Warum sich digitale Finanzierungsformen für den Mittelstand lohnen

Schnelle Kapitalspritzen, verkürzte Bilanzen und langfristige Kredite über die Crowd – alternative Finanzierungswege werden für den Mittelstand immer attraktiver. Einige der besten Produkte beruhen auf digitalen Geschäftsmodellen.

© iStock

Die Digitalisierung bestimmt als Triebfeder für mittelständische Unternehmen in Deutschland zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit. Bevor neue Lösungen eingesetzt werden können, stehen viele kleine und mittlere Betriebe jedoch vor einer großen Hürde: Digitalisierung kostet Geld – manchmal sogar viel Geld.


Vom klassischen Kredit zum zeitgemäßen Modell


Im Gegensatz zu Großunternehmen sind im Mittelstand hohe Kapitaleinlagen eher selten verfügbar. Seit der letzten Finanzkrise erschweren zudem verschärfte Vorschriften den unkomplizierten Zugang zu Bankkrediten. Der wachsende globale Wettbewerb fordert jedoch schnelle Reaktionen und Flexibilität bei Investitionen. Diese Marktlücke begünstigt alternative Finanzierungsmodelle, die seit einigen Jahren auf dem Vormarsch sind. Auch hier ist die Digitalisierung die treibende Kraft. So sind es in der Regel Onlineplattformen, die etablierten Kreditinstituten Konkurrenz machen.


Die Crowd und der Mittelstand

 

Anstatt an Privatinvestoren und Kreditinstitute wenden sich heute schon viele Mittelständler mit ihrem Anliegen an die Crowd. Der „Schwarm“, also eine Gruppe aus investierenden Einzelpersonen, finanziert neben erfolgsversprechenden Gründungsideen und nützlichen Produkten zunehmend auch Wachstumsprojekte in etablierten Unternehmen. Dafür legen alle, die sich beteiligen wollen, an digitalen Marktplätzen Geld an. Auch kleine Beträge können in der Summe große Projekte stemmen. Mit bisher rund 40 Millionen Euro pro Jahr Schnelle Kapitalspritzen, verkürzte Bilanzen und langfristige Kredite über die Crowd – alternative Wege zur Finanzierung werden für den Mittelstand immer attraktiver. Einige der besten Produkte beruhen auf digitalen Geschäftsmodellen. Digital finanziert – mehr Liquidität für Ihr Unternehmen
wächst das Finanzierungsvolumen kleiner und mittlerer Unternehmen weiter – und beweist das Interesse der Crowd am Mittelstand. Je nachdem, ob es sich um Crowdfunding oder -investing handelt, erhalten die Kapitalgeber für ihre Beiträge verschiedene Gegenleistungen. Wer sich ausreichend am projektgebundenen Funding beteiligt, bekommt beispielsweise das geförderte Produkt ins Haus geliefert. Bei einem kollektiven Investment hingegen werden, ganz klassisch, Unternehmensanteile und somit Gewinnansprüche vergeben. Das Verlustrisiko tragen alle Beteiligten gemeinsam. Wichtig: Mitspracherecht in der unternehmerischen Entscheidungsfindung haben Investoren nicht.

Lenden, leasen oder einfach nur nutzen?


Auch klassische Kredite vergibt der Schwarm mittlerweile. Beim Crowdlending gibt es für Kreditoren keine Anteile am Unternehmen. Auch müssen Schuldner keine dinglichen Sicherheiten aufweisen – einige betriebswirtschaftlich aussagekräftige Dokumente und eine Bürgschaft reichen in der Regel aus. Für das Unternehmen wird eine Risikoprüfung fällig, die über den Zugang zum Crowdlending-Verfahren
und die Höhe des Zinssatzes bestimmt.


Anstatt Geld für die Anschaffung von Software, Geräten oder Maschinen zu leihen, ist es oft sinnvoller, diese testweise oder längerfristig zu mieten. Die meisten Mittelständler sind mit verschiedenen Leasingverfahren, beispielsweise Sale-and-lease-back, wohlvertraut. Eine weniger bekannte Variante ist das „As-a-Service“-Modell.

Mit Hilfe externer digitaler Dienstleistungen können von der Vernetzung über die Wartung bis hin zur Motorisierung innovative Technologien bedarfsweise integriert werden. So bietet Software-as-a-Service eine ideale Lösung für mittelständische Fertigungsbetriebe, die smarte Sensorik nutzen und die dabei entstehenden Daten effizient verwalten müssen. Ein großer Vorteil des Modells: Was sich nicht lohnt, wird wieder abbestellt.


Bessere Bilanzen durch digitales Factoring


Besteht öfter kurzfristiger Bedarf an Liquidität, um beispielsweise Leasingkosten zu bezahlen, bietet Factoring eine effektive Lösung. Durch den Verkauf von Forderungen – also Rechnungen, die an Kunden gestellt werden – können eigene Verbindlichkeiten beglichen werden. So spart man sich nicht nur Mahnungen, sondern erhöht außerdem die bilanzielle Eigenkapitalquote und somit die Chance auf längerfristige Kredite. Während klassische Factoring-Deals aufgrund hoher administrativer Auflagen bisher für mittelständische Unternehmen kaum nutzbar waren, bietet die digitale Variante wesentlich zugänglichere, schnellere und kostengünstigere Finanzprodukte.


Auch der Anleihenmarkt und die Investitionskultur sind durch digitale Transformation dynamischer geworden und haben ein stetig wachsendes Angebot flexibler Produkte hervorgebracht. Als Fintechs bezeichnet man die Technologien und Anbieter für die modernen Finanzdienstleistungen, von denen hier eine kleine Auswahl vorgestellt wurde. Wie aber orientieren sich Unternehmerinnen und Unternehmer auf dem Markt? Wo findet man die richtigen Ansprechpartner? Mittlerweile gibt es zahlreiche Onlineplattformen, die nicht nur genau informieren, sondern einen Vorabcheck anbieten oder sogar den Kontakt zu Investoren herstellen.

Gut zu wissen
Mit der Fintech-Roadshow gibt _Gemeinsam digital von März bis November 2020 einen praxisnahen Überblick zu modernen, mittelstandsrelevanten Finanzprodukten.
Alle Termine finden Sie unter:
www.gemeinsam-digital.de/veranstaltungen

Julian Koller
BVMW Referent Förderprojekte
julian.koller@bvmw.de

 

X
Soli muss weg für alle!

#Soliweg


Das Soli-Gesetz der GroKo benachteiligt Millionen Steuerzahler, ein klarer Verstoß gegen das Grundgesetz. Der Soli gehört deshalb vollständig und für alle abgeschafft.

Dafür kämpfen wir – per Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe.