles

Was ist mein Unternehmen am Markt tatsächlich wert? Eine Antwort auf diese Frage ist von vielen Faktoren abhängig. Benedikt Pohlner, Partner bei der Beratung Nachfolgekontor, erklärt, welche das sind.

Foto: © ArLawKa von stock.adobe.com
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Der Wert eines börsennotierten Konzerns ist schnell ermittelt: Der Aktienpreis liefert einen klaren Anhaltspunkt. Anders ist das bei kleinen und mittleren Unternehmen. Deren Wert ist nicht öffentlich einsehbar. Deshalb werden andere Mittel und Wege gebraucht, um sich einem realistischen Kaufpreis anzunähern. „Die theoretische Bewertung basiert darauf, welcher Preis bei Transaktionen vergleichbarer Unternehmen erzielt wurde. Der so ermittelte Kaufpreis ist aber oft schlicht zu hoch, da Verkäufe aus dem Smallund Big-Cap-Segment als Referenz herangezogen werden“, sagt Benedikt Pohlner von der Beratung Nachfolgekontor. Er setzt daher auf einen praxisbezogeneren Ansatz, der Unternehmensspezifika berücksichtigt. Im Gespräch erklärt Pohlner, was den Unternehmenswert beeinflussen kann.

Pohlner über den Einfluss der Branche:

„Natürlich gibt es Branchen – etwa den IT-Bereich –, die sich positiver entwickeln als andere. Und natürlich haben Unternehmen in diesem Bereich auch generell einen höheren Ausgangswert. Aber der reine Blick auf die Branche reicht zur Firmenbewertung nicht aus. Denn wir sehen in der Praxis immer wieder, dass einzelne Unternehmen auch innerhalb eines stagnierenden oder schrumpfenden Markts deutlich wachsen können. Man kann nicht alle Firmen einer Branche über einen Kamm scheren. Man muss schon genau auf die Entwicklung des Betriebs der vergangenen Jahre und auf das individuelle Zukunftspotenzial schauen.“

… über den Standort:

„Der Standort macht in der theoretischen Bewertung keinen Unterschied, in der Praxis aber schon. Für ein Unternehmen in einem Ballungsraum etwa lässt sich leichter ein Käufer finden als für eines im ländlichen Raum. Das heißt, die Nachfrage nach einem Unternehmen ist vom Standort abhängig. Und je höher die Nachfrage, desto höher der Kaufpreis.“

… über die Kundenstruktur:

„Die Kundenstruktur hat Einfluss auf die Risikobewertung. Denn wenn man mit nur einem Kunden 50 oder 60 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt, besteht ein höheres Risiko bei einem etwaigen Ausfall des Kunden. Eine diversifizierte Kundenstruktur führt also zu einer höheren Kaufpreisbewertung.“

… über den Inhaber:

„Es gibt Firmen, die weitgehend autark aufgestellt sind. Und es gibt Betriebe, in denen alles auf den Unternehmer zugeschnitten und jeder Kundenkontakt an diese Person geknüpft ist. Generell gilt: Je kleiner ein Unternehmen ist, desto größer ist in der Regel die Abhängigkeit vom Inhaber. Dadurch stellt sich die Frage nach der übertragbaren Ertragskraft: Kann es dem Nachfolger überhaupt gelingen, ohne den alten Inhaber vergleichbare Umsätze zu erzielen? Hat ein Käufer von vornherein das Gefühl, er könnte in ein schwieriges Fahrwasser geraten, da eventuell wichtige Kunden wegbrechen und Leistungsträger unter den Mitarbeitern kündigen, fließt das in den Preis ein. Denn schlussendlich zahlt man mit dem Kaufpreis die Erträge, die künftig potenziell erwirtschaftet werden.“

 

Madeline Sieland
Redaktionsleitung DUP UNTERNEHMER
www.dup-magazin.de 

Der Beitrag erschien im Magazin „DUP UNTERNEHMER“, Ausgabe Dezember 2021.

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