Transparente Lieferketten für die Qualitätssicherung

Wie können erzeugende Betriebe den Weg vom Feld zur Endkundschaft rückverfolgbar machen und somit die Qualitätssicherung erleichtern? Wie funktionieren transparente, digitale Lieferketten?

hände mit herz in kartoffelform

Neben einem passenden ERP-System sind Chips und digitale Prozesse die Lösung – und irgendwann die Blockchain?

Ob in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung von Rohstoffen oder im Handel: Transparente Lieferketten vom Erzeuger bis zur Kundschaft werden immer wichtiger, um Qualität zu sichern. Das Gute: Sie werden auch technisch immer leichter möglich. Die Digitalzentren Berlin und Chemnitz, zwei vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Projekte, haben mit einigen Unternehmen durch einfache automatische Identifikations und Datenerfassungs-Technologie (Auto ID) Lösungen für transparente Liefer- und Logistikprozesse gefunden.

Zertifizierte Qualitätsstandards benötigen Transparenz

Eines der Unternehmen war ein aus zehn Landwirten zusammengeschlossener niedersächsischer Betrieb, der auf die Kartoffel- und Gemüseverarbeitung spezialisiert ist. Das Unternehmen hatte bisher keine technische Lösung, um die Gemüseanlieferungen der einzelnen Landwirte in der verarbeitenden Halle systematisch digital zu erfassen und so Angaben zum genauen Herkunftsort jeder Charge zu sichern. Das ist jedoch Voraussetzung für eine Zertifizierung nach dem Qualitätsstandard IFS Food – zudem wünschen sich immer mehr Verbraucher Transparenz in der Herkunft von Produkten und ihren Bestandteilen.

Chips sind nicht teuer

Die Lösung ist denkbar einfach: RFID- oder NFC-Chips. Der Betrieb kann diese an den Gitterboxen anbringen, in denen das Gemüse am Produktionsstandort transportiert wird, und darin die Chargennummer jeder Lieferung speichern. So können die Lebensmittel innerhalb der Gitterboxen problemlos durch mobile Lesegeräte identifiziert und die Chargeninformationen ausgelesen werden. Der klassische Warenbegleitschein kann entfallen, und die Informationen stehen allen Beteiligten transparent und jederzeit digital zur Verfügung. Einfache RFIDTags kosten nur circa 30 Cent pro Stück.

Basis für ein ERP-System

Das eigentlich Komplizierte an der Einführung von Chip-Lösungen: Als Grundlage für die Vergabe von Chargennummern als Referenz für alle Informationen der Lebensmittel braucht es ein passendes Enterprise Ressource Planning-System (ERP), das den gesamten Prozess abbildet und auch die Chargennummern generiert. Durch eine Webschnittstelle zu dem ERP-System können auch Lieferanten sowie Großhändler die Chargennummer nutzen, um Prozessinformationen auszulesen und hinzuzufügen. Für die Endkundschaft im Supermarkt kann das Unternehmen dann mit einem Static-Site Generator arbeiten, der automatisiert Webseiten erstellt. Geben Endkunden die Chargennummer, die auf der Verpackung gedruckt ist, in die Weboberfläche ein, erfahren sie, woher die Kartoffeln kommen und wann sie geerntet wurden.

Alternative QR-Code

Ähnliche Herausforderungen hatte ein Saatgut-Produzent aus dem sächsischen Raum, der seine Prozesse von der Warenanlieferung bis zum Versand der Ware digitalisieren wollte. Gemeinsam mit dem Mittelstand-Digital Zentrum Chemnitz erarbeitete das Unternehmen einen Soll-Prozess für die einzelnen Schritte. Daraus leiteten sie Anforderungen an die Auto ID-Technologie ab. Das Projektteam entschied sich für einen QR-Code, der am Lagerplatz angebracht wird. So können die Lagermitarbeitenden hier direkt die Produktdaten mit den Prozessdaten verknüpfen.

Verständnis für die Prozesse und Akteure

Für solche Digitalisierungsmaßnahmen ist die gemeinsame Prozessanalyse ein wichtiger Bestandteil. Das zeigt auch das Projekt mit einem B2B Händler für Kosmetikartikel. Neben den Logistik- und IT-Mitarbeitenden des Unternehmens waren ebenso Logistikplaner und externe IT-Dienstleister involviert. Durch die Analyse entwickelten sie ein gemeinsames Verständnis der internen Logistikprozesse. So fanden sie heraus, welche Vorteile eine bessere Daten- und Informationsverarbeitung hat und was sie benötigen, um eine Automatisierungslösung oder einen Kommissionsassistenten einzuführen.

Wozu Blockchain?

Dieses Prozessverständnis braucht es auch vor dem Einsatz einer Blockchain: Erst wenn man im Prozess die Notwendigkeit sieht, dass verschiedene bis jetzt auch unbekannte Akteure ohne Berechtigung Zugang zu den Daten und deren Ergänzung erhalten sollen, kann eine öffentliche Blockchain sinnvoll sein.
Die Stärken der Blockchain-Technologie liegen in einer dezentralen Informationsbereitstellung und deren Sicherheit, wodurch auch hier die Qualität des Prozesses und der Produkte erhöht werden kann. Verschiedene Teilnehmer können Informationsblöcke einbringen. Durch Validatoren beziehungsweise einen Konsensmechanismus werden diese Informationen unveränderlich und dezentral in der Blockchain gespeichert und stehen somit den Beteiligten zur Verfügung. Die Vorteile einer digitalisierten Logistik- und Lieferkette liegen also auch in der Zukunft: Wird die Blockchain-Technologie noch sicherer, günstiger und breitentauglicher, sind Ihre digitalen Daten und Prozesse anschlussfähig.

 

Pierre Grzona
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Technische Universität Chemnitz, Professur Fabrikplanung und Intralogistik

Marie Landsberg
BVMW Senior Projektmanagerin Förderprojekte
marie.landsberg@bvmw.de

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