Afrika: Große Chancen, große Risiken

Wirtschaftsexperten sind sich einig, dass Afrika mit seinen 54 Staaten zukünftig zu den weltweit attraktivsten Märkten gehören wird. Worauf sich der deutsche Mittelstand bei Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent einstellen sollte.

Die Nachrichtenmeldungen überschlugen sich: Innerhalb nur weniger Stunden hatte sich die Sicherheitslage in Libyen erneut so dramatisch verschlechtert, dass sich ausländische Investoren gezwungen sahen, ihre Mitarbeiter vorsichtshalber abzuziehen. Vorausgegangen war eine Phase der Hoffnung und Zuversicht, was eine Wiederaufnahme von Handelsbeziehungen und Investitionen mit Libyen anging.

Keine Chance ohne Risiko

Die Vorkommnisse der letzten Wochen beweisen, wie instabil die Lage in einem krisengebeutelten Land wie Libyen sein kann. Eine solche Situation bedeutet für ein ausländisches Unternehmen eine Vielzahl an Herausforderungen. Die Arbeiten müssen verzugslos unter- oder abgebrochen werden, für eine Übergabe der Geschäfte an einen lokalen Partner bleibt oft keine Zeit. Mitarbeiter müssen unter schwierigen Bedingungen evakuiert und außer Landes gebracht werden.

Zudem kommen ungeplante finanzielle Belastungen auf ein Unternehmen zu wie Vertragsstrafen bei Nichterfüllung. Ein Abbruch der vereinbarten Leistungen aufgrund kriegerischer Einwirkungen wird zwar in der Regel als höhere Gewalt eingestuft und ist damit strafzahlungsfrei, doch oftmals ist nicht konkret definiert, wie nah ein kriegerischer Konflikt an der Arbeitsstätte sein muss, um für die Mitarbeiter eine konkrete Gefährdung feststellen zu können. Da es allen in dem betroffenen Krisengebiet tätigen Unternehmen so ergeht, steigt die Nachfrage und damit auch die Preise und Verfügbarkeit von Transportmitteln, Sicherheitspersonal und medizinischer Unterstützung. Zu allem Überfluss kann während solcher Phasen die Kommunikationsmöglichkeit eingeschränkt sein, da die Infrastruktur nicht aufrechterhalten wird.

Es ist an der Zeit, Afrika als vielversprechenden Wirtschaftspartner und Zukunftsmarkt wahrzunehmen. Die afrikanischen Regierungen setzen ihren Fokus immer mehr auf Handel und Wirtschaftssynergien – gerade mit deutschen Unternehmen. Weitere Informationen finden Sie in unserem BVMW Faltblatt Mittelstandsallianz Afrika unter https://bvmw.info/maa-infoflyer

Nachfrage nach allen Gütern steigt

Unternehmen sollten sich trotz solcher Vorkommnisse wie in Libyen nicht abschrecken lassen. Denn den ungewohnten Risiken stehen große Chancen gegenüber.

Zu den schon klassischen Geschäftsfeldern gehören die Solartechnik, die Agrarwirtschaft, die digitale Entwicklung, Bildung und Immobilien in stark wachsenden Mega-Städten.

  1. Solartechnik: In weiten Teilen Afrikas gibt es mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr nicht nur ausreichend Sonnenschein, sondern auch sehr viel Raum für den Bau von großflächigen Solarkraftwerken.
  2. Agrarwirtschaft in der Sub-Sahara-Region: Mit steigendem Bedarf an Nahrungsmitteln und zeitgleich immer effizienterer Technologie in der Landwirtschaft bietet sich der Raum der Sub-Sahara für großflächige Projekte an.
  3. Digitale Revolution: Afrika befindet sich auf dem Sprung in das Internetzeitalter. Die Nachfrage nach Internetverbindungen, Applikationen, Low-Price-Smartphones und Bildung ist enorm.
  4. Real-Estate: Aufgrund des Bevölkerungswachstums und zunehmender Attraktivität von Ballungszentren boomt der Immobiliensektor.

 

Neben den genannten Geschäftsfeldern tun sich viele weitere äußerst attraktive Investitionsmöglichkeiten auf. Sie alle bieten dem deutschen Mittelstand vielfältige unternehmerische Möglichkeiten. Hinzu kommt, dass die sich abzeichnende Konjunkturabschwächung der deutschen Wirtschaft die strategische Einbeziehung neuer Märkte zunehmend an Bedeutung gewinnt. Es geht darum, auch in Zeiten des wirtschaftlichen Rückgangs konkurrenzfähig zu bleiben.

Investitionen richtig vorbereiten

Auch wenn sich in einigen Regionen Afrikas die Sicherheitslage in den letzten Jahren verschlechtert hat, bleiben genügend Möglichkeiten für vielfältige und erfolgversprechende Investitionen, wenn sie strategisch gut vorbereitet werden. Wichtig ist, sich von Beginn der Projektplanung an mit Sicherheitsfragen auseinanderzusetzen und die Kosten für notwendige Maßnahmen in die Rentabilitätsberechnungen einfließen zu lassen. Je nach Zielland oder Zielregion können sich notwendige Maßnahmen zwischen einfachen Reisetrainings für reisende Mitarbeiter über Abhol- und Fahrservices bis hin zu komplexen Absicherungsmaßnahmen für längerfristige Großprojekte in Hochrisikoregionen bewegen.

Risiken sind beherrschbar

Die zur Risikominderung notwendigen Analysen und daraus folgenden Maßnahmen sind nicht nur aus Gründen der Informations- und Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern wichtig und moralisch notwendig, sondern auch in der Sorgfaltspflicht im Rahmen der Risikoanalyse gemäß des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) zu berücksichtigen.

In der Regel sind mittelständische Unternehmen nicht aus eigener Kraft in der Lage, solche komplexen und umfangreichen Analysen in der Projektplanung durchzuführen. Zudem fehlt oft das Expertenwissen in Bezug auf Gefahren und mögliche Präventiv- bzw. Reaktivmaßnahmen und deren Kosten-Nutzen-Rechnung. Es gibt Beratungsunternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, diese Lücke zu schließen und mittelständischen Unternehmen in allen Fragen der Sicherheit zur Seite zu stehen. Somit können auch kleinere Unternehmen die Risiken im Ausland beherrschbar machen und die Entwicklungschancen fremder Märkte für sich nutzen.

 

Gut zu wissen

 

  • In Anbetracht der rückläufigen Wirtschaftsentwicklung auf dem europäischen Markt können sich deutsche Mittelständler nicht mehr vor dem afrikanischen Markt verschließen

  • Vorhandene und ungewohnte Risiken sind mit strategischer Planung und mit Hilfe von erfahrenen Beratungsunternehmen kalkulierbar

Deutsche Politik macht sich stark für europäisch-afrikanische Zusammenarbeit

Während ihrer Afrikareise im Mai warb Bundeskanzlerin Angela Merkel für eine verstärkte Zusammenarbeit der EU mit Afrika. Im Vordergrund stand die Frage, wie man die Sicherheitslage in Ländern der Sahelzone verbessern könne. Denn der zunehmende Terrorismus bedroht die Entwicklungspolitik, die Merkel weiter fördern möchte. So sagte sie allein Niger Hilfen in Höhe von 25 Millionen Euro zu. Außerdem eröffnete die Bundeskanzlerin ein Frauenhaus in Niger und ermutigte Frauen, nach mehr Gleichberechtigung zu streben.

Den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder führte im April seine erste Auslandsreise ebenfalls nach Afrika, in das ostafrikanische Äthiopien. Auch er warb für eine verstärkte Kooperation mit dem Kontinent. In der Hauptstadt Addis Abeba eröffnete er das erste Auslandsbüro des Freistaats in Afrika, das als Beratungsstelle für äthiopische und bayerische Unternehmen dient.

 

Dr. Christoph U. Eichel

CEO Result Group GmbH

BVMW-Mitglied

Mitglied der Kommission Unternehmenssicherheit

www.result-group.com

 

Dr. Hans-Jürgen Völz

BVMW Chefvolkswirt

hans-juergen.voelz@bvmw.de

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Soli muss weg für alle!

 

#Soliweg


Das Soli-Gesetz der GroKo benachteiligt Millionen Steuerzahler, ein klarer Verstoß gegen das Grundgesetz. Der Soli gehört deshalb vollständig und für alle ab dem 1. Januar 2020 abgeschafft.

Dafür kämpft der Mittelstand BVMW – notfalls per Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe.