Warum Zeitarbeit für beide Seiten attraktiv ist

Die Leih- oder Zeitarbeit hatte lange ein schlechtes Image. Es ist an der Zeit, die sogenannte Arbeitnehmerüberlassung neu zu überdenken. Denn der deutsche Mittelstand kann profitieren – gerade in konjunkturell stürmischen Zeiten.

ANÜ boomt. Das Kürzel steht für Arbeitnehmerüberlassung, also Leih- oder Zeitarbeit. Noch 1985 waren lediglich 42.000 Arbeitnehmer in solchen befristeten, durch eine Zeitarbeitsfirma vermittelten Verhältnissen tätig. Heute sind es 1,04 Millionen. Zwei Prozent der Beschäftigten arbeiten in der IT-Branche, elf Prozent im kaufmännischen Bereich, 30 Prozent im Dienstleistungssektor und der überwiegende Teil (42 Prozent) ist in der Produktion tätig.

Zeitarbeit als Ausbeutung?

Der Ruf der ANÜ indes ist schlecht: Dumpinglöhne, kein Krankengeld, weniger Arbeitnehmerrechte, keine Aufstiegschancen und dubiose Leiharbeitsfirmen, die bevorzugt Ausländer vermitteln, die ihre Rechte nicht kennen oder nicht einfordern. Vieles davon ist richtig, doch mit dem Fachkräftemangel und dem rasanten Anstieg der Leiharbeitsverhältnisse ab 2002 haben sich die Bedingungen spürbar gebessert. Seit 2017 gilt das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, das gleichen Lohn („equal pay“) nach neun Monaten vorschreibt; nach 18 Monaten muss die Festanstellung im Betrieb erfolgen.
Auch für kleine und mittlere Unternehmen bieten sich Chancen: In Zeiten des Fachkräftemangels und schwankender Auftragslage können Unternehmen Auftragsspitzen abfangen und ausgefallene Mitarbeiter ersetzen. Die hauseigene Belegschaft kann flexibel durch externe Zeitarbeitnehmer aufgestockt werden. So werden Leistungsspitzen oder Saisongeschäfte realisiert. Bei Abschwung werden die Mitarbeiter wieder abgezogen; sie können in anderen Unternehmen weiterarbeiten.

Win-win-Situation

Richtig ist, dass immer noch in großer Zahl Geringqualifizierte vermittelt werden. Doch in Mangelberufen entsteht derzeit eine Win-win-Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Denn der Fachkräftemangel sorgt auch deshalb für einen Boom der Leiharbeit, weil sich gut qualifizierte Spezialisten ganz von selbst für die Arbeit auf Zeit entscheiden: Sie finden oft weitaus bessere Arbeits- und Lohnbedingungen vor und haben eine gute Verhandlungsbasis, um flexible Arbeitszeiten und Urlaube durchzusetzen. Manche flüchten geradezu aus dem Festangestelltenverhältnis. Zudem ermöglicht die Zeitarbeit, dass Unternehmen ziemlich elegant den passenden Mitarbeiter finden. Fühlt sich auch der Leiharbeiter dort gut aufgehoben, mündet das Verhältnis nicht selten in einer Festanstellung. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass vor allem in kleinen Unternehmen dieser Übernahmeeffekt deutlich ausgeprägter ist als in Konzernen. Beide – Unternehmen und vor allem gut qualifizierte Arbeitnehmer – profitieren. Zeit also, mit dem Schmuddelimage der Zeitarbeit aufzuräumen.

 

Gut zu wissen

Die Bedingungen für Zeitarbeiter haben sich stetig verbessert

Unternehmen können Auftragsspitzen abfangen und ausgefallene Mitarbeiter ersetzen

Eine befristete Anstellung mündet oft in ein festes Beschäftigungsverhältnis

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Soli muss weg für alle!

 

#Soliweg


Das Soli-Gesetz der GroKo benachteiligt Millionen Steuerzahler, ein klarer Verstoß gegen das Grundgesetz. Der Soli gehört deshalb vollständig und für alle ab dem 1. Januar 2020 abgeschafft.

Dafür kämpft der Mittelstand BVMW – notfalls per Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe.