Lebenslanges Lernen – Wissen ist Macht

Mit dem digitalen Wandel unserer Gesellschaft verändern sich auch die Anforderungen, die sich jedem Einzelnen in Beruf und Alltag stellen. Lebenslanges Lernen wird deshalb zunehmend ein entscheidender Erfolgsfaktor für Unternehmen.

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Sowohl für die Wirtschaft als auch für unsere Gesellschaft und die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen ist lebenslanges Lernen unerlässlich. Qualifizierte Weiterbildung hilft, Veränderungen der Umwelt zu bewältigen und sich den Herausforderungen des Arbeitsmarktes erfolgreich zu stellen. Zudem ist es eine Quelle für Motivation, Selbstvertrauen und kann die individuelle Lebensqualität maßgeblich verbessern. 

„Weiterbildung und lebenslanges Lernen entscheiden im Rahmen von Veränderungsprozessen über die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens."

 

Weiterbildung und lebenslanges Lernen sind nicht nur zentrale Themen der Bildungspolitik, sondern entscheiden im Rahmen von Veränderungsprozessen über die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens.

Weiterbildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Trotz der enormen gesellschaftlichen Bedeutung von Weiterbildung sind die öffentlichen Mittel laut Bertelsmann Stiftung zwischen 1995 und 2012 von 3,6 auf 1,3 Milliarden Euro gesunken. Zwar wirkt die Bundesregierung diesem Abwärtstrend mit dem Qualifizierungschancengesetz entgegen, dennoch muss sich die Wirksamkeit des Gesetzes erst noch in der unternehmerischen Praxis beweisen.

Die Finanzierung der beruflichen Weiterbildung wird in Deutschland gemeinschaftlich durch Betriebe, Beschäftigte und die öffentliche Hand gewährleistet. Diese Mischfinanzierung folgt der Erkenntnis, dass alle genannten Akteure Nutzen aus der beruflichen Weiterbildung ziehen können. Wer im Einzelfall welchen Anteil an den Kosten trägt, richtet sich unter anderem danach, welcher Nutzen jeweils erwartet wird.

Weiterbildungsquoten sinken – Regionaler Flickenteppich

Doch nicht nur an der Finanzierung hapert es: Die Beteiligung an betrieblich veranlassten Weiterbildungen beträgt bei den 18- bis 64-jährigen nur 36 Prozent. Noch schlechter sieht es bei der individuellen berufsbezogenen Weiterbildung aus. Gerade einmal 12 Prozent aller Arbeitnehmer bildeten sich laut dem aktuellen Deutschen Weiterbildungsatlas der Bertelsmann Stiftung fort, Tendenz sinkend. Bemerkenswert sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern: Am schlechtesten schneidet das Saarland ab, mit einer Weiterbildungsbeteiligung von lediglich 7,8 Prozent. Baden-Württemberg führt das Feld mit 15,3 Prozent an. Zudem liegt die Beteiligungsquote im Westen höher als im Osten und ist im Süden stärker als im Norden. Entgegen dem sinkenden Trend stieg die Weiterbildungsquote in Sachsen um mehr als 1,5 Prozentpunkte auf 12,1 Prozent.

Weiterbildungsmaßnahmen verfehlen ihre Zielgruppe

Die Studie legt zudem einen weiteren bedeutenden Unterschied offen: Von Armut Betroffene und Geringqualifizierte im Erwerbsalter (25 bis 54 Jahre) bilden sich im Vergleich zur restlichen Bevölkerung deutlich weniger fort. 2015 nahmen nur 7,7 Prozent Mittellose und 5,6 Prozent Geringqualifizierte an einer Weiterbildungsmaßnahme teil. Damit liegen sie um zwei Drittel unter der Beteiligungsquote der Durchschnittsbevölkerung (12,2 Prozent). Dies ist gerade in Zeiten eines sich verschärfenden Fachkräftemangels fahrlässig. Der Staat ist daher gut beraten, Anreize für eine stärkere Beteiligung Geringqualifizierter und finanziell Bedürftiger an Weiterbildungsmaßnahmen zu geben.

Nur wenn wir im Bereich der Weiterbildung mehr Transparenz über die bestehenden Möglichkeiten und die einzelnen Angebote herstellen, steigt ihre öffentliche Akzeptanz. Durch stärkere Kooperation der beteiligten Akteure aus Politik, Wirtschaft, Arbeits- und Kommunalverwaltung sowie den Weiterbildungsträgern kann die erhoffte Trendwende schneller eingeleitet werden.

Gut zu wissen

 

  • Öffentliche Mittel zwischen 1995 und 2012 von 3,6 auf 1,3 Milliarden Euro gesunken

  • Nur 12 Prozent aller Arbeitnehmer bildeten sich fort, Tendenz sinkend

  • Unterschiede zwischen Bundesländern: Saarland mit 7,8 Prozent am schlechtesten, Baden-Württemberg mit 15,3 Prozent am besten

 

Markus Jerger

BVMW Bundesgeschäftsführer

mittelstand@bvmw.de