Tourismus nach Corona

Der Tourismus zählte über Jahrzehnte zu den stabilen Stützen wirtschaftlichen Wachstums. Während der Corona-Pandemie musste die erfolgsverwöhnte Branche schwere Einbußen hinnehmen.

frank marrenbach
Frank Marrenbach ist CEO | Geschäftsführender Gesellschafter der Althoff Gruppe mit den Marken Althoff Collection; AMERON Collection und URBAN LOFT (Mitglied im BVMW).

DER Mittelstand. sprach mit dem CEO der Althoff Hotels, Frank Marrenbach, über die Zukunft der Branche.

DER Mittelstand.: Herr Marrenbach, zwei schwierige Jahre mit Reiseeinschränkungen und Lockdowns liegen hinter uns. Wo steht das deutsche Hotelgewerbe am Scheitelpunkt der Corona-Pandemie?

Frank Marrenbach: Ich glaube, wir haben das Schlimmste hinter uns. Mein Partner Thomas Althoff betont gerne, dass der Mensch ein Reise-Gen hat; und dem kann ich nur beipflichten. Viele Hoteliers haben in den letzten 24 Monaten die Gelegenheit genutzt, um ihre Abläufe zu optimieren und ihr Angebot zu verfeinern. Die Resort Hotellerie ist beispielsweise gut bis sehr gut durch die Krise gekommen. Die messeabhängigen Hotelstandorte sowie die internationalen vom Business abhängigen Destinationen hatten es bekanntermaßen enorm schwer.

Wenn Sie auf Ihre eigenen Häuser, die Althoff Hotelgruppe, blicken – wie gestaltet sich der Neustart in diesen Wochen?

Seit Ende Februar sehen wir einen deutlichen Nachfrageanstieg im Bereich von Meeting und Incentives. Seit Mai liegen fast alle unserer 18 Hotels über den vergleichbaren Vorjahresmonaten, und unsere Ferienhotels freuen sich über sehr gute Buchungsstände. Wir gehen davon aus, dass wir hier einen exzellenten Sommer erleben werden. Das hat sicher auch mit unserem enorm hohen Stammgästeanteil zu tun.

Die Reiseleidenschaft der Deutschen scheint ungebrochen. Mit welchen Konzepten und Ideen plant die Branche ihr Comeback?

Für die gesamte Branche kann ich nicht sprechen. Bei den Althoff Hotels gilt auch in Zukunft, dass es entscheidend auf die Qualität der Gastfreundschaft ankommt. Als inhabergeführtes Familienunternehmen haben wir in dieser Beziehung den großen Vorteil der hohen Bindungskraft zu unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Deshalb ist die Fluktuation deutlich niedriger als im Branchendurchschnitt. Nach der geglückten Premiere in Köln eröffnen wir nun im Sommer das zweite Haus in Berlin. Große Vorfreude empfinden wir im Hinblick auf die Eröffnung des Althoff Dom Hotel in Köln. Als Kölner Unternehmen ist uns die Wiedergeburt dieses Grandhotels eine besondere Herzensangelegenheit.

Geschäftsreisen scheinen sich eher schleppend zu stabilisieren. Ist das Hotelgewerbe in den Kampf gegen digitale Meeting Konzepte eingetreten, wie ihn der Handel mit der Internetkonkurrenz erlebt?

Die meisten Firmen haben ihre Mitarbeitenden während der Pandemie nur noch online getroffen und wollen das ändern. Auch wenn hybride Veranstaltungsformate bleiben werden, unterscheidet sich die Situation im Handel deutlich von der unsrigen. Wir haben kein strukturelles Problem, sondern eine pandemiebedingte Nachfrageschwäche. Diese wird sich zeitnah wieder erholen, und ich bin zuversichtlich, dass wir 2023 wieder an die Zeiten vor der Pandemie anknüpfen werden.

 

Das Interview führte Thomas Kolbe, BVMW Pressesprecher Nordrhein-Westfalen.