Wahre Kreislaufwirtschaft

Für eine echte Kreislaufwirtschaft braucht es möglichst gleichbleibende Rezyklatmengen und -qualitäten.

Sortiergitter einer Sortieranlage für Kunststoffe.
Foto: © VDI ZRE

Um die verfügbare Menge zu steigern, gibt es verschiedene Ansätze wie etwa Zertifikate oder eine stärkere Vernetzung vom Produktdesign bis hin zum Recycling.

Zertifiziert oder nicht zertifiziert

Das Downcycling ist in den letzten Jahren zu einem Synonym für Qualitätsverlust im Recycling avanciert. Kunststoffrezyklate entsprechen nicht den gleichen Qualitätsstandards wie Neuware und sind deshalb nur für eine begrenzte Produktpalette einsetzbar. Als Beispiele werden hier oft der Blumentopf oder die Parkbank genannt.

Mehr Qualität

Eine echte Kreislaufwirtschaft hat den Anspruch, Materialien so lange wie möglich im Kreis zu führen und dabei möglichst gleichbleibende Rezyklatmengen und -qualitäten zu gewährleisten. Letztere sind für die Industrie wesentlich, um Kunststoffrezyklate verlässlich im Produktionsprozess einsetzen zu können. Für mehr Transparenz haben sich in den letzten Jahren Zertifizierungen etabliert. Neben der gängigen Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 gehören dazu beispielsweise Zertifikate wie EuCertPlast und flustix PLASTIKFREI von DIN CERTCO. Diese belegen unter anderem die Herkunft des Rezyklats, betrachten dessen Recyclingprozess inklusive der gesamten Lieferkette und bewerten den durchlaufenen Qualitätssicherungsprozess sowie eine kontinuierliche Verfügbarkeit. So wird ein Einsatz von Kunststoffrezyklaten für Produkte jenseits der Parkbank und des Blumentopfs ermöglicht.

Mehr Vernetzung

Der Markt für Kunststoffrezyklate zeigt dennoch eine Diskrepanz zwischen einer hohen Nachfrage durch Hersteller und dem begrenzten Angebot der Recyclingbranche, die kleine Absatzmärkte und Wettbewerbsnachteile beklagt. Dies liegt grundsätzlich an fehlenden Mengen an Kunststoffrezyklaten, die den aus der Industrie geforderten Qualitäten entsprechen. Hier besteht Handlungsbedarf. Eine intensivere Vernetzung aller Wertschöpfungsstufen – vom Produktdesign bis hin zum Recycling – ist nötig. So lassen sich Lücken in der Kreislaufführung identifizieren und weitere potenzielle Mengen an Kunststoffrezyklaten erschließen. Das VDI Zentrum Ressourceneffizienz (VDI ZRE), gefördert durch das Bundesumweltministerium, beschäftigt sich aktuell mit dieser Herausforderung. Ziel ist es, Fachinformationen über Handlungsbedarfe und Innovationen besonders kleinen und mittleren Unternehmen zugänglich zu machen. Die aktuellen Anstrengungen aller Akteure lassen hoffen, dass die verfügbaren Mengen qualitativ hochwertiger Kunststoffrezyklate in Zukunft gesteigert werden. In der Zwischenzeit kann man getrost auf einer downgecycelten Parkbank ruhen oder sich an Blumen in einem Topf aus Rezyklaten erfreuen, bei denen mindestens einmal Primärrohstoffe eingespart wurden.

 

Dr. Ulrike Lange
Wissenschaftliche Mitarbeiterin VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH

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