Die Chancen werteorientierter Lieferketten

Das Sorgfaltspflichtengesetz und der EU Green Deal sorgen für mehr Druck für eine nachhaltige Wirtschaftsweise. Mittelständler machen bereits vieles richtig.

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Die eigenen Unternehmenswerte sollten sich allerdings unbedingt auch in den Lieferketten wiederfinden. Der Einkauf spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Mit der zunehmenden Erwartungshaltung aus Politik und Gesellschaft und aufgrund der immer knapper werdenden Ressourcen steigt der Handlungsbedarf im Mittelstand. Finanzinstitute, Investoren und Kunden fordern mehr Transparenz: Welche Auswirkungen hat das eigene Geschäftsmodell auf Umwelt und Gesellschaft? Wie können positive Auswirkungen gezielt auf die Lieferkette ausgeweitet und negative Effekte abgewendet oder reduziert werden?

Wettbewerbsvorteile sichern

Nachhaltige Lieferketten sind widerstandsfähiger in Krisensituationen. Eine gezielte Entwicklung von Lieferanten durch Schulungsmaßnahmen im Bereich Umweltschutz und Menschenrechte verbessert nicht nur die Leistung der Geschäftspartner, sondern auch die eigene Nachhaltigkeitsleistung. Dies honorieren sowohl Kunden und Kapitalgeber als auch potenzielle Fachkräfte und die sensibilisierte Öffentlichkeit. Das neue Sorgfaltspflichtengesetz gibt dafür Orientierung und bereitet auf die geplante EU-Regulierung vor. Unternehmen, die jetzt in ein ambitioniertes Nachhaltigkeitsprogramm investieren, sichern sich Wettbewerbsvorteile im internationalen Vergleich.

Der Einkauf als Schlüsselfunktion

Kein Unternehmen kann heute noch glaubwürdig von sich behaupten, nachhaltig zu wirtschaften, wenn die Beschaffungsprozesse und Wertschöpfungsketten nicht aktiv eingebunden sind. Die deutsche Wirtschaft ist mit mehr als einer Billion Euro der drittgrößte Importeur weltweit. Bis zu 80 Prozent der Treibhausgasemissionen entstehen im Rahmen der Beschaffung und der zugehörigen Lieferketten. Mehr als 450 Millionen Menschen sind global darin tätig. Der Einkauf kann also mit seiner Nachfrage eine enorme Hebelwirkung erreichen. Existenzsichernde Löhne gegen Kinderarbeit, entwaldungsfreie Lieferketten zur Erhaltung der Biodiversität und kreislauffähige oder gar regenerative Produktionsprozesse gegen Rohstoffverknappung sind nur einige der Erfolgsrezepte, die es zu nutzen gilt.

Mitarbeiter und Lieferanten einbinden

Nachhaltigkeit ist kein Projekt, sondern eine fortlaufende Transformation. Daher gilt es, Mitarbeiter und Lieferanten frühzeitig einzubinden. Viele Mitarbeiter engagieren sich privat in Ehrenämtern oder achten auf Umweltschutz. Auch zahlreiche Lieferanten forschen an neuen Materialien und Herstellungsverfahren. Diese Begeisterung und dieses Potenzial für neue Ideen können Unternehmen fördern und nutzen. Daneben lohnt sich die Mitarbeit in nachhaltigen Brancheninitiativen und der Austausch mit Hochschulen und Nichtregierungsorganisationen wie Umwelt- und Sozialverbänden.

 

Yvonne Jamal
Vorstandsvorsitzende JARO Institut für Nachhaltigkeit und Digitalisierung e. V.
BVMW-Mitglied und hier im Expertenkreis Nachhaltigkeit aktiv
www.jaro-institut.de
www.jaro-academy.com

Gut zu wissen

Vorgehensweise zur Implementierung einer nachhaltigen Beschaffung:

 

  • Den gesamten Beschaffungsprozess nachhaltig gestalten und Lieferanten aktiv einbinden.
  • Konsequente Erfolgskontrolle sicherstellen, gezielt nachsteuern.
  • Misserfolge nicht verstecken, sondern Lerneffekte formulieren – das sorgt für Glaubwürdigkeit.

 

Der BVMW Expertenkreis Nachhaltigkeit hat einen kostenlosen Leitfaden zu den unternehmerischen Sorgfaltspflichten veröffentlicht: