Corona hält die Welt im Griff

Die Bekämpfung der Corona-Pandemie hat aktuell in den meisten Volkswirtschaften höchste Priorität: Regierungen haben umfangreiche gesundheitliche Maßnahmen erlassen, die das öffentliche und wirtschaftliche Leben stark beeinträchtigen.

Mittelständische Unternehmen in Deutschland sind unmittelbar von der Unterbrechung von Liefer- und Produktionsketten wie auch dem Auftragseinbruch betroffen.

Der BVMW verfügt über ein weltweites Netzwerk eigener Auslandsbüros mit über 30 Repräsentanten und weiteren Partnerschaften in zentralen Wachstumsmärkten für den Mittelstand. Einige unserer Auslandsrepräsentanten und Partner äußern sich zur aktuellen Lage und den Chancen für deutsche Mittelständler im Zielland:

Rainer Burkardt,
BVMW Partner China ADWA-Law Shanghai:

Die Infektions- und Sterberate konnte in China im Verhältnis zur Bevölkerung durch strikte Schutzmaßnahmen von Anfang an auf niedrigem Niveau gehalten werden. Zurzeit liegt der Fokus auf dem Wiederhochfahren der Wirtschaft unter starken Reisebeschränkungen, um eine zweite Infektionswelle zu verhindern. Auch deutsche Unternehmen vor Ort können von den Unterstützungsmaßnahmen der Regierung profitieren. Seit Anfang April 2020 produzieren zwei Drittel der Fabriken auf Vor-Covid-19-Niveau. Allerdings fehlt aufgrund des Shutdowns in Europa und der USA die Exportnachfrage. Auch wenn sich China 2020 wegen der schwächeren globalen Nachfrage auf den Binnenkonsum konzentrieren wird, gibt es gute Investitionsmöglichkeiten für ausländische Investoren.

Fanny Czajkowski,
Projektmanagerin Le Mittelstand BVMW (Frankreich):

Infolge der Maßnahmen der Ausgangssperre in Frankreich scheint sich die Ausbreitung des Covid-19 Virus zu verlangsamen. In einer Rede Anfang April gab der Minister für Wirtschaft und Finanzen, Bruno Le Maire, einen aktuellen Überblick über die Wirtschaftslage in Frankreich. Hauptziel ist es, die Lieferketten aufrechtzuerhalten. Die großen Handelsketten werden mit französischen Produkten beliefert, weshalb man mit einer starken Preiserhöhung konfrontiert ist. Eine steuerfreie Prämie in Höhe von 1.000 Euro wurde für Personen geschaffen, die ihre Tätigkeit nicht eingestellt haben. Zusätzlich wird auch eine Erfolgsprämie von 2.000 Euro ausgezahlt. Darüber hinaus wurden Direkthilfen von 1.500 Euro für Kleinunternehmen mit einem Umsatz von weniger als einer Million Euro angekündigt.

Daniel Raja und Manoj Barve,
BVMW Auslandsbüro Indien:

Die Schwerpunkte der indischen Regierung liegen darauf, die Pandemie einzudämmen, sich mit der Behandlung der Infizierten zu befassen, sich auf einen möglichen starken Anstieg in der Zukunft vorzubereiten und schutzbedürftige Menschen zu ernähren. Die aktuelle Krise steigert den Bedarf an bestimmten Qualitätswaren aus dem Ausland, wovon deutsche Firmen, vor allem in den Industriebereichen Medizintechnik, Logistik, Pharmaindustrie, Informations- und Kommunikationstechnik und Lebensmitteltechnologie, profitieren können. Im Gegenzug bieten Indiens enorme IT-Ressourcen neue Potenziale für den deutschen Mittelstand, um die eigenen Geschäfts- und Produktionsprozesse zu digitalisieren und automatisieren.

Fabrizio Bianchi Schierholz,
BVMW Auslandsbüro Italien:

Der drastische Lockdown hat die italienische Wirtschaft sehr getroffen, die Armut wird in vielen Regionen spürbar, aber die Infizierungs-kurve ist stark gesunken. Seit dem 20. April herrschen neue Maßnahmen zur progressiven Auflockerung: Besonders Industrieunternehmen haben die Produktionen wieder hochgefahren, Facharbeiter gehen größtenteils wieder zur Arbeit (Rechtsanwälte, Steuerberater blieben immer aktiv). Süditalien wurde vom Virus sehr wenig betroffen. Die Situation in der Lombardei, also Mailand, Bergamo und Brescia, ist allerdings noch längst nicht zufriedenstellend. Hier bleibt es bei gravierenden Einschränkungen der persönlichen Freiheiten. Schulen bleiben weiterhin im ganzen Land geschlossen.

Michael Müller,
BVMW Auslandsbüro Japan:

Der Maßnahmenplan der japanischen Regierung mit einem Volumen von 108,2 Billionen Yen, was etwa 915 Milliarden Euro und 20 Prozent des japanischen BIP entspricht, ist in zwei Handlungsphasen gegliedert. Die aktuelle Emergency Support Phase beinhaltet Maßnahmen zur Eindämmung und Bekämpfung des Coronavirus sowie zum Schutz der Beschäftigung und Aufrechterhaltung der Geschäftstätigkeit. Die zweite V-Shaped Recovery Phase betrifft Maßnahmen zur Erholung der Wirtschaft. Ungeachtet erheblich gestörter Zulieferketten läuft die Produktion weiter. Ähnlich wie in Deutschland sind Hauptleidtragende Einzelhandel, Tourismus und Gastronomie. Ein Problem für deutsche Unternehmen sind das temporäre Einreiseverbot für Deutsche und die Aufhebung der Visa-Freiheit.

Michael Schönberg,
BVMW Auslandsbüro Schweiz:

Die Schweizer Wirtschaft ist durch die Krise schwer getroffen. Vorrangig leiden Unternehmen unter den Lieferverzögerungen. Eine erste Konjunkturprognose ging noch von einem Rückgang des BIP um 1,5 Prozent für das Jahr 2020 aus. Die Prognose wurde am 8. April mit neuen Negativszenarien aktualisiert, sodass nun mit einem BIPRückgang von sieben Prozent gerechnet wird. Besonders betroffen sind der Tourismus und das Gastgewerbe. Was die Infektionen angeht, ist die Schweiz das Land in Europa mit der höchsten Rate in Relation zur Einwohnerzahl, allerdings auch wegen der vielen CoronaTests, die hier ausgeführt werden. Ende April traten Erleichterungen in Kraft, die auch den Grenzübertritt von und nach Deutschland betreffen.

Benny Soerensen,
BVMW Auslandsbüro Skandinavien:

Die skandinavischen Länder verfolgen unterschiedliche Strategien in der aktuellen Situation. Dänemark und Norwegen haben strenge Maßnahmen ergriffen und die Länder abgeriegelt, während Schweden eine lockere Eindämmungspolitik betreibt. Die Politik beschäftigt sich aktuell mit der Frage, wie das jeweilige Land wieder aktiviert werden kann, in welcher Schnelligkeit und Reihenfolge Aktivitäten wieder aufgenommen werden. Unternehmen werden in allen Ländern sehr effizient und ohne Bürokratie finanziell ohne Rückzahlungsanspruch unterstützt. Das Lock-up hat bereits angefangen. Es können im digitalen Norden Europas weiterhin Geschäfte getätigt werden.


Dr. Marion Bartels,
BVMW Auslandsbüro USA:

Die USA stellen sich auf eine Rezession ein und reagierten auf die Coronakrise mit umfassenden Hilfspaketen, Ausgangssperren und der Schließung nicht systemrelevanter Wirtschaftsbranchen auf Behördenanordnung. Die Unterbrechung der internationalen Lieferketten bereitet den Unternehmen große Probleme. Branchen wie der Handel, das verarbeitende Gewerbe und der Dienstleistungssektor mit direktem Kundenkontakten sind extrem betroffen. Die Abhängigkeit von Billiglohnländern, insbesondere China, ist zum Verhängnis geworden. Dem wird vermutlich im Wiederaufbau Rechnung getragen. Das würde bedeuten, generell weniger Importe, jedoch Anreize für zukunftsweisende und relevante Industrien, in den USA Niederlassungen zu gründen.

Gut zu wissen

 

 

Elif Mandal
BVMW Projektmanagerin Außenwirtschaft

elif.mandal@bvmw.de