Afrika schützt seine Wirtschaft

Auch in Afrika breitet sich das Virus aus. Der Kontinent baut auf Ausgangssperren, Hilfsprogramme, aber auch auf seine gegenüber Europa vorteilhafte Demografie.

Die Coronavirus-Pandemie bewegt sich langsam in Richtung Süden und breitet sich sukzessive in ganz Afrika aus. Obwohl diese Aussicht bedrohlich wirkt, gibt es dennoch Grund zum Optimismus. So könnte die demografische Beschaffenheit Afrikas ein Vorteil sein: Afrika ist ein sehr junger Kontinent. Das Durchschnittsalter beträgt weniger als 20 Jahre, und die über 65-Jährigen, die mit Blick auf die schweren Krankheitsverläufe die Risikogruppe bilden, machen weniger als drei Prozent der Bevölkerung aus. Die Covid-19-Gesundheitskrise wird die europäische Wirtschaft hart treffen, doch sie verschont auch den Wirtschaftssektor in Afrika nicht. Besonders betroffen sind kleine und mittlere Unternehmen und Selbstständige.

Straßensperren und Hilfsfonds

Um die Coronakrise einzudämmen, ist die Strategie der afrikanischen Regierungen zunächst, die Ausbreitung des Virus zu bekämpfen, um die Menschen und das Gesundheitssystem zu schützen. Die meisten Länder haben sich im Rahmen dieser Strategie für vorläufige Maßnahmen entschieden, um die Bewegung in den Städten einzuschränken: Dazu gehört die Schließung von Flughäfen, Gotteshäusern und Bars sowie eine Ausgangs- und Straßensperre.
Darüber hinaus kündigten mehrere vom Coronavirus betroffene afrikanische Staaten eine Reihe von Maßnahmen zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen an. Zum Beispiel hat der togolesische Präsident Faure Gnassingbé einen nationalen Fonds für Solidarität und wirtschaftliche Erholung mit einem Budget von umgerechnet 610 Millionen Euro eingerichtet. Für KMU werden außerdem die Steuererhebung und die Steueranpassungen ausgesetzt. Auch an der Elfenbeinküste hat die Regierung ein umfangreiches Paket von 2,6 Milliarden Euro zur wirtschaftlichen und sozialen Unterstützung bereitgestellt, um die Zahlung von Steuern und Sozialabgaben für KMU zu erleichtern. Außerdem hat sie einen speziellen Unterstützungsfonds für die wichtigsten landwirtschaftlichen Exportkulturen (Kakao, Cashew-Nüsse, Kautschukbäume) eingerichtet. Die Regierung des Senegals hat ebenfalls einen Notfallfonds zur Unterstützung gefährdeter Unternehmen und als Sonderprogramm zur Refinanzierung von Bankkrediten für KMU aufgelegt.

Auch die Regierung von Marokko geht diesen Weg und hält einen speziellen Fonds für die Bewältigung der Pandemie bereit. Zur Unterstützung der Wirtschaft werden die Kreditzahlungen für KMU und Selbstständige bis zum 30. Juni 2020 ausgesetzt, außerdem wird es eine neue Bankkreditlinie zur Finanzierung der Betriebsausgaben der Unternehmen geben. Die Regierung von Südafrika will Unternehmen, die sich in einer Notlage befinden, durch den Arbeitslosenversicherungsfonds und andere spezielle Programme unterstützen.

Chancen für Afrika

Die Coronakrise, so dramatisch sie auch sein mag, bietet Afrika dennoch Chancen, um der Globalisierung auf gerechtere und ökologisch nachhaltigere Weise entgegenzutreten. Afrika kann die Vorteile der Afrikanischen Freihandelszone (AfCFTA), die im Juli 2020 in Kraft treten soll, in vollem Umfang nutzen. Über die AfCFTA wird den afrikanischen Ländern, die Grundnahrungsmittel exportieren, beim Verkauf auf dem kontinentalen Markt Vorrang eingeräumt.

Gut zu wissen

 

 

Mor Diop
BVMW Referent Außenwirtschaft

mor.diop@bvmw.de