Die Eventbranche nach der Pandemie

Erstmals seit 2019 hatte die IMEX, die wichtigste Messe für die Veranstaltungsbranche, wieder eine Präsenzmesse in Frankfurt veranstaltet.

Foto: © Siegbert Mattheis
Foto: © Siegbert Mattheis

Was hat sich in der Branche und im Mindset der Unternehmen nach zwei Jahren Pandemie geändert? Welche Trends bilden sich heraus? Wir haben nachgefragt.

Hybrid, der wichtigste Trend

Der digitale, virtuelle Anteil wird weiter bestehen, sagt Matthew Howarth von cvent.com. Er wird zwar geringer werden, aber nicht mehr verschwinden. Zum einen als Backup-Lösung, falls das geplante Präsenzevent aus irgendwelchen Gründen nicht stattfinden kann, zum anderen als Möglichkeit, auch Kunden zu erreichen, die zum analogen Event nicht anreisen können. So kann man z. B. bei bezahlten Events zusätzliche Einnahmen generieren, selbst wenn die Kosten für eine Online-Teilnahme geringer angesetzt sind.

Und einen weiteren Grund nennt Howarth, den wir wohl alle gut nachvollziehen können: Wenn das Event am Abend etwas rauschender ausgefallen war, blieben viele Teilnehmer den folgenden Schulungen am nächsten Morgen eher fern. Mit der Hybridvariante können sie auch – ohne in Bestform zu sein – vom Hotelzimmer aus teilnehmen.

Frage nach dem Sinn und Zweck

Die Frage nach der Notwendigkeit einer Präsenzveranstaltung rücke stärker in den Fokus, meint Jaimé Bennett, die Regionaldirektorin der PCMA, der internationalen Berufsvereinigung für Veranstaltungsmanagement mit Sitz in Chicago. Es werde stärker hinterfragt, ob zwingend ein persönliches Treffen nötig sei oder ob die angestrebte Zielsetzung nicht auch genauso gut online erreicht werden könnte.

Auf der anderen Seite sieht BVMW Repräsentantin und Eventprofi Kornelia Kirchermeier von Berthold Meeting & Medienservice klare Grenzen der digitalen Formate. Sie spüre überall die Lust der Menschen, sich wieder persönlich treffen zu wollen. Denn der zwanglose Austausch, der Dialog auch und gerade mit Vortragenden ist in den digitalen Breakout-Rooms niemals in einer solchen Qualität zu erreichen.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Paul Black, Head of Business Events von VisitBritain in London, sieht die größte Veränderung in dem Bemühen nach Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Das sei zwar schon vor der Pandemie ein wichtiges Anliegen gewesen, aber die Erfahrungen in der Pandemie und ein gewisses Innehalten und Nachdenken habe dieses Thema nun in der Eventbranche ganz nach oben gespült.

Sehnsucht nach Natur

Der Präsident von Brasiliens Tourismusorganisation Embratur, Silvio Nascimento, sieht die größte Veränderung in einem stärkeren Bedürfnis der Teilnehmer nach Natur und Erlebnissen mit und in der Natur. Dem würde sein Land mit über 8.500 km Stränden, 42.000 km Flüssen, über 60 Naturschutzgebieten und 6 einzigartigen Biomen wunderbar entgegenkommen.

Darüber hinaus biete Brasilien enorm viele unterschiedliche geographische Bedingungen, von Wüste bis tropischem Urwald in komplett verschiedenen Klimazonen. So kann es zum Beispiel im Süden schneien, während es im Norden 40 Grad heiß ist. Hinzu kommen einzigartige kulturelle Besonderheiten.

„Brasilien besteht aus vielen Facetten, unser Land ist so vielfältig, es gibt nicht nur das EINE Brasilien. Wir haben von allem eine Menge zu bieten“, sagt Silvio Nascimento. Nur in den Süden, vor allem in die brasilianische Stadt Blumenau, sollte man nicht kommen, wenn man die Fremde erleben will. Man würde sich dort wie zu Hause fühlen, scherzt er. Denn in Blumenau wird Deutsch gesprochen und das größte Oktoberfest außerhalb von München gefeiert!

Brasilien investierte laut Nascimento im Übrigen 250 Millionen US-Dollar, um mittelständische Unternehmen während der Pandemie zu unterstützen.

Unterstützende Event-Technologie

Neben AR- und VR-Technologien, die verstärkt zum Einsatz kommen, haben wir auch eine weitere, sehr nützliche technische Neuerung entdeckt, entwickelt vom jungen Startup „odiho“. Der Name ist abgeleitet von der französischen Aussprache „audio“. Über diese cloudbasierte Lösung können Besucher den Live-Vortrag eines Moderators über ihr eigenes Smartphone hören, ohne externe Kopfhörer. Selbst eine direkte Simultanübersetzung ist über odiho in jede Sprache möglich.

So können Vorträge in lauten Messehallen, draußen in geräuschvoller Umgebung oder auch mehrere in einem Raum gleichzeitig stattfinden, ohne dass die Zuhörer gestört werden. Und das eigene Smartphone ersetzt jeden Kopfhörer. Das wurde zwar schon 2018 entwickelt, aber die Hygienesituation beschleunigte die Nachfrage nach kopfhörerlosen Lösungen. Wie der Inhaber der Firma, Gauthier Dalle, uns versichert: „Endlich ist der Ton kein Problem mehr.“ Die Kosten für diese Lösung belaufen sich auf nur 50 Cent pro Stunde pro Person.

 

Siegbert Mattheis
Geschäftsführer mattheis. Werbeagentur GmbH

BVMW-Mitglied

www.mattheis-berlin.de 

Gut zu wissen

1. Events bleiben hybrid

2. Präsenzveranstaltungen nur, wenn die Zielsetzung nicht auch online erreicht werden kann

3. Nachhaltigkeit und Umweltschutz rücken viel stärker in den Fokus

4. Sehnsucht nach naturnahen Erlebnissen ist stark gewachsen

5. Unterstützende Technologien werden stärker genutzt