10 Punkte gegen den Abschwung

Deutschland ist im weltweiten Vergleich ein Hochsteuerland, und seit 2008 gab es keine Steuerreform mehr. Die Mittelstandsallianz des BVMW fordert daher im Namen von 33 mittelständischen Branchenverbänden eine umfassende Unternehmensteuerreform.

Gemeinsam wurde ein 10-Punkte-Plan formuliert, um die Unternehmen zu entlasten und dem wirtschaftlichen Abschwung zu begegnen.

1. Einkommensteuer reformieren: Hier gilt es vor allem, den Mittelstandsbauch abzuflachen. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent soll nicht schon beim Anderthalbfachen des Durchschnittseinkommens gelten, sondern erst bei einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro. Auch die kalte Progression muss abgebaut werden – eine versteckte Steuererhöhung, die vor allem den Mittelstand belastet.

2. Solidaritätszuschlag vollständig abschaffen

3. Besteuerung von Kapitalgesellschaften anpassen: Auf Unternehmensebene werden Kapitalgesellschaften wie AGs oder GmbHs mit Gewerbe- und Körperschaftsteuer belastet. Steuersystematisch weist dabei vor allem die Gewerbesteuer gravierende Mängel auf.

4. Gewerbesteuer abschaffen: Die Gewerbesteuer zu streichen, würde den Mittelstand spürbar entlasten. Zum Ausgleich könnten Gemeinden stärker an den Gemeinschaftssteuern beteiligt werden.

5. Rechtsformneutrale Besteuerung ermöglichen: Körperschaften unterscheiden sich in der Besteuerung maßgeblich von Personenunternehmen. Vier von fünf Mittelständlern sind Personenunternehmen und bezahlen Einkommensteuer. Mit der freiwilligen Nutzung des Optionsmodells, bei dem diese die Wahl zwischen der Einkommensteuer und Körperschaftsteuer haben, kann eine rechtsformunabhängige Besteuerung und somit eine Gleichbehandlung möglich gemacht werden.

6. Steuerzinsen absenken: Die Höhe des Zinssatzes ist seit dem Jahr 1961 unverändert, so wird auf Nachforderungen an das Finanzamt von Unternehmen ein Zinssatz von sechs Prozent pro Jahr gefordert.

7. Abgeltungsteuer beibehalten: Die Rückkehr zur persönlichen Besteuerung von Kapitaleinkommen wurde häufig diskutiert. Einher geht damit die Abschaffung der Abgeltungsteuer, die nach neuesten Erkenntnissen zu Steuerausfällen führen würde und hohe Einkommen kaum belastet. Der Mittelstand spricht sich daher ausdrücklich für eine Beibehaltung der Abgeltungssteuer auf Kapitaleinkünfte aus.

"Auch die kalte Progression muss abgebaut werden – eine versteckte Steuererhöhung, die vor allem den Mittelstand belastet."

 

8. Abschreibungsregeln vereinfachen: Hinsichtlich der Abschreibungsmodalitäten schafft die Steuerpolitik mehr Verwirrung als verlässliche Rahmenbedingungen. Ihre Entwicklung war für die Unternehmen in den letzten Jahren kaum vorhersehbar und hat dadurch ihre Investitionsentscheidungen verzerrt. Forderungen nach einer Wiedereinführung der degressiven Abschreibung sind berechtigt. So zeigen Erfahrungen aus der Praxis, dass bestimmte Wirtschaftsgüter in den ersten Jahren schneller veralten als in den Folgejahren.

9. Verlustvorträge nutzbar machen: Im Steuer- und Handelsrecht können unter bestimmten Voraussetzungen Verluste auf das nächste Geschäftsjahr übertragen werden.

10. Unternehmensteuerrecht vereinfachen: Das Steuerrecht belastet mittelständische Unternehmen mit hohen Bürokratie- und Befolgungskosten. Allein die Pflicht, eine Gewerbesteuererklärung abzugeben, kostet die Unternehmen laut Statistischem Bundesamt jährlich 1,9 Milliarden Euro. Häufig haben kleine und mittlere Unternehmen keine ausreichend große Steuerabteilung, sodass externe Berater eingeschaltet werden müssen.

 

Alexandra Horn

BVMW Leiterin Verbands-kooperationen und Projekte

alexandra.horn@bvmw.de

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