Best practice: Wie sieht eine gute Nachfolge aus?

Beim Thema Unternehmensnachfolge gibt es ein paar grundsätzliche Dinge, die man beachten sollte, wie z.B. die frühzeitige Beschäftigung mit dem Thema. Wir haben Mitglieder nach ihren persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Nachfolge gefragt.

Dagmar Heinzmann
Inhaberin Bernd Frisuren, Göppingen (Baden-Württemberg)

Nachfolge bei Bernd Frisuren Studio Vogue

Im Jahr 1978 eröffnete Bernd Heinzmann ein außergewöhnliches Friseurgeschäft, zu Beginn mit 15 Mitarbeitern. Ich trat 1989 in das Unternehmen ein und hatte zuvor extern eine Ausbildung zur Friseurin absolviert. Nach Bestehen meiner Meisterprüfung heiratete ich den Inhaber des Unternehmens. Im Laufe der Jahre expandierte das Unternehmen an verschiedenen Standorten im Umkreis von 20 km auf 15 Filialen. Ab 2015 kämpften wir im Zuge des immer stärker spürbaren Fachkräftemangels mit Personalproblemen, was dazu führte, dass wir unser Unternehmen auf zehn Filialen verkleinerten. Die Handwerksordnung sieht vor, dass jede Filiale mit einem Friseurmeister besetzt sein muss. Diese Verordnung stellt bis heute einen starken Wachstumshemmer für uns dar.
Nach über 40 Jahren Selbstständigkeit übergab mir mein Mann im Alter von 71 Jahren das Unternehmen zum Jahresbeginn 2020. Ohne Hilfe des BVMW, der in unserer Region von Lothar Lehner repräsentiert wird, und steuerlicher sowie rechtsberatender Unterstützung wäre dieser Prozess so nicht möglich gewesen. Bürokratische Hindernisse und in geltendes Recht umgeseTzte widerstreitende politische Vorgaben stellten hohe Hürden mit vielen Hindernissen dar. Doch wir haben es geschafft, und das Unternehmen steht heute für sichere und attraktive Ausbildungsplätze, die sich mittlerweile wieder einer starken Nachfrage erfreuen.
​​​​​​​www.bernd-frisuren.de

Michael und Elisabeth Renner
Senior-Geschäftsführung Michael Renner Bauunternehmung GmbH, München

Man kann nicht früh genug anfangen

Bereits 2005 wurden die ersten Schritte für unsere Nachfolge geplant. Erfreulich war, dass sich unsere Tochter 2007 entschloss, Betriebswirtschaft zu studieren. Damit war zumindest die Zukunft der kaufmännischen Geschäftsführung in unserem Betrieb gesichert. Die Suche nach einem technischen Geschäftsführer ging jedoch weiter – ein schwieriger Weg, wie sich bald herausstellen sollte.
Diverse Berater standen uns zur Seite, um Firmenbewertungen und Eignungsprüfungen durchzuführen. Wir investierten in dieser Zeit viel Geld und Nerven. Zwei mögliche Kandidaten erwiesen sich als ungeeignet. So vergingen weitere sieben Jahre, und wir kamen langsam in Zeitnot. Durch die Hochphase in der Baubranche waren kaum mehr geeignete Mitarbeiter zu finden, auch die Suche mit Headhuntern führte nicht zum Erfolg. Unser ersehnter Ruhestand, bei gleichzeitiger Zukunftssicherheit für die Mitarbeiter, rückte in weite Ferne. Im Sommer 2016 fanden wir endlich einen Bewerber, der zu unserer Firmenphilosophie passte und bereits Erfahrung aus der Leitung des eigenen Unternehmens mitbrachte. 2019 wurde Rainer Lehmann als technischer Geschäftsführer bestellt und bildet nun zusammen mit unserer Tochter Ulrike das neue Führungsteam. Die Übergabe konnte im März 2019 vollzogen werden. Inzwischen sind wir überzeugt, dass unsere Firmenphilosophie erhalten bleibt, und mit dem nötigen Vertrauen in die junge Generation der Weg in die Zukunft gelingt.
​​​​​​​www.renner-bau.de

Ulrich Schröer
Geschäftsführer Tischlerei Ulrich Schröer GmbH & Co. KG, Ahlen (Nordrhein-Westfalen)

Handwerk im Wandel

Das traditionelle Handwerk tut sich schwer mit dem digitalen Wandel. Vielfach fehlt es an Zeit, am Geld oder an den frischen Impulsen der jungen Generation. Als Firmenchef der Tischlerei Ulrich Schröer verfolge ich gemeinsam mit meinen beiden Söhnen Fabian und Hendrik die Integration eines Geschäftsmodells in digitale Einkaufs-, Produktions- und Absatzformen. Uns ist es gelungen, die Unternehmensnachfolge mit dem Umbau in eine digitale Großtischlerei zu synchronisieren. Ich habe den Betrieb im Jahr 1990 gegründet und in den drei folgenden Dekaden auf Expansion im Innenausbau gesetzt. Im Bereich der Lasertechnik und als Zulieferbetrieb haben wir gleichermaßen expandiert. Meine Söhne bringen seit einigen Jahren als designierte Nachfolger wichtige Impulse in den Betrieb, um das Traditionsbewährte mit dem Neuen zu verbinden.
Als Handwerksbetriebe sind wir Traditionalisten und begreifen uns auch heute noch mehrheitlich als generationenübergreifende Familienbetriebe. Ich arbeite mit meinen Söhnen bis zur Betriebsübergabe auf Augenhöhe, so geht kein Wissen verloren. Die Junioren sind fit, wenn es um die Vernetzung der Arbeitsschritte und Maschinen geht. Auf diese Weise trimmen wir unseren Betrieb mit Hilfe der neuen Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung an die Hand gibt, auf Effizienz. So stärken wir unsere Wettbewerbsposition, die meine Söhne verantworten werden.
www.tischlerei-ulrich-schroeer.de

Eberhard Perschk
Geschäftsführender Gesellschafter EMIS Electrics GmbH, Lübbenau (Brandenburg)

Geheimrezept: „Sich als Senior überflüssig machen“

Wir sind ein familiengeführter, in Südbrandenburg ansässiger Unternehmensverbund mit mittlerweile zehn Standorten und knapp 500 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Wir bieten ganzheitliche Lösungen in den Bereichen der Energieversorgung, Elektrotechnik und Automatisierung. Ich habe EMIS 1990 gegründet. Für mich war schon immer das Betreiben und Weitergeben eines Familienunternehmens ein sehr erstrebenswertes Ziel. Mein Sohn Christopher hat 2015 die Geschäftsführung übernommen. Ich habe ihn nie in die Rolle des Nachfolgers gedrängt. Es war von Anfang an seine freie Entscheidung. Erst nach dem Abitur stellte Christopher für sich selbst die Weichen, indem er Wirtschaftsingenieurwesen mit der Vertiefung Elektrotechnik studierte. Nach seinem Studium haben wir einen Zehn-JahresEinarbeitungsplan geschmiedet, der einen reibungslosen Übergang ermöglichte. Er beinhaltete das Durchlaufen aller operativen Bereiche bis hin zur Übernahme kompletter Projekte und Teilbereiche der Geschäftsleitung. Wir empfehlen folgende Punkte bei einer familiären Nachfolge: Prüfung der persönlichen Voraussetzungen (eigenes Wollen, körperliche Verfassung, Charakter und fachliche Ausbildung), Durchlaufen des Unternehmens durch alle operativen Bereiche, Anpassung der strukturellen Bedingungen des Unternehmens an den Generationswechsel, frühzeitige Lockerung der Zügel durch den Senior, Vertrauen schenken (Entscheidungen des Juniors nicht durch den Senior torpedieren) und Einrichten eines Beirates als Beratungs-, nicht jedoch als Entscheidungsgremium. Und ja, sich als Senior überflüssig machen, kann auch nicht ganz verkehrt sein.
​​​​​​​www.emis-gruppe.de​​​​​​​

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