Das Potenzial afrikanischer Märkte nutzbar machen

Viele afrikanische Märkte strotzen vor Dynamik. Allerdings bedarf es manchmal etwas zusätzlicher Unterstützung, um erfolgreich in Afrika zu investieren.

.
Foto: © Saar-Lor-Lux Umweltzentrum (UWZ)

Dafür bietet Invest for Jobs Beratung, Unterstützung bei Aus- und Weiterbildungen und finanzielle Mittel.

Nach Ruanda expandieren und dort einen Standort aufbauen – das war das Ziel des nordrhein-westfälischen Unternehmens Schnell Media. Jedoch fehlten dem Dienstleister für digitale Bildbearbeitung die nötigen Fachkräfte vor Ort. Dank der Unterstützung der Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) konnte ein Berufsbildungsprogramm für Bildbearbeitung aufgebaut werden. Das in Kooperation mit dem ruandischen ICT Innovation Center (ICTIC) geschaffene Programm wird rund 200 Personen praxisnah ausbilden. Die Hälfte von ihnen wird Schnell Media im Anschluss selbst einstellen. Seit der Eröffnung der neuen ruandischen Niederlassung im Mai 2021 konnte das Unternehmen bereits über 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter Vertrag nehmen.

Gemeinsam für Wachstum und Jobs in Afrika

Schnell Media gehört zu den mehr als 1.800 Partnerunternehmen der Sonderinitiative, die auch unter der Marke Invest for Jobs auftritt. Insgesamt sollen in Zusammenarbeit mit deutschen, europäischen und afrikanischen Unternehmen bis zu 100.000 gute Arbeitsplätze in den acht afrikanischen Partnerländern entstehen. Dazu unterstützt die Sonderinitiative Unternehmen bei der Überwindung von Investitionshemmnissen vor Ort: Fehlen beispielsweise die passenden Fachkräfte oder eine wichtige Zufahrtsstraße, stellt Invest for Jobs ein leistungsstarkes Maßnahmenpaket zusammen, um die identifizierten Investitionshindernisse gezielt zu beseitigen. Unterstützungsangebote werden dabei vom Bedarf des Unternehmens kommend gedacht und konzipiert. So eröffnet die Sonderinitiative Wege für Investitionen und schafft Wachstumschancen für Unternehmen in den afrikanischen Partnerländern. Mit ihren Projekten leistet sie außerdem einen gezielten Beitrag, um die nachhaltige Transformation der Wirtschaft sozial gerecht zu gestalten (im Sinne einer just transition) und mehr sowie bessere Arbeitsplätze für Frauen zu schaffen.

Fachkraft gesucht, Superkraft gefunden

Im westafrikanischen Côte d’Ivoire sah sich auch Villeroy & Boch mit einem Mangel an Fachkräften konfrontiert, die ihre hochwertigen Produkte fachgerecht installieren. Mit Unterstützung von Invest for Jobs setzt das Saar-Lor-Lux Umweltzentrum (UWZ) seit 2019 ein Projekt mit dem saarländischen Traditionsunternehmen um: Beide Partner möchten gemeinsam mit ivorischen Berufsbildungszentren die Qualifikation und Beschäftigungsfähigkeit von Handwerkerinnen und Handwerkern vor Ort in den Bereichen Sanitär-, Klima- und Elektrotechnik verbessern. Zu diesem Zweck werden praxisorientierte Ausbildungskurse in Côte d’Ivoire angeboten, an denen derzeit 120 Personen teilnehmen – insgesamt sollen über 350 Handwerkerinnen und Handwerker ausgebildet werden. Innerhalb des Projekts haben die ivorischen Kooperationspartner außerdem die Zentrale von Villeroy & Boch bereits mehrmals besucht und konnten unter anderem mehr über die duale Ausbildung in Deutschland erfahren. „Für uns ist das eine Win-winSituation“, berichtet Dominik Schirra, regionaler Vertriebsleiter Nordafrika und Levante von Villeroy & Boch. „Als Hersteller eines halbfertigen Endproduktes brauchen wir Fachkräfte, die ein hochwertiges Produkt auch entsprechend hochwertig in der Endinstallation an die Wand bringen. Für die Absolventen der Ausbildung wiederum erhöhen sich die Beschäftigungsmöglichkeiten, sodass mehr Menschen einen für sie passenden Arbeitsplatz finden, mit dem sie dauerhaft den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien sichern können.“

Neue Perspektiven im IT-Sektor

Gut ausgebildete Fachkräfte werden auch im IT-Sektor händeringend gesucht. Hier setzt der von Invest for Jobs unterstützte Digital Skills Accelerator Africa e. V. (DSAA) an, ein gemeinnütziger Zusammenschluss von mehr als 15 Unternehmen aus dem Bereich digitale Dienstleistungen. Die DSAA-Mitgliedsunternehmen bieten Trainingsprogramme an, in denen junge Menschen die notwendigen IT-Fähigkeiten, aber auch Sprach- und Managementkenntnisse erlangen, um anschließend im IT-Dienstleistungssektor für internationale Kunden zu arbeiten. Dabei verfolgt der DSAA das Ziel, Frauen und Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen. „Durch die finanzielle und technische Unterstützung von Invest for Jobs konnten die DSAA-Mitgliedsunternehmen erfolgreich Trainingsprogramme in Ghana, Marokko, Ruanda und Senegal aufbauen. Mittlerweile konnten dadurch bereits zahlreiche Trainingsmöglichkeiten und Arbeitsplätze vor Ort entstehen“, erklärt Martin Hecker, Vorstandsvorsitzender des DSAA. „Wir schauen sehr optimistisch in die Zukunft und haben gemeinsam weitreichende Pläne, um auch in den nächsten Jahren eine Vielzahl neuer Jobs zu schaffen.“

 

Thomas Rolf
Auftragsverantwortlicher des GIZ-Globalvorhabens Ausbildung und Beschäftigung, Teil von Invest for Jobs
www.invest-for-jobs.com 

Gut zu wissen

■ Seit 2019 zielt die Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung des BMZ darauf ab, gemeinsam mit Unternehmen gute Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten in Afrika zu schaffen

■ Die Sonderinitiative tritt auch unter der Marke Invest for Jobs auf

■ Derzeitige Partnerländer sind Ägypten, Äthiopien, Côte d’Ivoire, Ghana, Marokko, Ruanda, Senegal und Tunesien

■ Die Sonderinitiative wird unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, der KfW Entwicklungsbank (KfW) und sequa gGmbH umgesetzt