Automobilindustrie im Umbruch

Ob Familienunternehmen oder Weltkonzern, Chiphersteller oder Stahlverarbeiter – die Zulieferunternehmen der Automobilindustrie sind ein besonders wichtiger Baustein für den Erfolg des Industriestandortes Deutschland.

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Gut 313.000 Beschäftigte im Inland – das ist mehr als jeder dritte Beschäftigte – unterstreichen die zentrale Rolle der Zulieferer für die deutsche Automobilindustrie. Ihr Anteil an der Wertschöpfung eines Autos ist mit über 75 Prozent sogar noch wesentlich höher. Der größte Teil der Zulieferer besteht aus kleinen und mittleren Unternehmen, oftmals familiengeführt.

" 40 Prozent aller Patentanmeldungen in Deutschland entfallen auf die Automobilindustrie."

Auch im internationalen Vergleich zeigt sich die Stärke der deutschen Automobilzulieferer. So sind unter den Top 100 Automobilzulieferern weltweit 18 deutsche Unternehmen. Diese Quote wird lediglich in Japan und den USA überschritten. Der Anteil der deutschen Automobilzulieferer am Gesamtumsatz der Top 100 beträgt sogar ein Viertel. Das ist Platz zwei, direkt hinter Japan.

Strukturwandel stellt KMU vor große Herausforderungen

Durch die Transformation der Automobilindustrie stehen allerdings viele kleine und mittlere Unternehmen vor großen Herausforderungen. Es gilt, den Wandel selbst zu gestalten, den alternative Antriebe, Digitalisierung, Vernetzung und neue Mobilitätsdienstleistungen mit sich bringen. Die Unternehmen sind gefordert, das bisherige eigene Produktportfolio zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Neues Know-how und veränderte Fertigungsstrukturen sind gefragt. Die automobile Wertschöpfungskette ändert sich, Innovationszyklen werden kürzer, Produktvielfalt und Kostendruck nehmen zu.

Erfreulich: Die Zulieferunternehmen gehen diese Herausforderungen aktiv an. So zeigt sich die hohe Innovationskraft der kleinen und mittleren Unternehmen der deutschen Automobilindustrie bei den Patentanmeldungen. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) entfallen 40 Prozent aller Patentanmeldungen in Deutschland auf die Automobilindustrie. Zwei Drittel davon wurden von Zulieferunternehmen angemeldet.

Auch im internationalen Vergleich sind die deutschen Automobilzulieferer bei den Investitionen in die Zukunft stark aufgestellt. In den Jahren 2015 bis 2017 haben die deutschen Zulieferer durchschnittlich 5,7 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert. Das ist im internationalen Vergleich überdurchschnittlich und zeigt: Kleine und mittlere Unternehmen investieren massiv in die Zukunft und tragen entscheidend zur Transformation der Automobilindustrie bei.

Industriestrategie 2030 greift noch zu kurz

Damit die deutschen Automobilzulieferer auch weiter so stark im internationalen Vergleich abschneiden können, braucht es die richtigen politischen Rahmenbedingungen. Die Industriestrategie 2030 des Bundeswirtschaftsministeriums ist hier eine wichtige Initiative, mit der die Weichen gestellt werden können. Doch die Industriestrategie greift noch zu kurz.

Insbesondere die Fachkräftegewinnung muss vereinfacht und beschleunigt werden. Für den wichtigen MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) gilt dies in besonderem Maße. Der Fachkräftemangel bedroht insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen, denn sie können ihr Personal in der Regel nicht transnational akquirieren. Zudem können viele Zuliefer-unternehmen als „Hidden Champions" – anders als große Konzerne – nicht so sehr von der Bekanntheit ihres Namens oder ihrer Marken bei der Gewinnung von neuen Mitarbeitern profitieren.

Doch Maßnahmen einer vereinfachten Fachkräftegewinnung sind nur ein Instrument, um den Industriestandort Deutschland zu stärken. So hat Deutschland die höchsten Energiepreise in der EU, die ein erhebliches Investitionshemmnis darstellen. Besonders ausgeprägt ist die Investitionszurückhaltung in den energieintensiven Branchen, zu denen die Metallerzeugung und -bearbeitung gehört. Diese Branchen haben in den letzten 15 Jahren nur 80 bis 85 Prozent der Abschreibungen durch neue Investitionen ersetzt. Wir reden hier also von Kapitalverzehr. Doch Maßnahmen einer vereinfachten Fachkräftegewinnung sind nur ein Instrument, um den Industriestandort Deutschland zu stärken. So hat Deutschland die höchsten Energiepreise in der EU, die ein erhebliches Investitionshemmnis darstellen. Besonders ausgeprägt ist die Investitionszurückhaltung in den energieintensiven Branchen, zu denen die Metallerzeugung und -bearbeitung gehört. Diese Branchen haben in den letzten 15 Jahren nur 80 bis 85 Prozent der Abschreibungen durch neue Investitionen ersetzt. Wir reden hier also von Kapitalverzehr.

Unternehmensteuerreform ist überfällig

Handlungsbedarf gibt es auch in der Steuerpolitik. Wir unterstützen den angestrebten Einstieg in eine steuerliche Forschungs- und Entwicklungsförderung, sehen jedoch noch weiteren erheblichen Verbesserungsbedarf bei der Unternehmensbesteuerung. Der Industriestandort Deutschland darf den Anschluss im verschärften internationalen Steuerwettbewerb nicht verpassen.

Die kleinen und mittleren Zulieferunternehmen bilden das Rückgrat der deutschen Automobilindustrie. Doch damit das auch in Zukunft so bleibt, müssen die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dazu braucht es eine enge Abstimmung zwischen Politik und Industrie, um die gewollte ökologische und digitale Transformation ökonomisch machbar und sozial verträglich zu gestalten.

Gut zu wissen

 

  • Kunden wünschen heute ein maßgeschneidertes Produkt

  • Kunden zum richtigen Zeitpunkt mit dem passenden Angebot ansprechen

  • Mit zunehmender Digitalisierung steigt der Stellenwert individueller Beratung

 

Bernhard Mattes

Präsident Verband der Automobilindustrie (VDA)

www.vda.de/de

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