Zuwanderer: die neuen Gründer

Potenziale der Einwanderung werden aus der öffentlichen Diskussion oft verdrängt. Dabei profitiert die deutsche Wirtschaft längst von Unternehmern mit ausländischen Wurzeln. Migranten gründen nämlich überdurchschnittlich oft eigene Unternehmen.

Unternehmer mit Migrationshintergrund stellen rund 18 Prozent aller Arbeitsplätze in mittelständischen Unternehmen – das sind in Zahlen aktuell 2,2 bis 2,7 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland. Nicht von ungefähr betitelte die Bertelsmann Stiftung bereits 2016 Migrantenunternehmen als „Jobmotor für Deutschland“ und machte damit Schlagzeilen.
Migranten sind überdurchschnittlich gründungsaktiv. Jeder fünfte Neugründer in Deutschland ist Ausländer oder eingebürgert. Migranten investieren in ihre Gründungsprojekte viel Zeit und zeigen ausgeprägte Wachstumsambitionen: Dem KfW Gründungsmonitor zufolge möchten 22 Prozent der migrantischen Gründer wachsen, während der nationale Durchschnitt der wachstumsorientierten Gründungen gerade bei 15 Prozent lag. Angesichts der seit mehr als zehn Jahren sinkenden Gründungszahlen in Deutschland ist der migrantische Gründungsgeist von besonderer Bedeutung. Auch die jüngste Fluchtmigration brachte ein beachtliches unternehmerisches Potenzial: 27 Prozent der Personen, die zwischen 2013 und 2016 nach Deutschland einwanderten, darunter 32 Prozent der Syrer, haben vor der Flucht ein Unternehmen geführt. Sie haben anspruchsvolle Geschäftsideen und treiben neue Technologien voran. Im Jahr 2017 erfolgten 29 Prozent der Gründungen durch Migranten digital und lagen damit leicht über dem nationalen Durchschnittswert von 26 Prozent.

Viele Hürden

Ausländische Gründungsinteressierte müssen zu Beginn zu viele Hürden meistern. Ein Beispiel sind die ersten Behördengänge der Migranten. Da in den Jobcentern in der Regel keine Daten zu Selbstständigkeitserfahrungen der Eingewanderten im Ausland erhoben werden, werden die vorhandenen unternehmerischen Kompetenzen nicht gezählt. Ein weiteres Hindernis sind die strengen berufsständischen Qualifikationsanforderungen. Sie sind mit ihren ausländischen Abschlüssen kaum kompatibel. Von daher sollte es Priorität der Politik sein, die Arbeitsmarktintegration neu zu gestalten. Dazu gehört eine engere Zusammenarbeit von Verwaltung und Wirtschaft genauso wie neue Konzepte für die Förderung der Selbstständigkeit der Eingewanderten.
Ein zentrales Problemfeld der multikulturellen Mittelstandspolitik sind Hürden beim Zugang zu Kapital. Die Gründe dafür sind vielfältig. Oft liegt es am beschränkten Niederlassungsrecht von Migranten aus Drittstaaten. Auch gibt es noch immer das Vorurteil, dass Unternehmen, die von Migranten geführt werden, wirtschaftlich nur in geringem Maße tragfähig sind. Die Überzeugungsarbeit, die migrantische Unternehmer zu leisten haben, ist immens. Sie sollte politisch unterstützt werden.

Nachholbedarf in Sachen Netzwerk

Ein in Deutschland geborener Unternehmer beginnt schon während der Ausbildung, seine beruflichen Netzwerke zu knüpfen. Dem Neueingewanderten hingegen fehlen sowohl das notwendige Netzwerk als auch das Wissen über die Unterstützungsmöglichkeiten von Verbänden, von den Industrie- und Handelskammern oder von den Investitionsbanken.

In der Folge sind migrantische Unternehmer bei Kammern und Verbänden unterrepräsentiert. Gute Vorsätze zur Vernetzung und zum Wissenstransfer werden im Wirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen bereits umgesetzt. Als Gastgeber veranstaltet das Ressort regelmäßige Treffen zwischen Migrantenorganisationen, Unternehmerverbänden und Beratungsinstitutionen. Der Austauschgedanke ersetzt das klassische Integrationskonzept, wonach sich der Einwanderer bloß an die bestehenden Strukturen anzupassen habe.

 

Gut zu wissen
Unternehmerisch engagierte Einwanderer knüpfen transnationale Netzwerke, mobilisieren Ressourcen und schaffen neue Marktsegmente

Sie vermitteln zwischen Deutschland und den Herkunftsländern

So entsteht eine offene Wirtschafts- und Handelskultur, die durch eine gezielte Einwanderungspolitik für Selbstständige zusätzlich gefördert werden kann und soll

 

Stephan Thomae, MdB Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Freien Demokraten
www.fdpbt.de

 

 

 

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