Nachfolger, nein danke?

KLARTEXT – Kolumnist Guido Augustin äußert sich zu dem komplexen Prozess der Nachfolge.

Seien wir doch mal ehrlich: Nicht jeder, jede und jedes hat einen Nachfolger verdient. Es gibt jede Menge Dienstleistungen, Produkte, Marken, Ideen und Unternehmen, die gerne von der Bildfläche verschwinden dürfen, ohne dass wir ihnen nachweinen. Eigentlich wollte ich keine Vorschläge machen … aber was wäre, wenn Bayern München den Spielbetrieb einstellen würde? Was, wenn die eine oder andere Bundestagspartei verboten würde, oder es diese hässlichen Segway-Roller nicht mehr gäbe?

Segway hat es immerhin schon geschafft, zum unnachgefolgten Geschichtsbucheintrag zu werden und überlässt die Spitze der innerstädtischen Peinlichkeit wieder japanischen Fremdenführern mit hoch gerecktem Regenschirm mit Wimpel. Segway ist auch ein schönes Beispiel für einen fulminanten Start und ein unaufgeregtes Ende. Die Stromroller starteten als Projekt „Ginger“, keiner wusste, was das sein sollte, und selbst ein Steve Jobs entblödete sich seinerzeit nicht, von einer weltrevolutionären Innovation zu sprechen. Man werde Städte darum bauen.

Das mit den Nachfolgern ist ja vielschichtig und durchaus einer genaueren Betrachtung wert. Denn die meisten Menschen sind nicht gut darin, etwas Neues zu erschaffen, aber sehr wohl gut darin, etwas Bestehendes zu optimieren. Insofern ist das Prinzip Nachfolge schon alleine deswegen vielversprechend. Wenn wir über Unternehmen reden – und wir sind ja der Mittelstandsverband – ist so eine Nachfolge womöglich die coolere Unternehmensgründung.

Irgendwie ist ja schon alles da, vor allem Angebot und Nachfrage. Auch die Unternehmenskultur, was kein Vorteil sein muss. Ich glaube, der wichtigste Faktor für eine gelungene Übernahme in die nächste Generation ist die Balance aus Tradition und Innovation. Nur zu oft sind die Übergeber charismatische Übermacher, deren Spuren so eigen wie groß sind. Und nicht immer haben sie Lust, der nächsten Generation ihre Stiefel zu zeigen. Manchmal haben sie auch gar keine Zeit dazu, weil ihre Zeit auf Erden plötzlich und unerwartet abgelaufen war, bevor sie mit anderen zum Schuhmacher gehen konnten.

Die Übernehmer tun also gut daran, der Falle der Vergleichbarkeit zu entgehen und eigene Wege einzuschlagen, um nicht im Detail am Vorgänger messbar zu sein. Denn das ist ein Spiel, das sie nur verlieren können.

So bleibt eine gelungene Nachfolge ein Drahtseilakt: Bewahren, was unerlässlich und unersetzlich, doch schnell und konsequent verändern, was exklusiv an Vorheriges erinnert, gar gemahnt. Der Erfolg ist nicht garantiert – aber einen engagierten Versuch wert.

 

Guido Augustin

Geschäftsführer Cornelia Augustin Home Staging

www.cornelia-augustin.de

 

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