Bloß nicht krank werden!

Mit Förderprogrammen und Steuervorteilen will der Staat Unternehmen beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement unterstützen. Doch die Praxis zeigt: Der Weg zur staatlichen Förderung ist steinig.

Gesunde Mitarbeiter fühlen sich wohl am Arbeitsplatz, arbeiten effektiver und schaffen so ein gutes Betriebsklima. Investitionen in die Krankheitsprävention rentieren sich gerade für kleine und mittlere Unternehmen, denn niemand möchte betriebswirtschaftlichen Schaden durch Fehlzeiten in Kauf nehmen. Doch wie sorgt der mittelständische Unternehmer für die Gesundheit seiner Belegschaft?

Sozialgesetze und Krankenkassen fassen unternehmerische Prävention unter dem Begriff „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ (BGM) zusammen. Das fordert den Unternehmer: Er muss „strukturelle Rahmenbedingungen“ schaffen – also betriebliche Strukturen so gestalten, dass Räumlichkeiten, Lichtverhältnisse, Möbel und Arbeitsgerät die Gesundheit der Mitarbeiter nicht nur nicht gefährden, sondern Schäden – etwa Muskel-Skelett-Erkrankungen – vorbeugen (Verhältnisprävention). Die Mitarbeiter selber sollen durch Kurse lernen, sich gesundheitsförderlich zu verhalten (Verhaltensprävention). Schlussendlich gehört auch die gesetzlich vorgeschriebene betriebliche Wiedereingliederung von Beschäftigten, die lange krank waren, zum BGM.

Wer hilft bei der Umsetzung?

Nun könnte man glauben, dass die zuständigen Ministerien mit Rat, Tat und Geld mittelständischen Unternehmen nach Kräften helfen, Fehlzeiten zu reduzieren und die Arbeitseffizienz zu erhöhen. Schließlich stellen sie entsprechend hohe Anforderungen an Betriebe, die Auflagen für Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und schließlich Prävention zu erfüllen. Doch allzu viele Möglichkeiten eröffnen sich dem Unternehmer nicht.

Er kann bei den örtlichen Krankenkassen schlicht um Geld für seine BGM-Maßnahmen bitten. Die Kassen haben nach Sozialgesetzbuch V §20 den gesetzlichen Auftrag, Unternehmen bei der Präventionsarbeit zu helfen. Welche dieser Maßnahmen gefördert werden, legt der Leitfaden Prävention fest (siehe unten).

Auch die öffentliche Hand bietet sich an: Die Initiative unternehmensWert:Mensch des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales fördert die Beratung von Unternehmen bei der Planung ihres BGMs. Maximal schießt der Staat stolze 10.000 Euro zu. In einer Erstberatung wird der Handlungsbedarf analysiert, die Höhe der Förderung bemessen und ein „Beratungsscheck“ ausgestellt, der zum Beispiel bei einem auf Gesundheitsfragen spezialisierten Unternehmensberater eingelöst werden kann. Kleine Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern erhalten 80 Prozent der Beratungskosten zurück, mittelgroße Betriebe mit bis zu 249 Beschäftigten die Hälfte. Die konkrete Umsetzung der Maßnahmen, etwa die Anschaffung ergonomischer Sitzmöbel, trägt aber der Betrieb.

Selbst das Finanzamt zeigt sich mitunter gnädig: Unternehmer können mit ihrer Fürsorge für die Mitarbeiter Steuern sparen. Dem Arbeitgeber wird ein Freibetrag bis zu 500 Euro im Jahr pro Mitarbeiter für Leistungen der Betrieblichen Gesundheitsförderung zusätzlich zum Lohn eingeräumt. Das Bundesgesundheitsministerium zählt zu solchen Leistungen Bewegungsprogramme, Ernährungsangebote, Suchtprävention sowie Stressbewältigung. Nicht darunter fällt die Übernahme der Beiträge für einen Sportverein oder ein Gesundheitszentrum beziehungsweise Fitnessstudio – Ausnahmen (s. Beitrag „Wie der Fiskus Fitness fördert") bestätigen die Regel.

Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück

Aber: Im November 2018 hat die Politik eine Gesetzesänderung veranlasst, bei der Unternehmen die Steuerbefreiung gemäß Einkommensteuergesetz nur dann nutzen können, wenn die in Anspruch genommene Betriebliche Gesundheitsförderung zertifiziert ist. Wann aber ist eine Maßnahme „zertifiziert“? Darüber herrscht beim Gesetzgeber und somit bei Kassen und Finanzämtern Unklarheit. Der Freibetrag von 500 Euro steht und fällt indes mit der Einhaltung dieses Kriteriums. Das bringt nun so manchen Chef in die Bredouille, denn Mittelständler aus unterschiedlichen Branchen müssen unterschiedliche Präventionsmaßnahmen anbieten.

„Verhältnisprävention und Verhaltensprävention stellen Unternehmer vor Herausforderungen."

 

Ein Familienbetrieb der chemieverarbeitenden Industrie hat andere Anforderungen an Gesundheit und Arbeitsschutz als ein digitales Start-up, das die Webseiten seiner Kunden optimiert. BGM muss passgenau sein – und genau deshalb droht für viele Mittelständler der Wegfall des finanziellen Vorteils. Für den Mitarbeiter, der gesünder seinem Job nachgehen kann, entsteht ein geldwerter Vorteil. Den muss der Arbeitgeber bewerten und der Lohnsteuer unterwerfen. Am Ende zahlt der Mitarbeiter mehr. So verliert eine an sich sinnvolle Fördermaßnahme an Attraktivität.

Gut zu wissen:

 

  • BGM kann sich für den Mittelstand rentieren

  • Die öffentliche Hand unterstützt BGM z. B. durch Steuervorteile

  • Mit einer Gesetzesänderung aus 2018 wurde diese Fördermaßnahme jedoch eingeschränkt

 

Leitfaden Prävention des Spitzenverbandes Gesetzliche Krankenkassen GKV:

https://bvmw.info/leitfaden-praevention

 

Beratung unternehmensWert:Mensch:

unternehmenswertmensch@BMAS.bund.de,

www.unternehmens-wertmensch.de

 

Bernd Ratmeyer

Wissenschaftsjournalist und Lektor

mittelstand@bvmw.de

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Soli muss weg für alle!

 

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Dafür kämpft der Mittelstand BVMW – notfalls per Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe.