Mediation als Konfliktlöser

Studien zeigen, dass in der Wirtschaft zwar eine grundsätzliche Offenheit für Mediation besteht, im Zweifel aber auf eine Lösung durch Verhandlungen gesetzt wird.

Foto: © angXiaNuo von www.istockphoto.com

Manager und Geschäftsführer samt ihrer Rechtsanwälte sind in der Regel versierte Verhandler und bewegen sich damit auf vertrautem Terrain. Verhandlungen in der Wirtschaft werden aber unter dem Druck von Leistung und Erfolg in der Regel positions- und ergebnisorientiert geführt. Man will am Ende mit dem gewünschten Resultat nach Hause gehen. Das prägt die Dynamik und die Inhalte der Verhandlung, selbst wenn man den Versuch macht, von den Positionen abzurücken und die Interessen auch der anderen Akteure einzubeziehen. Jedenfalls wird das Spektrum möglicher Lösungen eingeschränkt. Kann Mediation hier helfen?

"Mediation eignet sich als Konfliktlösungsstrategie in (fast) allen Fällen widerstreitender Interessen, die gemeinsam gelöst werden müssen."

Konfliktparteien erarbeiten eine Lösung

Die Mediation als außergerichtliches Konfliktbeilegungsverfahren wurde im Jahr 2012 mit dem Mediationsgesetz auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Danach handelt es sich bei der Mediation um ein strukturiertes und vertrauliches Verfahren. Man unterscheidet nach dem in Deutschland vorherrschenden Mediationsmodell verschiedene Phasen der Mediation, von der Auftragsklärung und Mediationsvereinbarung über die Themensammlung bis zur anschließenden Identifizierung und Bearbeitung der relevanten Interessen der Medianten. Die Mediation wird mit der Entwicklung von Lösungsszenarien und der Einigung auf eine Lösung abgeschlossen. Außerdem sollen die Parteien selbst, und zwar freiwillig und eigenverantwortlich, die Lösung erarbeiten. Der neutrale Mediator unterstützt unter Einsatz professioneller Methoden diesen Prozess der Kommunikation, trifft aber anders als bei einer Schlichtung oder im Schiedsverfahren selbst keine Entscheidung.

Breiter Anwendungsbereich des Mediationsgesetzes

Der Gesetzgeber hat mit seiner eher allgemeinen Begriffsbestimmung der Mediation einen großen Raum für deren Anwendung gelassen. Umfasst wird nicht nur die Situation, in der die Parteien kurz vor der Klageerhebung stehen und mit Hilfe der Mediation den Rechtsstreit noch eben zu vermeiden suchen, sondern auch innerbetriebliche und innerorganisatorische Konflikte, wie etwa Konflikte innerhalb von Teams, in denen es nicht darum geht, einen Rechtsstreit abzuwenden, sondern ein Problem im betrieblichen Miteinander zu lösen. Das heißt, Mediation eignet sich als Konfliktlösungsstrategie in (fast) allen Fällen widerstreitender Interessen, die gemeinsam gelöst werden müssen.

Auch Meinungsverschiedenheiten im Gesellschafterkreis, vor allem wenn wichtige Entscheidungen einverständlich oder mit qualifizierter Mehrheit getroffen werden sollen oder müssen, oder wenn ein Patt besteht, eignen sich gut für eine Begleitung durch einen neutralen Dritten.

Aber auch auf der Geschäftsführungsebene und in Aufsichtsgremi­en kann Bedarf für eine Mediation bestehen. Selbst wenn in diesen Fällen die gemeinsame Ausrichtung an den Interessen des Unter­nehmens im Vordergrund steht, kann es unterschiedliche Auffassungen zu den einschlägigen unternehmerischen Interessen, den Prioritäten oder den geeigneten Maßnahmen geben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Akteure natürlich immer auch Personen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten sind. Und das hat Einfluss auf die Einschätzung der relevanten unternehmerischen Interessen. So bevorzugen beispielsweise risikooffene Persönlichkeiten andere Strategien als Personen, die im Kern eher sicherheitsorientiert sind. Die sich daraus ergebenden Konflikte können gut mediativ bearbeitet werden.

Gut zu wissen

 

  • Mediation bedeutet Verständigung und basiert auf einem konstruktiven, gemeinschaftlichen Umgang miteinander

  • Eignet sich nicht nur als außergerichtliches Streitbeilegungsverfahren

  • Innerbetriebliche Konflikte oder komplexe Meinungsverschiedenheiten in Unternehmen lassen sich damit lösen

 

Dr. Monika Pasetti LL. M. M.A.

Rechtsanwältin und Mediatorin

Mitglied der Kommission Recht des BVMW

www.maypartner.de

www.monika-pasetti.de

X
Logo

Sie wollen mehr? Zu Recht!

 

Wenn Sie noch nicht gefunden haben, was Ihnen unter den Nägeln brennt…

…dann haben wir die Antworten auf Ihre unternehmerischen Fragen. Nutzen Sie unser einmaliges Netzwerk mit 300 Geschäftsstellen überall in Deutschland. Und profitieren Sie von enormen Einkaufsvorteilen, bspw. mit bis zu 40% auf Ihr Firmenfahrzeug. Jetzt unverbindlich kontaktieren und alle Vorteile mitnehmen!