Serientipps: Halston, Die Schlange

Serien, die auf wahren Begebenheiten beruhen, faszinieren uns besonders. Übereinstimmungen mit der Wirklichkeit in Verbindung mit meist erfundenen Dialogen und ausgeklügelter Dramaturgie sorgen für gute Unterhaltung, und regen zum Nachdenken an.

Halston

 

Halston (Ewan McGregor) in der New Yorker Disco Studio 54

In berauschenden Bildern erzählt Netflix in einer Miniserie vom Auf- und Abstieg des berühmten US-amerikanischen Modeschöpfers Roy Halston Frowick (Ewan McGregor). Der Hutdesigner hatte seinen Durchbruch 1961, als Jackie Kennedy bei der Amtseinführung ihres Mannes zum Präsidenten einen seiner Pillbox-Hüte trug. „Gott segne Jackie Kennedy“, sie ist für Halston das Sprungbrett zum Erfolg. Sein Name wird zur Marke, er will der erste Mensch sein, der die Damen der High Society von Kopf bis Fuß einkleidet: Strümpfe, Büstenhalter, Höschen, Kleider, Schuhe, eben alles. Kostbare Stoffe, Eleganz, freche, coole Klamotten, Halston wird zum neuen Stern am Modehimmel. Er ist voller Ideen und Visionen, allein es fehlt das Geld zum Expandieren. Doch für das Geschäftliche hat der Künstler und Exzentriker kein Gespür. Für sieben Millionen Dollar verkauft er seinen Namen und die Marke Halston. Mit dem Unternehmen geht es steil bergauf. Parfum, Kofferkollektion, Teppiche, Uniformen für Stewardessen, die Marke kennt keine Grenzen. Gefeiert wird privat oder aber in der legendären Disco Studio 54 mit Prominenten wie Liza Minnelli, Andy Warhol, Bianca Jagger, das Leben eine einzige große Party. Doch das ausschweifende Leben, die Drogen- und Alkoholexzesse schaden seiner Kreativität und seiner Karriere. Das Management im Unternehmen verzweifelt schier an Halstons Eskapaden und entbindet ihn von allen seinen Posten.
Man spürt von Anfang bis Ende die Freude, die Lust und Leidenschaft, mit der der schottische Schauspieler Ewan McGregor in die Rolle des Hedonisten Halston schlüpft, und glaubt ihm aufs Wort, wenn er sagt: „Hello, I am Halston.“

 

Halston
(Drama, Miniserie USA 2021)
Regie: Daniel Minahan;
Trailer:http://bvmw.info/youtube_Halston
1 Staffel, 5 Folgen à 42 Minuten, Netflix

Die Schlange

 

Der Serienmörder Charles Sobhraj (Tahar Rahim) und seine Geliebte und Komplizin Marie-Andrée Leclerc (Jenna Coleman)

Und noch eine wahre Geschichte, ebenfalls brillant in Szene gesetzt: Charles Sobhraj (Tahar Rahim), Sohn einer vietnamesischen Mutter und eines indischen Vaters, aufgewachsen in Frankreich, sitzt schon als Jugendlicher im Gefängnis. Er ist schlau, er ist klug und er weiß, wie man Menschen umgarnen und ihr Vertrauen gewinnen kann. In den siebziger Jahren jettet er mit falschen Pässen durch Asien. In Bangkok etabliert er sich als Edelsteinhändler. Doch vor allem finanziert er sein Leben mit Betrug und Raubmord von Rucksacktouristen, die aus guten Verhältnissen kommen. Mehr als zwanzig Menschen soll er auf dem Gewissen haben. Zwei von ihnen sind Lena (Elli de Lange) und Wim (Armand Rosbak) aus den Niederlanden. Die Polizei in Bangkok hat nur wenig Interesse, Morde an Hippies aufzuklären und erlaubt Herman Knippenberg (Billy Howle), einem Mitarbeiter der niederländischen Botschaft, auf eigene Faust zu ermitteln. Schockiert durch den Anblick der verkohlten Leichen seiner Landsleute stürzt sich Knippenberg in seine neue Aufgabe, ohne zu ahnen, dass er einen Serienkiller jagt. Nachdem auch in Indien und Nepal die Leichen junger Touristen auftauchen, übernimmt Interpol die Ermittlungen. Ganz Asien fahndet nach Sobhraj. Weltweit berichten die Zeitungen über den skrupellosen Mörder. Man nennt ihn „die Schlange“, denn nach mehreren Festnahmen gelingt es ihm wieder, aus der Haft zu fliehen.
Der reale Sobhraj sitzt heute in Nepal im Gefängnis und ist laut Medienberichten noch immer ein Meister im Umgarnen von Menschen.

 

Die Schlange
(Thriller, Drama, Krimiserie Großbritannien 2021)
Regie: Daniel Minahan;
Trailer:http://bvmw.info/youtube_trailer_die_schlange
1 Staffel, 8 Folgen à 55 Minuten, Netflix

Friederike Pfann
BVMW Redaktion DER Mittelstand.
friederike.pfann@bvmw.de

 


Fotos: © Atsushi Nishijima/Netflix, Inc.; Roland Neveu/Netflix, Inc.