"Der Staat ist da stark, wo er schwach sein sollte"

Er hat Physik studiert, arbeitete als Unternehmensberater und ist heute einer der bekanntesten Kabarettisten Deutschlands.

vince ebert
Foto: © Frank Eidel

Vor Kurzem erschien sein neues Buch „Lichtblick statt Blackout: Warum wir beim Weltverbessern neu denken müssen“. Ein Gespräch mit Vince Ebert über die verfehlte Energiewende, wie die Politik den Mittelstand gängelt, und warum die Steinzeit nicht endete, weil ihr die Steine ausgingen. 

DER Mittelstand.: Herr Ebert, warum sollten Unternehmerinnen und Unternehmer Ihr Buch lesen?

Vince Ebert: Weil ich mich darin mit der Zukunft des Landes beschäftige. Seit Jahren sehe ich, wie hier Wunschdenken und Realität auseinanderklaffen. Wir wollen die globale Temperatur stabilisieren, scheitern aber am Bau eines Flughafens. Als Naturwissenschaftler analysiere ich die Lage, als Humorist will ich die Widersprüche aufdecken. Im Buch sehe ich mich als heiterer Aufklärer, der den Leuten den Spiegel vorhält. Ich glaube, das spricht den mittelständischen Unternehmern aus dem Herzen, denn ich weiß, das sind Macher, die von bürokratischem Wahn und illusorischen Vorgaben erdrückt werden.

Zum Beispiel?

Ich rechne zum Beispiel aus, wie viel Strom wir in Deutschland maximal speichern können, um eine Dunkelflaute zu überbrücken. Pumpspeicherkraftwerke können 40 Megawattstunden speichern. Das reicht für 40 Minuten, dann gehen in Deutschland flächendeckend die Lichter aus, denn wir haben nur 36 solcher Kraftwerke. Wir brauchen aber Energiespeicher im Terawatt-Bereich; wie das technisch geht, wissen wir nicht. Obwohl das mit simpler Schulmathematik zu erkennen ist, das wird nicht diskutiert, in der Politik bis vor Kurzem gar nicht. Ich möchte mit dem Buch die Debatte anstoßen.

Die Energiewende ist so nicht zu schaffen?

Sicher nicht. Wir scheitern an unserem typisch deutschen Perfektionsdrang. Sind wir einmal der Ansicht, wir könnten die Welt retten, ziehen wir das planmäßig durch, ohne auf Ausgewogenheit zu achten. Man kann nicht alles der Ökologie unterwerfen und zugleich eine Industrienation deindustrialisieren, damit schaden wir nur uns selbst. Denn wir brauchen ja das Kapital, die Unternehmen und die klugen Köpfe, die gute Ideen entwickeln.

Wachstum schadet dem Klima nicht?

Wir betreiben ja seit 20 Jahren Klimaschutz, doch die globalen Emissionen steigen. Der Klimaschutz, so wie wir ihn jetzt betreiben, ist gescheitert. Wir rennen wie ein Duracell-Hase immer gegen die gleiche Wand. Ich plädiere für eine neue Strategie, dazu gehören auch Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel. Wirtschaftswachstum und Wohlstand ermöglichen neue Technologien. Verteuern wir Energie, werden auf der ganzen Welt die Ärmsten darunter leiden, und Wachstum wird verhindert. Gerade der innovative Mittelstand könnte Technologien entwickeln, wenn die Politik ihn nicht gängeln würde. Statt Rahmenbedingungen zu schaffen, die Unternehmen befreien, glaubt die Politik zu wissen, welche Technologien wir morgen brauchen. Alles andere wird verteuert oder verboten. Innovationen kommen häufig aus Bereichen, die man gar nicht auf dem Schirm hat. Die Politik aber leitet Prognosen aus den Daten der Vergangenheit her – so funktioniert Zukunft nicht. Die Steinzeit endete ja nicht, weil die Steine ausgingen, sondern weil die Menschen neue Technologien entwickelten.

Also mehr unternehmerische Freiheit und weniger Staat?

Der Staat ist da schwach, wo er stark sein sollte, und da stark, wo er schwach sein sollte. Mit kleinlichen Regelwerken belastet er Unternehmen, die ja eigentlich das Leben der Konsumenten verbessern wollen. Zugleich scheitert er an der Energieversorgung, einem funktionierenden Bahnverkehr und all den anderen Dingen, die ohne ihn sowieso besser funktionieren würden. Diese Politik wird gemacht von Menschen, die, anders als Unternehmerinnen und Unternehmer, nie ein persönliches Risiko tragen. Und in einem Land, dessen einzige Ressource kluge Köpfe sind, wandern die klugen Köpfe ab, weil sie woanders mehr unternehmerische Freiheit genießen und weniger Steuern zahlen.

Es sind Politiker, die Energie im Netz speichern wollen und auf Batterien ohne Kobold hoffen.

Macht Sie das nicht wahnsinnig? Wie gesagt, dieses Buch ist mein ernstestes Buch. Als Satiriker können Sie Ihren Job nur machen, wenn die Welt halbwegs normal ist. Aber „Das Netz ist der Speicher“ ist schon Satire. Da haben Sie als Satiriker plötzlich ein echtes Problem. Ich versuche, die Energiepolitik mit soliden, physikalisch untermauerten Zahlen zu hinterfragen. Vor zehn Jahren hätte man mich da noch ein eine dubiose Ecke gedrängt. Mittlerweile stellen sogar Medien, die eher dem grünen Milieu nahe stehen, dieselben Fragen, die sie schon vor zehn Jahren hätten stellen sollen. Mein Buch kommt genau zur richtigen Zeit.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Ich konzipiere derzeit zu dieser Thematik einen Vortrag, denn ich bin ja auch Vortragsredner. Ich rede zwar auch vor DAX-Konzernen, aber am liebsten vor Mittelständlern – anders als viele Manager tragen die ein persönliches Risiko als Familienunternehmen, oder Inhaber sorgen sie sich in größerem Maße um Mitarbeiter und die nächste Generation. Unternehmen sind gerade gefangen in ihren Nachhhaltigkeitsstrategien, und ich werde ihnen Sachen sagen, die sie vielleicht nicht hören wollen. Aber ich mache das immer in meiner Funktion als heiterer Aufklärer. Wenn es lustig ist, schluckt das Publikum auch die bittere Pille.

Herr Ebert, ich danke Ihnen sehr für das Gespräch.

 

Das Interview führte der Journalist Bernd Ratmeyer.