Fühlen Sie sich in Ihrer Bürofläche noch zu Hause?

Die Bedingungen für den Berliner Markt für Büroflächen sind derzeit alles andere als optimal: Hunderttausende Berliner sind aktuell in Kurzarbeit, die Arbeitslosenquote liegt mit 10,5 % fast ein Drittel über dem Vorjahr, und viele arbeiten im Homeoff...

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Kein Wunder, dass der Büroflächenmarkt der Hauptstadt in den letzten Monaten zunehmend geschwächelt hat. Was aber bedeuten diese Entwicklungen für die Zukunft? Wie werden sich unsere Arbeitswelten auch nachhaltig verändern und wie geht es nach Corona weiter?

 

Der Berliner Büroflächenmarkt weist für das vergangene Jahr einen Gesamtumsatz von etwa 750.000 m² aus. Damit liegt der Umsatz lediglich bei 75 % des Vorjahres. Waren bislang in der Hauptstadt kaum freie Büroflächen zu finden, ist die Leerstandsquote im zweiten Quartal auf einen Wert von 2,4 % gestiegen. Bei den Spitzenmieten gab es wenig Bewegung – bis zu 37 Euro pro m² zahlt man bei Top-Lage und -Ausstattung, die Durchschnittsmieten liegen bei 27,56 Euro pro m².

Dass es keinen stärkeren Nachfragerückgang bei Büroflächen gab, lag vor allem an Mietern aus dem öffentlichen Sektor, die einen unveränderten Flächenbedarf aufwiesen. Zusätzlichen waren es vor allem kleinteilige Vermietungen bis zu 800 m2, die den Flächen-Take-up gewährleisten konnten.

Große Konzern hingegen haben sich bei der Suche neuer Flächen eine Auszeit genommen. Hier werden Entscheidungen darüber, wie sie ihre Büros künftig organisieren möchten, häufig vertagt.

Was bislang ausblieb, ist eine Art Büroflucht. Die Erfahrungen des vergangenen Jahres zeigen: Der Flächenbedarf insgesamt hat sich kaum verändert. Zwar hat das Homeoffice für viele Mitarbeiter zahlreiche Vorteile, ist aber für die Teamkommunikation nicht ideal. Hier benötigt es Begegnungsstätten.

Neue Chancen

Trotzdem eröffnet die Krise dem Markt Chancen, neue Arbeitswelten zu schaffen. So zum Beispiel Hybridlösungen, bei denen Mitarbeiter abwechselnd im Büro und im Homeoffice sind. Die Büroflächen werden großzügiger gestaltet und das Platzangebot pro Mitarbeiter steigt; der Arbeitsplatz wird attraktiv gestaltet.

Als essenziell bei der Büroanmietung wird sich die Pandemiekonformität erweisen: Mieter werden zum Beispiel Belüftungskonzepte bereits bei Mietvertragsabschluss mitdenken, Touchscreens vermeiden wollen und vermehrt auf Smart-Lock-Technologien setzen.

Insgesamt ist mit einer Erholung des Bürovermietungsmarktes zu rechnen. Denn die grundsätzliche Attraktivität Berlins ist unverändert.

Der Büromarkt profitiert weiterhin von der großen Diversität der Nutzer, und die Mieter der öffentlichen Hand garantieren Stabilität. Zudem ist Berlin nach wie vor die Start-up-Metropole Deutschlands – ein Garant für Innovationskraft und Wachstumsdynamik.

Projekte wie die Quartiersentwicklung Siemensstadt 2.0, die Tesla Gigafactory oder TXL The Urban Tech Republic in Tegel setzen zusätzliche Impulse. Und auch vom BREXIT könnte die deutsche Hauptstadt profitieren, wenn britische Unternehmen einen europäischen Standort suchen.

Redaktion: Aissatou Frisch-Baldé, Leitung Büroflächenvermietung, Engel & Völkers Commercial Berlin

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