Trotz Krise den Blick nach vorne richten

Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt. Mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ will die Bundesregierung für mehr Anreize und bessere Fördermög- lichkeiten bei der Ausbildung sorgen. Geplant ist außerdem ein „Som...

Die Corona-Pandemie fesselt unsere Aufmerksamkeit an das Hier und Jetzt. Die Bewältigung der Pandemie und ihrer wirtschaftlichen und sozialen Folgen steht bundesweit unverändert im Mittelpunkt. Das ist richtig und unvermeidbar.
Die Bundesregierung hat auf die Krise frühzeitig reagiert und umfassende Hilfen verabschiedet. Dazu gehört auch das Kurzarbeitergeld, mit dem wir viele Arbeitsplätze gerettet haben. Zudem stellen wir damit sicher, dass Unternehmen nach der Pandemie auf ihre bewährten Fachkräfte zurückgreifen können. Denn wir müssen in der Krise auch an die Herausforderungen von morgen denken und den Blick nach vorne richten. Der Strukturwandel unserer Wirtschaft macht keine Corona-Pause. Insbesondere bei der Digitalisierung hat die Pandemie gar zu einem kräftigen Schub geführt. Gut ausgebildete Fachkräfte werden wichtiger denn je. Sie sind der Rohstoff unserer Zukunft.

Ausbildung als tragende Säule der Fachkräftesicherung

Neben der Weiterbildung und der qualifizierten Zuwanderung kommt es vor allem auf eine gute Erstausbildung an. Dabei ist die betriebliche Ausbildung die tragende Säule der Fachkräftesicherung. Vor diesem Hintergrund macht mir die Entwicklung am Ausbildungsmarkt große Sorgen. Für das kommende Ausbildungsjahr werden der Bundesagentur für Arbeit (BA) bislang deutlich weniger Ausbildungsstellen gemeldet als im Vorjahr – derzeit minus 7,1 Prozent. Viele Unternehmen stehen in der Krise wirtschaftlich stark unter Druck und halten sich bei der Ausbildung zurück.
Auch die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber, die bei der BA registriert sind, geht deutlich zurück (aktuell minus 12,5 Prozent). Teilweise auch deshalb, weil pandemiebedingt weniger Berufsorientierung stattfinden kann.
Dieser Entwicklung müssen Unternehmen, Sozialpartner und Politik entschieden entgegenwirken. Sie gefährdet die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft und die Perspektiven junger Menschen in unserem Land.

Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“

Wir kämpfen weiterhin um jeden Ausbildungsplatz! Dazu hat die Bundesregierung den Schutzschirm für Auszubildende erweitert, den wir mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ gespannt haben. Wir nehmen dabei jetzt auch das Ausbildungsjahr 2021/2022 in den Blick. Gerade kleine und mittlere Unternehmen wollen wir ermutigen, auch in Zeiten der Pandemie und Wirtschaftskrise an der Ausbildung festzuhalten. Diese Unternehmen stemmen einen bedeutenden Teil der betrieblichen Ausbildung.

"Gerade kleine und mittlere Unternehmen wollen wir ermutigen, auch in Zeiten der Pandemie und Wirtschaftskrise an der Ausbildung festzuhalten."


Die Bundesregierung hat die Erste Förderrichtlinie für das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ weiterentwickelt. Unternehmen, die trotz Krise an der Ausbildung festhalten, profitieren nun von deutlich verbesserten Fördermöglichkeiten:

 

  • Wir haben die Ausbildungsprämie zum 1. Juni 2021 für das kommende Ausbildungsjahr verdoppelt: von 2.000 auf 4.000 Euro, sofern das Ausbildungsniveau stabil bleibt, bzw. von 3.000 auf 6.000 Euro, wenn das Ausbildungsniveau erhöht wird.
  • Gleichzeitig gibt es nun einen stärkeren Anreiz, Auszubildende und ihre Ausbilderinnen und Ausbilder trotz Kurzarbeit im Betrieb zu halten. Neben dem Zuschuss zur Ausbildungsvergütung kann nun auch die Vergütung der Ausbilderinnen und Ausbilder bezuschusst werden. Die Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung können zudem auch dann gezahlt werden, wenn der oder die Auszubildende an einem externen Lehrgang zur Abschlussprüfungsvorbereitung teilnimmt.
  • Wir erweitern den Kreis der anspruchsberechtigten Unternehmen auf Betriebe mit bis zu 499 Beschäftigten (zuvor bis zu 249). Damit greifen wir den mittleren Unternehmen stärker unter die Arme.
  • Gleichzeitig gilt unser Augenmerk auch den ganz kleinen Betrieben. Viele sind durch die Krise besonders ins Straucheln geraten. Für Ausbildungsbetriebe mit bis zu vier Beschäftigten gibt es nun einen „Lockdown-II-Sonderzuschuss“ in Höhe von 1.000 Euro. Voraussetzung ist, dass der Betrieb im aktuellen Lockdown seine Geschäftstätigkeit nicht oder nur in geringem Umfang weiterführen durfte, während er die Ausbildung an mindestens 30 Tagen fortgesetzt hat.
  • Wir wollen zudem verhindern, dass es aufgrund von Insolvenzen zu Ausbildungsabbrüchen kommt. Deshalb haben wir auch die Übernahmeprämie auf 6.000 Euro verdoppelt. Außer im Insolvenzfall kann sie jetzt auch dann gezahlt werden, wenn der Ausbildungsbetrieb den Ausbildungsvertrag aus wichtigem Grund vorzeitig beendet. Dies gilt auch, wenn sich die Beteiligten auf einen Auflösungsvertrag geeinigt haben, weil die Fortführung der Ausbildung pandemiebedingt nicht mehr möglich oder für den Betrieb nicht mehr zumutbar ist. Wir bauen damit eine Brücke zur Fortsetzung der Ausbildung.
    Auch die Zweite Förderrichtlinie des Bundesprogramms wird weiterentwickelt. Dabei geht es um Verbesserungen bei der Auftrags- und Verbundausbildung: Die Fördervoraussetzungen werden flexibilisiert, die Förderbeträge laufzeitabhängig gestaffelt und erhöht. Auch hier wird die Förderung einem größeren Kreis an Unternehmen zugänglich gemacht. Zudem soll in 2021 die Teilnahme an externen Vorbereitungskursen für die Abschlussprüfung gefördert werden können.

 

Sommer der Berufsausbildung

Wir brauchen einen gemeinsamen Kraftakt, um eine Krise am Ausbildungsmarkt abzuwenden. Im Rahmen der Allianz für Aus- und Weiterbildung planen wir mit Kammern und Sozialpartnern einen „Sommer der Berufsausbildung“. Wir wollen gezielt Betriebe und Jugendliche für eine betriebliche Ausbildung – trotz Pandemie – gewinnen. Auch der BVMW hat sich in den vergangenen
Jahren eng mit Schulen und Partnern aus dem Bildungsbereich vernetzt. Ich kann Sie nur ermutigen, gerade in den kommenden Monaten mit vollem Einsatz für die berufliche Bildung zu werben.

Gut zu wissen

Die Bundesregierung hat die Erste Förderrichtlinie für das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ weiterentwickelt:

 

  • Verdopplung der Ausbildungsprämie
  • Vergütung der Ausbilder kann bezuschusst werden
  • Lockdown-II-Sonderzuschuss: Für Ausbildungsbetriebe mit bis zu vier Beschäftigten gibt es eine Übernahmeprämie aufgrund von Insolvenzen
     

Hubertus Heil MdB
Bundesminister für Arbeit und Soziales
www.bmas.de

 


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