Bundesinnenministerium: Ein Jahr nach Gründung der Abteilung Heimat

Im März 2018 hat Bundesinnenminister Horst Seehofer die Zuständigkeit für Bau und Heimat in das Innenressort verlegt. Ein Jahr nach Gründung des Bundesheimatministeriums zieht Abteilungsleiter Dr. Michael Frehse eine erste Bilanz.

Aus meiner Sicht vereint der Heimatbegriff im 21. Jahrhundert vor allem drei Dimensionen. Die erste Dimension beschreibt starke emotionale Anklänge: Heimat ist dort, wo sich Menschen wohl, akzeptiert und geborgen fühlen. Jeder kennt dieses Gefühl, dazuzugehören und Bestandteil einer Gemeinschaft zu sein.

Dass wir Deutsche durch eine enge emotionale Bindung an unsere Herkunft, unsere regionalen Wurzeln, durch unsere Heimatliebe geprägt sind, zeigt eine repräsentative Erhebung, die Mitte 2018 im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat durchgeführt wurde. Sie belegt, dass acht von zehn Befragten den Begriff Heimat für wichtig oder sehr wichtig halten. Nahezu alle gesellschaftlichen Gruppen empfinden Heimatgefühle, ob jung oder alt, ob aus Stadt oder Land, aus Ost oder West.

Die zweite Dimension des Heimatbegriffs ist eine individuell-plurale: Jeder Einzelne versteht Heimat unterschiedlich, und es gibt folglich so viele Heimaten wie Individuen. In der offenen Gesellschaft gibt es eine Vielzahl von Normen, Tugenden, Verhaltensregeln und Gebräuchen, Gewohnheiten, kulturellen Gepflogenheiten und religiösen Überzeugungen.

Bei aller Unterschiedlichkeit sind aber nicht verhandelbar: die Menschenrechte als Grundlage von Gemeinschaft, Frieden und Gerechtigkeit, die Demokratie, die Rechtsstaatlichkeit und die Gleichheit vor dem Gesetz, die Freiheit der Person und die Achtung der Rechte anderer und die übrigen Grundrechte sowie die tradierten Lebensverhältnisse.

In der dritten Dimension des Heimatbegriffs offenbart sich seine ausgeprägte soziale Bedeutung: Heimat verbindet die Menschen und gibt ihnen Halt und Orientierung. In ihr erfahren Menschen Sicherheit und Verlässlichkeit. Vielen geht es dabei auch um die eigene Wohngegend, die Familie und die Nachbarschaft, mit der man vertraut ist. Geteilte Werte und eine gemeinsame Sprache sind die Eckpfeiler des Heimatempfindens.

Bedürfnisse der Menschen ernst nehmen

Die meisten Menschen beurteilen die Qualität ihres Lebens in erster Linie danach, was sie in ihrer unmittelbaren Umgebung erleben – und damit: welche Perspektiven und Sicherheiten der Staat gewährt und bietet.

Zu lange wurde im Bereich staatlichen Handelns fast nur auf Effizienz und schmale Verwaltungen geachtet. Ein Staat jedoch, dessen Ordnungskräfte im Kleinwagen Kriminelle im Sportwagen verfolgen sollen und dessen Kommunen in Altschulden ertrinken, hinterlässt bei den Bürgern nicht den Eindruck, die Lage im Griff zu haben.

Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, dass wir eine passgenaue Förderung ländlicher Regionen dringend brauchen. Die Wissenschaftler plädieren dafür, dass der Staat den Ausbau der Infrastruktur gezielt vorantreibt und Arbeitsplätze jenseits der Metropolen ansiedelt.

Produktivität in schwachen Regionen steigern

An dieser Notwendigkeit richten wir den Paradigmenwechsel unserer zukünftig aktiv gestaltenden Struktur- und Heimatpolitik aus. Unser Ansatz gründet dabei auf drei Voraussetzungen.

Erstens: Heimatpolitik muss gesellschaftliche Veränderungen und Probleme offen benennen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Daher werden wir divergierende Entwicklungen systematisch erfassen und aufzeigen. Im Sommer werden wir einen Deutschlandatlas herausgeben.

Zweitens: Heimatpolitik braucht den Staat als Impulsgeber. Daher hat diese Bundesregierung die Initiative ergriffen und die Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse" einberufen. Sie wird bis Juli 2019 konkrete Empfehlungen zum Abbau von Ungleichheiten vorlegen.

Drittens: Heimatpolitik muss tragfähige Antworten auf der Suche nach Identität und Zugehörigkeiten geben und die Bürger auch emotional mitnehmen.

Zahlreiche Studien zeigen, dass Menschen in Regionen, in denen sie sich mit ihrem Gemeinwesen verbunden fühlen, im Durchschnitt gesünder und glücklicher sind als in weniger kohäsiven.

Die Alltagsprobleme der Menschen anzupacken und für Zusammenhalt und gute Lebensverhältnisse in einer immer unübersichtlicheren Lebenswirklichkeit zu sorgen, ist das Kernanliegen unserer Heimatpolitik.

"Nahezu alle gesellschaftlichen Gruppen empfinden Heimatsgefühle, ob jung oder alt, ob aus Stadt oder Land, aus Ost oder West."

Zu diesem Zweck war es für uns nur folgerichtig, eine eigene Abteilung Heimat mit drei Unterabteilungen einzurichten. Ich bin stolz darauf, dass uns dies innerhalb von nur sechs Monaten gelungen ist.

Erste konkrete Ergebnisse liegen vor: So haben wir uns im Rahmen der Versteigerung der 5G-Frequenzen erfolgreich für eine Ausweitung der digitalen Versorgung in ganz Deutschland eingesetzt. Ein anderes Resultat unserer aktiven Strukturpolitik ist die gezielte Förderung von Wohneigentum für Familien mit Baukindergeld. Bereits 83.000 Familien haben einen Antrag gestellt.

Ich bin sicher, dass wir als Heimatressort den richtigen Weg eingeschlagen haben. Wir werden auf das gemeinsame Heimatempfinden bauen und die Wurzeln der Vergangenheit mit dem Gestaltungswillen der Zukunft verbinden.

 

  • Gut zu wissen

  • Seit März 2018 gibt es ein Heimatministerium

  • Heimatpolitik ist Strukturpolitik

  • Wer sich gesellschaftlich zugehörig fühlt, lebt glücklicher

 

Dr. Michael Frehse

Leiter der Abteilung Heimat im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

www.bmi.bund.de

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