Schule 4.0

Digitale Bildung ist derzeit in aller Munde. Das ist nicht nur gut, sondern überfällig. Denn die Digitalisierung unserer Schulen und die Umsetzung digitaler Bildungskonzepte an Schulen ist kein Zukunftsthema, sondern eine Gegenwartsnotwendigkeit.

Voraussetzung für die Vermittlung digitaler Bildung ist eine flächendeckende moderne digitale Infrastruktur an Schulen. Die Bundesregierung leistet dazu einen entscheidenden Beitrag. Mit der Änderung von Artikel 104c des Grundgesetzes hat der Bund seine Möglichkeiten für Investitionen in die kommunale Bildungsinfrastruktur ausgebaut. Mit dem „Digitalpakt Schule" und der Offensive „Digitales Klassenzimmer" zum Breitbandausbau bringt die Bundesregierung zwei zeitlich und inhaltlich aufeinander abgestimmte Großprogramme für die Digitalisierung von Schulen an den Start.

Für den Digitalpakt Schule wird der Bund insgesamt fünf Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Zusammen mit dem Eigenanteil der Länder von zusätzlich zehn Prozent wird der Digitalpakt einen erheblichen Schub für die Digitalisierung unserer Schulen geben. Die Verständigung von Bund und Ländern auf den Digitalpakt Schule ist ein wichtiges Signal für die gemeinsame Verantwortung von Bund und Ländern, zukunftsfähige digitale Bildungsinfrastrukturen zu schaffen.

Klare Aufgabenverteilung zwischen Bund und Ländern

Wir gehen davon aus, dass die ersten Schulen noch in diesem Jahr von den Geldern profitieren werden. Berufsbildende Schulen werden dabei genauso gefördert wie Grundschulen, Sekundarschulen und Gymnasien. Jede Schule hat jedoch unterschiedliche und individuelle Startbedingungen. Es wird daher darum gehen, wirklich alle Schulen mitzunehmen – die Schulen, die bei der Digitalisierung noch am Anfang stehen, genauso wie die digitalen Vorreiterschulen, die es heute bereits gibt. Deswegen wird die geförderte IT-Ausstattung je nach örtlichen Gegebenheiten und Voraussetzungen unterschiedlich sein. Entsprechend der föderalen Zuständigkeiten ist eine klare Aufgabenverteilung zwischen Bund und Ländern vorgesehen. Der Bund investiert in eine leistungsfähige digitale Infrastruktur. Die Länder sind für die Qualifizierung der Lehrkräfte und die Entwicklung und den Einsatz zeitgemäßer pädagogischer Konzepte zuständig. Die Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer ist für mich einer der wichtigsten Ansatzpunkte, um digitale Bildung in die Schule zu bringen. Hier haben wir noch eine große Aufgabe vor uns.

„Wir bilden unsere Kinder derzeit für einen Arbeitsmarkt aus, von dem wir heute noch gar nicht wissen, wie er aussehen wird."

Neue Bildungskonzepte notwendig

Digitale Bildung bedeutet aber nicht bloß, neue Technologien bedienen zu lernen. Es geht darum, Schülerinnen und Schüler umfassende Kompetenzen zu vermitteln und sie gut auf das Leben vorzubereiten. Wer in der digitalen Welt bestehen will, muss vor allem neugierig und kreativ sein. Daher müssen moderne Bildungskonzepte sich verstärkt darauf ausrichten, Schlüsselkompetenzen wie konzeptionelles und kritisches Denken, Kreativität sowie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit zu vermitteln. Um Kindern den Zugang in die digitale Welt zu erleichtern, gehört für mich auch dazu, dass Kinder am besten schon in der Grundschule ein Verständnis von Technik und Logik des Programmierens entwickeln. Programmieren muss daher Pflichtfach in unseren Schulen werden.

Reflektiver Umgang mit Digitalmedien muss erlernt werden

Auch Medienerziehung muss in der Schule eine viel größere Rolle spielen. Auch hier brauchen wir zeitgemäße Konzepte zur Vermittlung eines reflektierten Umgangs mit digitalen Medien und eine fundierte Diskussion über die Chancen und Risiken. Das sind übrigens Themen, für die sich Schülerinnen und Schüler sehr interessieren.Die Gestaltung unseres Bildungssystems gehört zu den zentralen Handlungsfeldern. Wir müssen jedem in unserem Land die Chance geben, an den Entwicklungen durch die digitale Transformation teilzuhaben. Das heißt für mich ganz konkret, dass wir niemanden zurücklassen dürfen. Dies gilt für Schule, Berufsausbildung, Studium und Weiterbildung gleichermaßen. Digitale Bildung gehört in die Mitte der gesellschaftlichen Diskussion.

Veränderungen werden immer schneller

Wir befinden uns durch die digitale Transformation mitten in einer großen gesellschaftlichen Umgestaltung. Die Art und Weise, wie wir leben, wird sich noch viel rascher verändern, als wir es bisher kennen. Wir bilden unsere Kinder derzeit für einen Arbeitsmarkt aus, von dem wir heute noch gar nicht wissen, wie er aussehen wird. Viele Berufe werden ihr Erscheinungsbild verändern, und es werden auch ganz neue Berufe entstehen. Diese Entwicklung sollte uns aber nicht bange machen, sondern vielmehr anspornen, kreativ und mutig unsere Zukunft zu gestalten. Ziel ist, dass wir die Technik beherrschen und nicht umgekehrt. Dafür brauchen wir flächendeckende digitale Bildung über alle Altersstufen und Bildungsformen hinweg.

 

Dorothee Bär

Staatsministerin für Digitalisierung

https://bvmw.info/dorothee-baer