Lieferkettengesetz und Compliance praxisnah

Egal, ob für Datenschutzbeauftragte, Gleichstellungsbeauftragte oder Compliance-Beauftragte: Die Managementaufgaben in kleinen und mittleren Unternehmen werden immer umfangreicher und spezifischer, nicht zuletzt wegen neuer Gesetze.

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Aktuell geht es darum, neue Vorgaben zu Compliance und Corporate Social Responsibility im Unternehmen zu verankern.

Neue Anforderungen

Neue gesetzliche Vorgaben zu Compliance und zusätzliche Anforderungen rund um Corporate Social Responsibility fordern Geschäftsführung und Führungskräfte. Zu den neuen Compliance-Bestimmungen zählen aktuell unter anderem die Einführung eines Hinweisgebersystems und das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (bis Anfang 2023). Weitere Anforderungen kommen auf die Unternehmensleitungen im Jahr 2022 zum Beispiel durch das Verbandssanktionengesetz zu. Eine Herausforderung nicht nur für Geschäftsführer, Vorstände und Inhaber, sondern auch für alle Führungskräfte und Mitarbeitende im Unternehmen. Soll die Umsetzung dieser Anforderungen im Unternehmen nicht zu einem Stresstest für die gesamte Organisation werden, bedarf es einer intelligenten und gut durchdachten Vorbereitung. Gerade im Mittelstand muss die Umsetzung maßgeschneidert, effizient und pragmatisch sein.

Synergien nutzen

Durch die Nutzung von Synergien kann der Aufwand bei der Umsetzung der Anforderungen reduziert werden. So kann zum Beispiel das Hinweisgebersystem, das ohnehin von Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden umgesetzt werden muss, mit wenigen Änderungen auch als Beschwerdemanagement im Sinne des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz genutzt werden. Zur Erkennung solcher Synergien sind fundierte Kenntnisse der Anforderungen und Rahmenbedingungen der Vorgaben aus dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, dem Hinweisgeberschutzgesetz und den Compliance-Normen notwendig. Diejenigen, die für die Umsetzung des Projektes im Unternehmen verantwortlich sind, haben hier die Möglichkeit, sich in Seminaren und Workshops zu informieren oder das Know-how bei Experten einzukaufen. In Seminaren zu den Anforderungen eines Compliance Management Systems oder des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes kann ein guter Überblick über die notwendigen Projektschritte erworben werden. Die Teilnehmer können danach abschätzen, welcher Aufwand für die Umsetzung auf das Unternehmen zukommen wird und wie man die Anforderungen umsetzen kann. Sinnvoll ist auf jeden Fall auch die zumindest zeitweise Begleitung des Projektes durch einen externen Berater, der das Projektteam mit Fachwissen und Erfahrung unterstützt. Auf diese Weise lässt sich die Projektdauer in aller Regel bei besseren Ergebnissen verkürzen. Umfassend denken und handeln Compliance Management Systeme und Präventivmaßnahmen im Sinne des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes sind keine Themen, die nur eine Abteilung im Unternehmen betreffen. Bei der Umsetzung der Anforderungen aus dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz kommt zwar dem Einkauf eine wesentliche Rolle zu, soweit es um die Umsetzung der Präventionsmaßnahmen bei den direkten Lieferanten geht. Die Präventionsmaßnahmen müssen allerdings auch im eigenen Unternehmen umgesetzt werden. Betroffen sind dem Grunde nach alle Abteilungen und Beauftragte im Unternehmen, wie zum Beispiel auch der Umweltschutzbeauftragte. Das Projektteam sollte deshalb interdisziplinär sein und grundsätzlich alle Führungskräfte einbeziehen und auch die Mitarbeitenden informieren, um die zahlreichen Schnittstellen rund um die Compliance-Anforderungen im Unternehmen vollständig zu erfassen und den Umsetzungsprozess erfolgreich zu gestalten.

Führungskräfte einbinden und kommunizieren

Damit in den Unternehmen Compliance-Prozesse nachhaltig verankert und gelebt werden können, ist es für die Geschäftsführung notwendig, ihre Führungskräfte in diese Managementaufgabe einzubinden. Sie agieren dabei verantwortlich als Vorbild, Coach und Unterstützer für die Mitarbeitenden, Vermittler von moralischen und ethischen Grundsätzen und gleichzeitig auch als Moderator zwischen Geschäftsführung und Belegschaft. Für diese Managementaufgabe ist eine aktive Kommunikation notwendig, die Mitarbeiter informiert, Verständnis und Akzeptanz schafft und nachhaltiges Engagement sichert. Fachkompetenz und eine gut durchdachte Kommunikationsstrategie sind die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung der neuen Vorgaben.

 

Astrid Meyer-Krumenacker
Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Compliance und Lieferkettengesetz

BVMW-Mitglied

www.amk-law.de

Gut zu wissen

■ Umsetzung der Compliance-Anforderungen gut vorbereiten

■ Fundiertes Know-how im Projektteam ist entscheidend für den Erfolg

■ Führungskräfte und Mitarbeitende frühzeitig einbinden