Den Digital Gendergap schließen

Im Rahmen der digitalen Transformation verändert sich nicht nur die Lebens-, sondern auch die Arbeitswelt. Frauen und Männer sind davon unterschiedlich betroffen.

82,2 Prozent der Beschäftigten in Gesundheitsberufen waren 2017 Frauen.

Um alle Mitarbeitenden im digitalen Wandel mitzunehmen und weiterhin erfolgreich zu wirtschaften, müssen sich Unternehmen damit auseinandersetzen und den Digital Gendergap schließen.

Von der Initiative D21 wird jährlich der Digitalindex erhoben. Dabei handelt es sich um eine Bewertung des Digitalisierungsgrades der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren. Abgefragt werden die vier Kategorien Zugang zur Digitalisierung, Nutzungsverhalten, digitale Kompetenzen und die Offenheit gegenüber der Digitalisierung. Die gesamte Bevölkerung erreicht einen Wert von 55, wobei die Sonderauswertung „Digital Gendergap – Lagebild zu Gender(un)gleichheiten in der digitalen Welt“ der Erhebung zeigt, dass hier eine signifikante Differenz zwischen den Geschlechtern herrscht. So erreichen Männer einen Digitalisierungsgrad von 61, wohingegen jener von Frauen bei 51 liegt. Die Zehn-Punkte-Differenz verdeutlicht die Lücke in der Digitalisierung, den Digital Gender Gap. Neben Lohnungleichheit, dem Gender Pay Gap oder dem Gender Pension Gap, gibt es zwischen den Geschlechtern auch erhebliche Unterschiede in Sachen digitaler Gleichberechtigung, den Digital Gendergap. Dabei handelt es sich um die Lücke im Zugang zu und der Nutzung von digitalen Technologien zwischen Frauen und Männern. Hinzu kommt, dass Frauen digitale Technologien und Anwendungen weniger oft mitgestalten oder entwickeln, sondern eher Konsumentinnen dieser sind.

Situation in deutschen Unternehmen

Frauen nutzen im Beruf genauso häufig wie Männer Informations- und Kommunikationstechnologie, haben aber gleichzeitig eine geringere digitale Kompetenz. Bereits bei Basisanwendungen schätzen sie ihre Kompetenzen niedriger ein als Männer. Insbesondere unter älteren Personen, und mit zunehmender Komplexität von Anwendungen wird auch die Lücke größer. In der Arbeitswelt zeigt sich der Digital Gendergap aber zum einen in der Ausstattung der Mitarbeitenden mit digitalen Endgeräten, zum anderen im Bereich Fort- und Weiterbildung.

Von den Vollzeitbeschäftigten erhalten 56 Prozent der Männer Laptops, 32 Prozent ein Smartphone und 16 Prozent ein Tablet. Von den Frauen hingegen jeweils nur 36, 24 und 8 Prozent die gleiche Ausstattung. Besonders in Zeiten von Corona, in der mobiles Arbeiten und Homeoffice zum Arbeitsalltag gehören, spielt diese ungleiche Ausstattung eine Rolle. So kommt hinzu, dass nur 11 Prozent der Frauen einen Fernzugang für die Telearbeit erhalten, während 21 Prozent der Männer darüber verfügen. Und Kollaborationstools, um gemeinsam arbeiten zu können, werden mit 17 zu 11 Prozent ebenfalls mehr Männern bereitgestellt.

Benachteiligt werden Frauen ebenso beim Thema digitale Weiterbildung. Gerade durch die geringeren digitalen Kompetenzen würden sie diese aber eher benötigen. Durch ihre häufiger unterbrochenen Erwerbsbiographien aufgrund von Elternzeit oder Teilzeitarbeit werden sie in den meisten Unternehmen nicht mitbeachtet. In der Folge finanzieren sie ihre Wissensaneignung im Bereich digitale Themen öfter selbst, während 39 Prozent der Männer die Angebote vom Unternehmen finanziert bekommen. Im Vergleich dazu: Nur 29 Prozent der Frauen wird ein Bildungsangebot von den Arbeitgebenden finanziert. Chancen durch Weiterbildung Digitalisierung ist aber auch ein Prozess, der verfestigte Ungleichheiten aufbrechen und Chancen ermöglichen kann. 46 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland sind Frauen. Mit den richtigen Angeboten, Weiterbildungen und einer gerechten Verteilung von digitalen Endgeräten kann beispielsweise dem Fachkräftemangel entgegengewirkt oder flexibles Arbeiten in der Arbeitswelt der Zukunft ermöglicht werden. Unternehmen müssen daher gendergerechte Qualitätsstandards entwickeln. Dazu gehören Aus- und Weiterbildungsangebote, die speziell und individuell an Frauen ausgerichtet werden und alle Wissensstufen bedienen. Darüber hinaus sollte ein System zur fairen Verteilung von digitalen Endgeräten unabhängig vom Status etabliert werden. So können die Chancen der digitalen Transformation erfolgreich genutzt werden.

Gut zu wissen

■ Männer erzielen in Deutschland einen um 10 Prozentpunkte höheren Digitalindex als Frauen
■ 56 % der männlichen Vollzeitbeschäftigten erhalten Laptops, bei den Frauen sind es nur 36 %
■ Das Weltwirtschaftsforum berechnet zu den Lücken in der Gleichstellung jährlich den Global Gendergap Index in rund 150 Ländern