Transformation verlangt Kraft und Mut

Pandemie, Lieferengpässe, geopolitische Unsicherheiten: Trotz unsicherer Zeiten rechnet die Bundesregierung mit guten Wachstumsaussichten für das Jahr 2022 und einem Plus des Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 3,6 Prozent.

michael kellner
Foto: © BMWK / Susanne Eriksson

Das ist vor allem leistungs- und nervenstarken Mittelständlern zu verdanken. Gleichwohl gilt es nichts schönzureden. Wirtschaftliche Erholung war und ist kein Selbstläufer. Um krisengeplagte Unternehmen und ihre Beschäftigten durch diese schwierige Zeit zu begleiten, haben wir zum Beispiel den erleichterten Zugang zum Kurzarbeitergeld sowie die Überbrückungs- und Neustarthilfen verlängert. Wie notwendig das ist, sehen wir an der regen Inanspruchnahme unserer Unterstützungsprogramme.

Weiterentwickeln der Fachkräftestrategie

Ohne Zweifel aber muss unsere Antwort auf die Pandemie mehr sein als bloße Krisenbekämpfung. So gilt es heute auch, unsere Fachkräfte für morgen zu sichern. Das gestaltet sich im Zuge des demografischen Wandels zusehends schwieriger. Daher wird die Bundesregierung die Fachkräftestrategie weiterentwickeln und auf eine Modernisierung der Aus-, Fort- und Weiterbildung drängen. Das Handlungsspektrum ist breit: Es umfasst die Aktivierung des inländischen Arbeitskräftepotenzials, Programme zur Unterstützung von Betrieben bei der Besetzung offener Stellen sowie ein verstärktes Engagement in der „Allianz für Aus- und Weiterbildung“.

Um die Lücken auf dem Arbeitsmarkt zu schließen, müssen wir dringend gefragte Fachkräfte auch aus anderen Staaten gewinnen. Dementsprechend werden wir das Einwanderungsrecht weiterentwickeln und die Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen erleichtern, Bürokratie abbauen und Verfahren beschleunigen.

Finanzielle Unterstützung für den Mittelstand

Kompetenzen und Know-how sind und bleiben das wertvollste Kapital eines Unternehmens. Ohne ausreichende finanzielle Ressourcen ließe sich dennoch nicht viel unternehmen. Daher gibt es ein breites Angebot an Finanzinstrumenten im Eigenkapital- und Mezzaninbereich. Zudem haben wir zum Beispiel erst kürzlich die ERP- und KfW-Förderprogramme neu aufgestellt, um besonders kleine und mittlere Unternehmen sowie große Mittelständler finanziell zu unterstützen. Denn erhebliche Investitionen werden erforderlich sein, um die Folgen der Pandemie zu bewältigen und die Transformation der Wirtschaft in den Bereichen Digitalisierung und Dekarbonisierung zu gestalten.
Ich sehe eine große Bereitschaft im Mittelstand, auf das Ziel der Klimaneutralität hinzuarbeiten. Aber auf diesem anspruchsvollen Weg brauchen Unternehmen mehr Rückenwind. Sie sind angewiesen auf verlässliche Rahmenbedingungen, bezahlbare klimaneutrale Energieträger und zielgerichtete Förderinstrumente. Damit wächst der Anreiz, neue Technologien frühzeitig zu entwickeln und in der Breite einzusetzen. Einen kräftigen Schub hierzu erwarte ich mir vom neuen Klima- und Transformationsfonds. Bessere steuerliche Abschreibungsbedingungen und Möglichkeiten der Verlustverrechnung, die Abschaffung der EEG-Umlage und ein umfassendes Paket zur Bürokratieentlastung – das sind weitere Beispiele dafür, wie wir unternehmerische Handlungsspielräume für Investitionen in Innovationen ausweiten.

​„Deutschland ist gerade deshalb seit Jahrzehnten ein erfolgreiches Industrieland, weil es sich immer wieder bereit und fähig zum Wandel erwiesen hat.”


Bei all dem geht es nicht zuletzt darum, auch künftigen Generationen die Chance auf ein gutes Leben zu bieten. Für traditionsreiche Familienunternehmen ist das geradezu selbstverständlich. Wir können zeigen, dass eine nachhaltige Wirtschafts- und Lebensweise kein überflüssiger Luxus ist, sondern dass sie sich wirtschaftlich rechnet und sie daher auch für andere auf der Welt interessant ist, die heute noch skeptisch sind. Gleichwohl bedarf es noch erheblicher Anstrengungen, um nachhaltige Entwicklung im Sinne der globalen Agenda 2030 voranzutreiben. Dazu will Deutschland auch und besonders seine G7-Präsidentschaft in dieser ersten Jahreshälfte nutzen.

Faire Rahmenbedingungen

Unsere Erfolge als Exportnation haben viele Namen. Aber auch die bekanntesten Unternehmen sind auf offene Märkte und fairen Wettbewerb angewiesen. Daher setzen wir uns für berechenbare Handelsbedingungen wie auch für soziale und ökologische Standards ein. Wir haben im Zuge der Pandemie erlebt, wie anfällig internationale Lieferketten sein können. Angesichts von Lieferproblemen, Produktionsausfällen und steigenden Preisen kann die Lehre nur sein: mehr wirtschaftliche Integration, mehr Diversifikation, mehr regelbasierter Handel. Das ist die richtige Antwort, um Abhängigkeiten zu verringern und das Leitbild eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums mit Leben zu erfüllen.

Ob global oder national – die Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit verlangt wie jeder andere große Wandel in der Wirtschaftsgeschichte viel Kraft und Mut. Aber Deutschland ist gerade deshalb seit Jahrzehnten ein erfolgreiches Industrieland, weil es sich immer wieder bereit und fähig zum Wandel erwiesen hat. Daher bin ich zuversichtlich, dass wir auch die großen Chancen nutzen können, die die Weiterentwicklung der Sozialen zur Sozial-ökologischen Marktwirtschaft für Wachstum und Beschäftigung mit sich bringt.

Hierbei stehen Staat und Unternehmen gleichermaßen in der Verantwortung. Umso mehr liegt mir als Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung daran, nicht nur für und über den Mittelstand zu reden, sondern auch mit ihm. Und umso mehr freue ich mich, mit Unternehmen und Verbänden regelmäßig ins Gespräch zu kommen.

 

Gut zu wissen

 

  • Die Bundesregierung wird die Fachkräftestrategie weiterentwickeln
  • Die Unternehmen sind auf offene Märkte und fairen Wettbewerb angewiesen
  • Kompetenzen und Know-how sind das wertvollste Kapital eines Unternehmens

Michael Kellner
Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz
Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung

www.bmwi.de