KLARTEXT: Von Badehosen, Brenngläsern und Bemühten

Kolumnist Guido Augustin äußert sich über aktuelle Tendenzen im Bereich der Mobilität.

Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, liegt es an der Badehose! Bitte verzeihen Sie dieses schaurig schöne Intro, das keineswegs eine für unsere Zivilisation so wichtige Gruppe generalisierend verunglimpfen soll. Ich mildere das gerne ab: Wenn die Anbauenden nicht schwimmen können, liegt es an dem Badende-Bekleidenden. Wenn wir uns bewegen wollen und doch nicht so recht vorankommen, tauschen wir halt das Vehikel aus und freuen uns an den Mobilitätssprüngen.


Statt mit dem Stinkediesel fahren wir mit dem E-Roller in die City, auf Kurzstrecken brechen wir uns nicht mehr das Schlüsselbein mit dem Segway, sondern ohne Helm auf einem hippen Flitzeroller. Statt des großvolumigen Zuffenhauseners steht nun der Tesla 200 Tage im Jahr ungenutzt in der Garage. Integrierte Systeme, die wir intelligent nennen, erleichtern die Abrechnung, wenn wir mit sieben verschiedenen Verkehrsmitteln unseren Weg zur Erbtante zurücklegen.


Und so füllen wir neuen Wein, Pardon, neuen Sprit in alte Tanks und freuen uns des Fortschritts – und sind doch total sinkbare Bauern in neuer Badehose. Wir könnten noch ein Seepferdchenabzeichen darauf nähen, hilft bestimmt. In der Mobilität, wie in vielen anderen Bereichen auch, steckt so viel Potenzial – und mindestens so viel Bemühen, dieses ja nicht zutage treten zu lassen. Könnte zu Veränderungen führen. Bringt Unsicherheit. Risiko. Lassen wir es lieber.


Zeiten der Beschleunigung legen schonungslos offen, wo etwas im Argen liegt. Schon lange beschleunigt sich unsere Welt permanent, das Mooresche Gesetz von der regelmäßig verdoppelten Rechenleistung hat längst alle Aspekte unserer Leistungsgesellschaft erfasst. Und dann diese Pandemie, die noch einmal das Brennglas draufhält. Nun sehen wir klar, wenn wir es denn sehen wollen, wer sich biegen kann wie ein Grashalm, um auf unerwarteten Druck zu
reagieren, und wer erstarrt – und unter Druck zerbricht.


Die Flexiblen dominieren langfristig das System, die Starren, Erstarrenden und Erstarrten fliegen früher oder später aus der Kurve. Und so ist unsere Mobilität ein weiterer wundervoller Gradmesser, der Schwimmer von Nichtschwimmern teilt, der zeigt, wer tatsächlich aus seiner Box herauspaddeln kann, um neu zu denken. Möge die Übung gelingen!

 

Guido Augustin
Geschäftsführer Cornelia Augustin Home Staging
www.cornelia-augustin.de

 

 

Foto: iStock/hanohiki