Für ein einheitliches Hafenkonzept

Der BVMW hat sich im vergangenen Jahr medienwirksam für die Gestaltung einer zukunftsgerichteten Hafenstrategie eingesetzt. Im Interview spricht Mareike Zeuge, Geschäftsführerin der Möller Survey Verwaltungs GmbH in Bremerhaven, darüber ...

Der Mittelstand kann dazu beitragen, die Krise der deutschen Containerhäfen zu meistern.

... welche Bedeutung der Mittelstand für die Häfen hat und wie er dabei helfen kann, die Krise der deutschen Containerhäfen zu meistern.

 

DER Mittelstand.: Wie kann der Mittelstand dazu beitragen, die Strukturen in den deutschen Containerhäfen zu verbessern?

Mareike Zeuge: Um die Zukunft der Häfen wirksam gestalten zu können, müssen wir gemeinsam alte Positionen überdenken. Der Mittelstand kann hier eine hervorragende Vermittlerposition einnehmen und einen Branchendialog als Instrument für den Standortwettbewerb moderieren. Auf diese Weise können innovative Lösungsansätze aus den mittelständischen Unternehmen in zukünftige Hafenkonzepte einfließen. Am Ende können neue Geschäftsmodelle entstehen, die durch eine verstärkte Unternehmensansiedlung Wertschöpfung in die Häfen bringen, ohne eine Konkurrenzsituation zu den etablierten Hafendienstleistern zu begründen. So können völlig neue Beschäftigungsperspektiven, Erwerbsbiografien und dadurch Chancen für den Hafenstandort entstehen. Der Mittelstand ist der ideale Akteur, um diesen Wandel aktiv zu gestalten.

Wir haben zuletzt viel über das nationale Hafenkonzept gesprochen. Wenn Sie sich für ein neues Hafenkonzept etwas wünschen dürften, was wäre das?
Unternehmen aus dem Mittelstand handeln flexibel, agil und bieten smarte Lösungsansätze. All dies wünsche ich mir auch für ein einheitliches Hafenkonzept. Nur mit einem ganzheitlichen Ansatz und einer unvoreingenommenen Überprüfung der Strukturen werden wir die Wettbewerbsfähigkeit der Häfen sichern können. Dies gilt besonders für den bereits stattfindenden Strukturwandel. Durch den voranschreitenden Digitalisierungsgrad ist es wichtiger denn je, frühzeitig an Beschäftigungsalternativen in Bezug auf die Mitarbeiter und deren traditionelle Arbeitsplätze zu denken. Der Mittelstand stellt diese Alternativen in Form attraktiver Stellen zur Verfügung. Darüber hinaus sollten wir uns darauf konzentrieren, die Ware selbst wieder verstärkt in den Fokus zu rücken und die Servicequalität der Häfen zu steigern. Dazu gehören effiziente Umschlagsabläufe, die eine optimale Auslastung von Mitarbeitern, Infrastrukturen und Equipment in Peak-Phasen, aber auch in Schichten mit geringem Umschlagsvolumen gewährleisten.

Welche Herausforderungen werden auf die deutschen Häfen in den kommenden Monaten und Jahren zukommen?
Die Konkurrenz in den Westhäfen, im Mittelmeerraum und in Osteuropa schläft nicht. Hier hat man Chancen zur richtigen Zeit erkannt und spielt in den globalen Lieferketten eine entscheidende Rolle. Für die deutschen Häfen wird es deshalb darauf ankommen, sich gegen diese Konkurrenz zu behaupten. Dafür braucht es eine aktive Ladungslenkung und ein Anforderungsmanagement, das auch die Versender berücksichtigt. Das wird nur gelingen, wenn wir auf eine verstärkte Kooperation der deutschen Hafenstandorte setzen. Konkret bedeutet das: ein gemeinsames, einheitliches Hafenkonzept. Gleichwohl wird es wichtig sein, auch die administrative Ebene zu betrachten. Wollen wir die Wettbewerbsfähigkeit steigern, benötigen wir die europaweit einheitliche Anwendung von Zoll- und Erhebungsverfahren. Diesen Aufgaben werden sich Bund, Länder, Häfen und mittelständische Wirtschaft gemeinsam stellen müssen.
 

Visitenkarte

Mareike Zeuge ist Geschäftsführerin der Möller Survey Verwaltungs GmbH in Bremerhaven. Dort steht sie als Vorgesetzte den Schiffsbesichtigern und Ladungssachverständigen für die Bereiche H&H, BB und Automobile vor. Zudem koordiniert sie deren Arbeitseinsätze weltweit.

BVMW-Mitglied
www.moeller-expert.com

Das Interview führte Daniela Bessen,
BVMW Leiterin des Kreisverbands Bremen.

 


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