Attraktive App & Co.

Design ist nicht nur, wie etwas aussieht. Design ist auch, wie etwas funktioniert. Das gilt für Webseiten und Apps genauso wie für die unternehmenseigene Software.

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Hier bestimmt gutes Design zusätzlich, ob Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeit als zielführend und erfüllend erleben.

Digitale Lösungen sollten keine Barrieren schaffen oder Mehraufwand verursachen. Vielmehr sollen sie effektive und effiziente Hilfen sein, die einfach zu benutzen sind. In der Fachsprache nennt man das Usability und User Experience (UUX), also die nutzerzentrierte Gestaltung von digitalen Produkten und Dienstleistungen. Dabei bezieht sich nutzerzentriert nicht nur auf die Anwenderinnen und Anwender, die zum Beispiel eine App herunterladen. Nutzerzentrierung gibt es auch für die Mitarbeitenden eines Unternehmens.

Eine gut gestaltete UUX hat Einfluss darauf, was und wie Menschen arbeiten, und ob sie ihre Arbeit als zielführend und erfüllend erleben. Dieser Ansatz der menschzentrierten Digitalisierung zielt auf eine positive, wertebasierte Erfahrung einer digitalen Lösung ab, deren Einsatz zu höherer Produktivität, Freude an der Nutzung und mehr Kundenzufriedenheit führt. Und je besser die UUX, desto schneller und reibungsloser erfolgt auch die digitale Transformation kleiner und mittlerer Unternehmen.

Technologie muss zur Belegschaft passen

Erhöhte Schulungskosten, Workarounds und Doppelprozesse bis hin zu sinkendem Engagement und sogar Krankschreibungen: Die Folgen von schlecht gestalteter UUX in der unternehmenseigenen Infrastruktur können immens sein. Wer hingegen seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Beginn an aktiv in den digitalen Gestaltungsprozess miteinbezieht, verkleinert den Raum für problematische Entwicklungen. Hier setzt die Idee menschzentrierter Digitalisierung an. Menschliche Werte und Grenzen werden in das Zentrum technologischer Entwicklungen und digitaler Arbeitsprozesse gerückt. Sowohl positive als auch negative Effekte von Technologien werden von Beginn an reflektiert und richten den Fokus weg von der alleinigen Funktionalität hin zu den Eigenschaften, Fähigkeiten und Wünschen der Belegschaft.

Vorbehalte entkräften

Die digitale Transformation eines Unternehmens ist kein rein technischer Prozess. Gerade am Anfang erfordern Digitalisierungsmaßnahmen Führungs- und Kommunikationskompetenz, um Vorbehalte bei den Mitarbeitenden zu entkräften. Dabei reichen diese von der (oft berechtigten) Befürchtung von Mehraufwänden durch umständlich zu bedienende Software bis hin zur (möglicherweise unberechtigten) Angst, dass der eigene Arbeitsplatz wegdigitalisiert wird. Hingegen erhöht ein gemeinsamer Weg von Unternehmensführung und Belegschaft, der die Gestaltung der Produkte des Arbeitsalltags miteinbezieht, die Akzeptanz und Qualität der Arbeit. Eine um die Anwenderinnen und Anwender herum gestaltete Software mit hoher Gebrauchstauglichkeit und positivem Nutzungserleben wirkt sich so direkt auf den erwünschten Digitalisierungsgewinn aus, zum Beispiel über einen großen Return-on-Invest bei gleichzeitig gesteigerter Mitarbeiterzufriedenheit.

Moderne Software spiegelt das Unternehmen wider

Hohe Akzeptanz und Begeisterung der Nutzerinnen und Nutzer für digitale Lösungen leisten aber nicht nur einen zentralen Beitrag zum ökonomischen Erfolg eines Unternehmens. Eine gut ausgestaltete digitale Infrastruktur spiegelt auch die Unternehmenskultur wider und hebt die Individualität einer Organisation hervor. Eine gelungene Digitalisierung trägt Werte wie Transparenz, Offenheit und Nachhaltigkeit nach außen und wirkt sich auf Motivation und Engagement der Mitarbeitenden sowie ihre Bindung an das Unternehmen aus. Beispielsweise ist der Berliner E-Mail-Anbieter Posteo mit seinen hohen Datenschutzstandards und ökologischer Nachhaltigkeit erfolgreich. Die Musikstreaming-Plattform Resonate punktet durch das digitale Abbilden ihrer fairen, partizipativen Arbeitsmodelle.

So werden UUX-Prozesse in das Unternehmen eingeführt

Methoden menschzentrierter Digitalisierung lassen sich gerade in mittelständischen Unternehmen nahtlos und erfolgreich integrieren. Eine entscheidende Rolle spielt dabei das Mindset von Unternehmensleitung und Beschäftigten: Alle sollten in den Transformationsprozess eingebunden werden, denn digitale Lösungen funktionieren nur, wenn sie auch akzeptiert werden. Die Menschen sind und bleiben die wichtigsten Wertschaffenden. So sollte zum Beispiel bei der Auswahl neuer Software auf eine nutzerzentrierte Entwicklung geachtet werden. Dies garantiert einen menschzentrierten Gestaltungsprozess, bei dem die Nutzerinnen und Nutzer engmaschig einbezogen wurden. Deutlich wird, dass menschzentrierte Digitalisierung kein Selbstzweck ist. Einzelne Prozesse sollten mit Blick auf das große Ganze und auf die Digitalisierungsstrategie hin angepasst und digitalisiert werden. Unterstützung finden Unternehmen unter anderem bei kostenfreien Angeboten wie zum Beispiel der German UPA, den Digitalzentren der Mittelstand-DigitalInitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz oder zahlreichen Offerten kleinerer und größerer Agenturen.

 

Alexander Krug
Projektmanager für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Mittelstand-Digital Zentrum Berlin
BVMW Förderprojekte
alexander.krug@bvmw.de

Dr. Stefan Brandenburg
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Arbeitswissenschaft
Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum
Usability (Region Ost)
stefan.brandenburg@tu-berlin.de
www.kompetenzzentrum-usability.digital 

Gut zu wissen

■ Neue Software sollte einer nutzerzentrierten Entwicklung nach DIN ISO 9241-210 (2020) entsprechen. Dies stellt sicher, dass die Technologie auf einem umfassenden Verständnis der Benutzenden, der Arbeitsaufgaben und -umgebungen beruht

■ Das Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Usability unterstützt den Mittelstand bei allen Fragen zu Usability und User Experience und der Umsetzung einer nutzerzentrierten Digitalisierung