Für eine grüne Zukunft

Rund 100 BVMW-Mitgliedsunternehmen, die sich dem Energieträger der Zukunft verschrieben haben, gehören der Mittelstandsoffensive Wasserstoff an. Drei Unternehmer erzählen, wie sie mit Wasserstoff arbeiten und was sie an diesem Netzwerk schätzen.

Eröffnet wurde Europas erster grüner Gewerbe- und Industriepark von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig im Frühjahr 2021, und Anfang dieses Jahres besichtigte Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck das Pionierprojekt in Rostock-Laage. Hier hat die APEX Group die zu diesem Zeitpunkt größte netzgekoppelte Wasserstoff-Anlage Europas errichtet, die den Standort und den angeschlossenen APEX Industriepark CO2-neutral mit Energie und Wärme versorgt. „Den für die Herstellung von grünem Wasserstoff notwendigen Strom beziehen wir aus einem eigenen Solarpark an der Autobahn A 19“, erklärt CEO Mathias Hehmann. „Auf einer Fläche von elf Hektar werden hier rund 11,5 Megawatt grüne Energie produziert und über eine direkte Stromverbindung an unseren Standort in Laage weitergeleitet.“ Unter Zugabe von Wasser wird diese Energie durch Elektrolyse dazu genutzt, grünen Wasserstoff zu produzieren, der in Wasserstoffspeichern gesammelt wird.

„Grünem Wasserstoff wird eine Schlüsselrolle zugeschrieben, wenn es um den Erfolg des ökologischen Wandels der deutschen Wirtschaft geht.”

CO2-neutrale Energie für Industriepark in Rostock-Laage

So versorgt zum Beispiel bereits der Automobilzulieferer Rhodius seinen neuen Produktionsstandort im Industriepark mit CO2-neutraler Energie, die Werkshalle einer weiteren Firma befindet sich im Bau. Für die Speicherung von Wasserstoff setzt APEX eigene patentierte H2-Technologien ein, die in Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten entwickelt wurden oder weiterentwickelt werden. Neben dem Speichergeschäft bietet APEX seinen Kunden – zum Beispiel Industrieunternehmen oder Wohngesellschaften – auch Wasserstofflösungen, die in bestehende Energieinfrastrukturen eingebettet werden können. Und eine eigene Wasserstofftankstelle soll demnächst für die Betankung von Bussen, Lkws und Pkws zur Verfügung stehen. Mathias Hehmann: „Wir zeigen hier am Standort mit unserem Wasserstoffkraftwerk, dem CO2-neutralen Industriepark und unserer Tankstelle, was mit Wasserstoff möglich ist und in Zukunft möglich sein wird.“

Wasserstoff und seine Einsatzmöglichkeiten

APEX ist eines von rund 100 BVMW-Mitgliedsunternehmen, die der Ende 2020 vom Verband gestarteten Mittelstandsoffensive Wasserstoff angehören. Denn dem grünen Wasserstoff wird eine Schlüsselrolle zugeschrieben, wenn es um den Erfolg des ökologischen Wandels der deutschen Wirtschaft geht. Die Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff sind vielfältig – vor allem in der Stahl- und Chemieindustrie, aber auch in der Energieversorgung von Industrie- und Wohngebäuden oder als Antriebsmittel für Fahrzeuge, Schiffe oder Flugzeuge. Mit dem Bündnis will der BVMW Unternehmen nicht nur an den Energieträger der Zukunft heranführen, sondern auch Wasserstoff-Firmen untereinander vernetzen und sie bei der Fördermittelakquise unterstützen.

Weil in Deutschland nicht ausreichend grüner Wasserstoff hergestellt werden kann, setzt die Bundesregierung auf strategische Partnerschaften mit Süd- und Westafrika und Australien. Dort gibt es große Flächen für Photovoltaik-Anlagen, eine hohe Zahl an Sonnenstunden, viel Wind und den Zugang zu Wasser. „Wir werden künftig 80 Prozent des Wasserstoffs importieren müssen“, weiß Sebastian Niehoff, Geschäftsführer der BEN-Tec GmbH in Rheine. „Deshalb müssen wir uns hier darauf konzentrieren, die Grundlast von 20 Prozent auszubauen, um nicht nur unser Stromnetz stabilisieren zu können, sondern auch zur Wärmeversorgung beizutragen.“ BEN-Tec entwickelt mit spezialisierten Partnern stationäre und mobile Wasserstofflösungen vor allem für mittelständische Betriebe oder Kommunen. Außerdem betreut BEN-Tec derzeit 21 Wasserstofftankstellen – Tendenz auch hier: steigend.

Förderungsmöglichkeiten für Wasserstofftechnologie

Ein weiteres Unternehmen in der Mittelstandsoffensive Wasserstoff ist die embeteco GmbH & Co. KG im niedersächsischen Rastede. Neben der Unterstützung von Firmen und Gemeinden bei der Digitalen Transformation hat sich embeteco vor allem auf eine sehr nachgefragte Leistung spezialisiert. „Wir helfen als Mitglied im BVMW vorwiegend KMU bei der Fördermittelakquise und beim Zugang zu Förderprogrammen“, sagt Matthias Brucke, Gründer und Gesellschafter von embeteco. „Aktuell werden verschiedene Förderprogramme aufgesetzt, die auch Entwicklungen im Bereich Wasserstofftechnologie unterstützen – da sind wir natürlich aktiv.“ Interessant sei zudem das Zentrale Innovationsprogramm für den Mittelstand (ZIM), das breiter aufgestellt und speziell für KMU geeignet sei.

„Dort werden ebenso technologische Entwicklungen im Kontext Wasserstoff gefördert“, erklärt Matthias Brucke, „ZIM finanzierte allein in 2021 mehr als 5.000 solcher Innovationsvorhaben.“ Damit es eine ausreichende Finanzausstattung gibt und der Mittelstand bei der Haushaltsplanung der Bundesregierung nicht vernachlässigt wird, engagiert sich embeteco-Gründer Brucke auch im Expertenkreis Förderprogramme des BVMW. Über die Zusammenarbeit in der Mittelstandsoffensive Wasserstoff sagt er: „Allein die regelmäßigen Treffen mit interessanten Impulsen und der Austausch mit anderen aktiven Unternehmen bieten einen großen Mehrwert für alle, die dort teilnehmen – ganz nach dem Motto ,Gemeinsam ist besser als einsam‘.“

Dieser Meinung ist auch BEN-Tec-Geschäftsführer Sebastian Niehoff: „Die Zusammenarbeit in diesem Netzwerk ist sehr inspirierend und hilft, Projekte zu verknüpfen – so können etwa Synergien und neue Lieferketten gebildet werden.“ Und APEX-Chef Mathias Hehmann schätzt neben dem konstruktiven Austausch „die enge regionale Betreuung durch die Mittelstandsoffensive Wasserstoff“.

 

Gut zu wissen

 

  • Im Jahr 2050 wird es laut Prognosen 5,4 Millionen Arbeitsplätze in der Wasserstoff-Industrie in Europa geben – geschätzter Jahresumsatz: 800 Milliarden Euro
  • BVMW-Mitglieder, die die Schlüsseltechnologie Wasserstoff für sich erschließen und sich in der Mittelstandsoffensive Wasserstoff vernetzen wollen, wenden sich an sebastian.krauss@bvmw.de

Almut Friederike Kaspar
Journalistin

mittelstand@bvmw.de