Deutsche Technologien sind in Arabien gefragt

Arabisch-deutsche Kooperationen zahlen sich aus. Eine neue Ära der Digitalisierung und der globalen Energiewende ermöglicht deutschen Unternehmen in arabischen Ländern wertvolle Partnerschaften, vor allem im Energiesektor.

Als im Jahr 1859 mit dem Bau des Suezkanals begonnen wurde und deutsche Ingenieure in der ägyptischen Wüste Telegrafen-Kabel verlegten, da konnte noch keiner ahnen, dass dies der Auftakt für eine unglaubliche Entwicklung sein würde. Gleich einem Wüstenmärchen entstanden in den 150 folgenden Jahren glitzernde Riesenmetropolen wie Riad, Dubai oder Abu Dhabi. Gleichzeitig hat der technologische Fortschritt eine revolutionäre Entwicklung genommen. Kabel im Suezkanal transportieren inzwischen nicht mehr nur Gesprächsfetzen. Gigantische Datenmengen fließen parallel zu Waren und Gütern durch die Region bis nach Fernost. Längst sind Energiemengen im Gigabereich notwendig, um all die fortgeschrittenen Technologien sowie den Alltag der Menschen zu gewährleisten.
Was der Blick auf die vergangenen 150 Jahre aber vor allem zeigt: Deutsches Know-how spielt bei der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung der Region eine maßgebliche Rolle. Sei es bei der Energieerzeugung, im Transportsektor oder der Industrie: Deutsche Technologien sind gefragt in den arabischen Ländern. Wie kein zweiter Sektor veranschaulicht die Energiebranche die enormen Potenziale der deutsch-arabischen Wirtschaftsbeziehungen. Seit mehr als zehn Jahren legt die Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce daher ein besonderes Augenmerk auf die Energiebranche. Denn eine effiziente Energieversorgung ist nicht nur die Basis einer wachsenden Wirtschaft, sondern auch ein Garant für sozialen Fortschritt.

Ausbau der Kooperationen
Wenn Ende November mehr als 300 Entscheidungsträger aus der arabischen Welt und Deutschland in Berlin zum 10th Arab-German Energy Forum zusammenkommen, wird es erneut darum gehen, wie die Kooperationen weiter vorangetrieben werden können. Der Bedarf für einen schnellen Ausbau einer effizienten Energieversorgung in den arabischen Ländern ist jedenfalls enorm.
In ihrer letzten Erhebung prognostiziert beispielsweise die Arab
Petroleum Investment Corporation, dass bis 2023 insgesamt eine Energie-Kapazität von zusätzlich 88 Gigawatt geschaffen werden muss, um den wachsenden Bedarf an Energie in der Region zu decken. Den Schätzungen zufolge sind hierfür Investitionen im Wert von 142 Milliarden US-Dollar für die Energieerzeugung nötig. Dabei beschränkt sich die deutsch-arabische Zusammenarbeit längst nicht nur auf den Ausbau der Energiekapazitäten durch deutsche Großunternehmen wie Siemens. Als weltweit anerkannter Vorreiter bei den erforderlichen Technologien im Bereich der Energiewende sind ebenfalls die deutschen Innovationsschmieden bei der Ausrüstung der Stromnetze gefragt. Auch hier ist der Investitionsbedarf mit geschätzten 68 Milliarden US-Dollar enorm.
Tatsächlich haben nahezu alle arabischen Staaten umfassende Entwicklungspläne, in welchen auch die Erneuerbaren Energien einen hohen Stellwert besitzen: Denn auch die arabischen Staaten haben erkannt, dass die Energiewende nicht nur eine ökologische Notwendigkeit ist, sondern auch wirtschaftlich großes Potenzial birgt. Dabei ist den Entscheidungsträgern nicht entgangen, dass deutsche Mittelständler einen erheblichen Erfahrungsschatz im Rahmen der deutschen Energiewende gesammelt haben. Angesichts zahlreicher innovativer Großprojekte sind solche Technologien gefragt.

Entstehung neuer Städte
Besonders interessant für deutsche Unternehmen sind in diesem Zusammenhang die Vorhaben einiger arabischer Staaten, ganze Städte neu entstehen zu lassen. Schillerndstes Beispiel für diese Vorhaben sind die Stadt NEOM im Norden Saudi-Arabiens oder innovative Stadtteile wie das Gelände der EXPO 2020 in Abu Dhabi, wo die neuesten Technologien für intelligentes Wohnen und Leben getestet werden sollen.
Auch die europäischen Staaten haben erkannt, dass die zahlreichen innovativen Vorhaben in den arabischen Nachbarstaaten große Potenziale für Kooperationen bereithalten. Insbesondere im Energiebereich unterhält die deutsche Bundesregierung umfassende Kooperationen. Sowohl mit Marokko als auch mit Tunesien und Algerien bestehen Energiepartnerschaften.
In Marokko, Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde bereits bewiesen, dass Solar-Strom effizient und kostengünstig hergestellt werden kann. Regelmäßig unterbieten sich die Entwickler von Photovoltaik-Anlagen bei den Preisen zur Einspeisevergütung. Im emiratischen Sweihan wird Sonnenstrom künftig für 2,42 US-Cent pro Kilowattstunde (kWh) geliefert, eine Anlage im marokkanischen Midelt produziert Strom in einem Solar-Wärme-Kraftwerk zum Rekordpreis von 7 US-Cent pro kWh und im saudischen Dumat Al Jandal entsteht Windstrom zu je 2,1 US-Cent pro kWh. Ebenso kommen beim Netzausbau neuste Technologien zum Zug. So unterstützt Siemens derzeit den Irak beim Wiederaufbau einer integrierten und effizienten Stromversorgung.

All diese Projekte haben vor allem gemeinsam, dass die Rahmenbedingungen zur Implementierung und Erprobung neuer Technologien für deutsche Unternehmen in den arabischen Ländern derzeit besonders gut sind. Angesichts der bevorstehenden Energiewende stehen deutsche und arabische Partner also erneut am Beginn einer revolutionären Entwicklung. Die Erfahrungen nach dem Bau des Suezkanals haben gezeigt: Ein Engagement in der arabischen Welt ist eine Win-win-Situation für die deutsche wie auch für die arabische Wirtschaft.

Gut zu wissen

 

  • Der deutsch-arabische Warenaustausch lag 2018 bei 42,8 Milliarden Euro

  • Größter Abnehmer deutscher Waren sind die VAE mit einem Importvolumen von 8,3 Milliarden Euro in 2018, es folgten Saudi-Arabien (6,5 Milliarden Euro), Ägypten (4,4), Algerien (3,1) und Katar (2,2)

  • Viele mittelständische deutsche Unternehmen nutzen die vorteilhaften Rahmenbedingungen in Nordafrika

 

Abdulaziz Al-Mikhlafi

Generalsekretär der Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry e. V.

www.ghorfa.de

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