So entkommen Sie der Erbschaftsteuer

Wenn ein Unternehmen vererbt wird, fällt unter Umständen bei der Unternehmensnachfolge eine hohe Erbschaftsteuer auf das Betriebsvermögen an. Die Frage stellt sich:Wie gestaltet sich die Nachfolge, und wem vererbe ich mein Unternehmen?

Bei der Übergabe eines Unternehmens ist es wichtig, zu differenzieren zwischen Privatvermögen und Betriebsvermögen. Denn für Betriebsvermögen gelten Sonderregeln. So kann die Erbschaftsteuer entfallen, wenn der Betrieb fortgeführt wird und die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht die recht weit gefassten Bedingungen für die Verschonung von Erbschaftsteuer überprüft und in seinem Urteil vom 17. Dezember 2014 in Teilen für verfassungswidrig erklärt. Das neue Recht, das rückwirkend zum 1. Juli 2016 in Kraft getreten ist, sieht weitreichende Änderungen vor, die eine sehr intensive Befassung und ggf. Spezialberatung und vor allem eine sehr langfristige Planung erforderlich machen.

Hier die wichtigsten Eckwerte des neuen Erbschaft- und Schenkungsteuerrechts:

 

  • Die erste Option zur steuerbegünstigten Unternehmensnachfolge ist die Regelverschonung. Hier muss der neue Firmenchef das Unternehmen über wenigstens fünf Jahre weiterführen – und die Mindestlohnsumme (gemessen anhand der Ausgangslohnsumme) muss 400 Prozent erreichen. Zusätzlich darf der Verwaltungsvermögensanteil die 50 Prozent nicht überschreiten.
    Tipp: Die verbleibenden 15 Prozent werden nur dann der Steuer unterworfen, wenn diese den Abzugsbetrag von 150.000 Euro übersteigen.
  • Erfüllt die Unternehmensnachfolge diese Bedingungen, bleiben vor der Erbschaftsteuer 85 Prozent des betrieblichen Vermögens verschont. Eine Verschonung von 85 Prozent (Regelverschonung) oder 100 Prozent (Optionsverschonung) kann lediglich dem Erben / Beschenkten von Betriebsvermögen zuteilwerden, dessen Erwerb von begünstigtem Vermögen unter 26 Millionen Euro liegt.
  • Darüber hinaus kann der Erwerber entweder einen Antrag auf einen Verschonungsabschlag oder auf Durchführung einer Verschonungsbedarfsprüfung stellen. Ersterer verringert den Prozentsatz der Verschonung oberhalb der Grenze von 26 Millionen Euro schrittweise. Ab einem Wert von 89,75 Millionen Euro (Regelverschonung) beziehungsweise rund 90 Millionen Euro (Optionsverschonung) begünstigten Vermögens wird kein Verschonungsabschlag mehr gewährt. Letztere erlässt nur dann die Steuerschuld, wenn der Erwerber nicht in der Lage ist, die Steuer aus seinem verfügbaren Vermögen zu tilgen.
  • ​​​​​​​Die Gewährung der Optionsverschonung (unterhalb der 26-Millionen-Euro-Grenze beziehungsweise im Rahmen des Verschonungsabschlags) ist daran geknüpft, dass das begünstigungsfähige Vermögen nicht zu mehr als 20 Prozent aus Verwaltungsvermögen bestehen darf.
  • Darüber hinaus werden Betriebe mit bis zu fünf Beschäftigten von der Lohnsummenregelung ausgenommen und Gleitzonen bis zu 15 Mitarbeitern eingeführt.

 

In welchem Umfang müssen Arbeitsplätze erhalten werden? – Die Lohnsummenregelung

 

  • Klein- und Kleinstbetriebe werden von der Lohnsummenregelung ausgenommen, wenn sie nicht mehr als fünf Beschäftigte haben.
  • Bei Unternehmen mit sechs bis zehn Arbeitnehmern wird die Mindestlohnsumme bei einer Lohnsummenfrist von fünf Jahren im Rahmen der Regelverschonung auf 250 Prozent beziehungsweise bei einer Lohnsummenfrist von sieben Jahren im Falle der Optionsverschonung auf 500 Prozent abgesenkt.
  • Bei Betrieben mit elf bis 15 Beschäftigten wird die Mindestlohnsumme bei einer Lohnsummenfrist von fünf Jahren im Rahmen der Regelverschonung auf 300 Prozent beziehungsweise bei einer Lohnsummenfrist von sieben Jahren im Falle der Optionsverschonung auf 565 Prozent abgesenkt.

 

Wie lange muss der Betrieb fortgeführt werden? – Die Behaltensfrist

 

  • Einen Verstoß stellen die Veräußerung eines Gewerbebetriebes, die Aufgabe eines Gewerbebetriebes, die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, eine Veräußerung der wesentlichen Betriebsgrundlagen eines Gewerbebetriebes, aber auch Entnahmen des Erwerbers, die die Summe seiner Einlagen seit dem Erwerb um mehr als 150.000 Euro übersteigen, dar.
  • Die Behaltensfristen betragen – wie nach bisherigem Recht – für die Regelverschonung 5 und für die Vollverschonung 10 Jahre.

 

Wie bewerte ich meinen Betrieb richtig? – Das „Vereinfachte Ertragswertverfahren“

 

  • Für Familienunternehmen wird primär das Vereinfachte Ertragswertverfahren für die Bewertung von nicht börsennotierten Anteilen von Kapitalgesellschaften und Betriebsvermögen herangezogen.
  • Zur Ermittlung ist der durchschnittliche Jahresertrag der letzten drei vor dem Bewertungsstichtag abgelaufenen Wirtschaftsjahre mit dem Kapitalisierungsfaktor zu multiplizieren. Nach dem neuen Recht ist der Kapitalisierungsfaktor festgeschrieben und beträgt 13,75 Euro.

 

Kann ich die Erbschaftsteuer auch noch nachträglich mindern? – Die Investitionsklausel

 

  • Das Gesetz sieht eine Investitionsklausel für das nicht begünstigte Vermögen bei Erwerben von Todes wegen vor. Näheres regelt ein Erlass.
    Tipp: Bei einem Erwerb im Todesfall (nicht im Schenkungsfall) erhält der Erwerber die Möglichkeit, auf Antrag die auf das zu begünstigende Vermögen entfallende Steuer bis zu sieben Jahre zu stunden.

Gut zu wissen

Bei weitergehenden Fragen steht Ihnen Matthias Lefarth Leiter Studien, Wissenschaft, Programme des BVMW gerne zur Verfügung.

Matthias Lefarth BVMW
Leiter Studien, Wissenschaft und Programme

matthias.lefarth@bvmw.de