Vielfalt als Vorsprung

Diskriminierungsfreies und inklusives Arbeiten wird immer wichtiger. Doch wie lässt sich Vielfalt in Unternehmen fördern? Und welche Rolle spielen dabei die Führungskräfte?

diverse menschen im büro
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Wir lieben die Vielfalt. Das ist das Credo in vielen Unternehmen. Dennoch herrscht in vielen Teams Gleichheit des kulturellen Hintergrunds, des Bildungsgrads, der Lebensweise. Der Graben zwischen Wunsch und Wirklichkeit lässt sich erklären: In der Soziologie spricht man von einer Wahrnehmungsverzerrung, einem „Unconscious Bias“, der bei Personalentscheidungen greife. Führungskräfte stellten oft unbewusst nach Ähnlichkeit und Sympathie ein. Andersartigkeit löse Angst aus.

Verschärfung von Vorurteilen

Diversity-Programme versuchen, dem entgegenzuwirken. Der Harvard-Soziologe Frank Dobbin und seine Kollegin Alexandra Kalev untersuchten entsprechende Diversity-Trainings. Das ernüchternde Ergebnis: Trainings, die die Vorurteile beheben sollten, führten in Labortests teils zur Verschärfung und, sofern Unternehmen stark mit Regeln, Kontrolle und negativen Geboten arbeiteten, auch zu vermehrter Ablehnung ausländischer oder weiblicher Personen. Erfolgreicher als die Pflichtschulungen, die Widerstand weckten, schnitten unternehmenseigene Taskforces, freiwillige Maßnahmen und Mentorenprogramme ab.

Sensibilität fördern

Vielfalt braucht Sensibilität. Diese kann nicht verordnet werden. Beim Automobilhersteller Audi hat man das erkannt: Als Format, das ohne den erhobenen Zeigefinger auskommt, benennt Audi-Diversity-Managerin Denise Mathieu einen „Diversity Parcours“. Beschäftigte kamen miteinander in Kontakt, die sich im Arbeitsalltag nicht begegnet wären. Die Asiatin, der blinde Beschäftigte und die Managerin erwiesen sich als ganz anders, als man beeinflusst von Stereotypen vermutet hätte.

Diverse Führung ist erfolgreich

Eine Studie der Boston Consulting Group ergab einen Zusammenhang zwischen Vielfalt und Innovation: Divers besetzte Vorstände fördern Innovationskraft und die Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlicher Ergebnisse. Im Risikobewertungszentrum der Deutschen Bank in Berlin arbeiten Menschen aus rund 50 Nationen – um bei der Analyse fremder Märkte ihre diversen Erfahrungen als Erfolgsfaktor einzubringen. Gerade in Zeiten wie der Corona-Pandemie begrüßten laut einer Umfrage des Handelsblatts fast 75 Prozent der Entscheider gemischtgeschlechtliche Führungsteams. Eine tolerante Personalpolitik ist besonders der jüngeren Generation wichtiger denn je. Die Unternehmensberatung McKinsey bringt es auf den Punkt: Eine Arbeitgebermarke muss heute divers sein, um Talente anzuziehen und zu binden.

 

 

Gut zu wissen

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