Filmtipp: Stromberg – Der Film

Über acht Jahre hinweg hat die TV- Serie “Stromberg“ die Psychoanalyse eines Abteilungsleiters zu einem Medienereignis hochgejazzt. Der Kinofilm von 2014 verdichtet das Bürodrama auf unterhaltsame zwei Stunden.

stromberg
Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) und sein Kollege Berthold „Ernie“ Heisterkamp (Bjarne Mädel) organisieren den Betriebsausflug nach Botzenburg. Foto: © Brainpool / Willi Weber

Ganz Deutschland lachte fünf Staffeln lang über Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst), Abteilungsleiter Schadensregulierung bei der Capitol-Versicherung. Stromberg, ein präpotenter Witz mit Glatze und Klobrillenbart, wurde zum Inbegriff autoritärer Inkompetenz inmitten einer modernen Großraumbüro-Dystopie mit welken Topfpflanzen, asthmatischen Kaffeemaschinen und verklemmten Kopierern. Serienautor Ralf Husmann schuf damals eine bundesdeutsche Verwaltungsvorhölle, eine Art Limbus der auf ewig Büroverdammten und -verdummten.

Die Hölle, das ist die Betriebsfeier

Wenn der Büroalltag die Vorhölle ist, ist der Betriebsausflug die wirkliche Hölle. Oder, wie Stromberg in einem seiner unsterblichen Aphorismen sagt: „Firmenfeiern sind wie das letzte Abendmahl. Immer zu wenig Weiber, das Essen ist schlecht und am Ende gibt‘s Ärger.“ Im Kinofilm also erfährt Stromberg, dass die Konzernspitze seine Abteilung abwickeln will. Also reist das Vorhöllenensemble geschlossen nach Botzenburg, wo Stromberg beim Management intervenieren will. Doch der Verdammnis entkommt man nicht; am neuen Ort – ein gesichtsloses Hotel in mitteldeutscher Einöde – tritt man nur ein in eine neue, noch größere Hölle. Dort tummeln sich mittleres und oberes Management, Speichellecker und Chefs, desillusionierte Alleinunterhalter an der Elektroorgel („Ich war mal Vorgruppe von Bernhard Brink“) und mittendrin Bernd Stromberg, der seine Haut retten will.

Bernd, der Rassist

Das kann nicht gutgehen, tut es auch nicht, obwohl Stromberg mit den Sprüchen aus seinem Almanach der Geschmacklosigkeiten erstmal bei seinen Vorgesetzten heiter punktet („Türken sind ein Risiko, für einen Türken kann ich drei Vietnamesen versichern“). Das bringt ihm sogar die Einladung zur Party der Geschäftsleitung ein, die sich als fröhlich-freizügiges Miteinander im Botzenburger Edelbordell entpuppt. Hier zeigt Stromberg zum ersten Mal moralische Größe, er verweigert sich dieser feudalen Konzernverlustierung. Damit ist allerdings das Aus der Abteilung besiegelt. Stromberg wiegelt seine dysfunktionale Bürofamilie gegen den Konzern auf, die Medien werden aufmerksam, und er wird zu einer Art antikapitalistischem Volkshelden.

Eine politische Volte

Dass daraufhin der totale Zivilversager, der notorisch Minderbegabte den Ruf in die SPD Parteizentrale erhält, ist zwingend logisch. Als hätte Autor Husmann 2014 den Bedeutungsverlust der ehemals stolzen Volkspartei vorhergesehen, senkt er mit dem neuen Genossen Stromberg die Qualitätsmesslatte innerhalb der SPD nochmal dramatisch. Am Ende schüttelt Frank Walter Steinmeier in einem Cameo-Auftritt Stromberg die Hand. Heute, 2021, ist das ein politisch brisantes Bild. Vielleicht hat Autor Husmann deshalb keine Fortsetzung geschrieben: Er wollte der SPD das nicht auch noch antun. Es wäre einfach zu realistisch.

STROMBERG – DER FILM
Komödie (D 2014)
FSK 12
Regie: Arne Feldhusen
Buch: Ralf Husmann
Mit Christoph Maria Herbst, Bjarne
Mädel, Milena Dreißig u. a.
Erhältlich auf DVD, Blu-Ray und VoD

 

Bernd Ratmeyer
Journalist
mittelstand@bvmw.de